Full text: Hessenland (8.1894)

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Recht, zu ihnen: „Sie haben meinen Vater nicht 
tu Frieden gelassen, der war ihnen zu fromm; 
gewohnten sie das an mir, so müßte ich ihnen ein 
Zinsmeier sein und meine armen Unterthanen 
müßten sie nähren und keinen Frieden dazu haben. 
Heute Landgraf oder keiner mehr! Und wer ein 
getreuer Hesse sein will, der folge mir." Daraus 
sprengte er auf seinem Schlachtroß gegen die 
Mainzischen, und mit Ungestüm folgten ihm alle 
seine Mannen, schlugen die Feinde in die Flucht 
von Englis bis in die Gegend von Jesberg, er 
beuteten 400 gesattelte Pferde und nahmen 200 
Reisige des Erzbischofs gefangen. 
Das geschah vor 500 Jahren uub soll uns eine 
Mahnung sein, über die Siege der Neuzeit unserer 
glorreichen hessischen Kriegsgeschichte nicht zu ver- 
gesse». 
Sch. 
Landgraf Philippus Rückkehr. Den 
11. September 1552, aus einen Sonntag, zog der 
Landgraf Philipp, aus seiner Gefangenschaft zu 
Mecheln befreit, in seinem lieben Kassel wieder 
ein. Darüber lalltet der Bericht eines Chronisten: 
„Als die Leute in der Neustadt, die eben in der 
Kirche waren, des Fürsten Ankunft vernahmen, 
sind sie Alle aus der Kirche gelaufen uub ihm 
nachgesolget bis in die Kirche St. Martini, da er 
sich vor dem Chor, allwo seine Frau Gemahlin 
begraben liegt, geknieet und so knieend die ganze 
Predigt über gesessen; darauf das te deum 
laudamus gesungen. Als ihn seine Herrn Söhne 
am Rhein empfangen, ist ein solch' Weinen gewesen, 
auch noch im Fortreiten, daß die Kammerdiener 
je zuweilen reine und trockene Schnupftücher geben 
müssen." 
H, 
Esch weg er Brunnen fahrten. Noch vor 
wenigen Jahren waren die Bewohner Eschweges 
daraus angewiestn, ihrer: Bedarf an Trinkwasser 
gegrabenen Brunnen zu entnehmen, deren Pumpen 
man überall iu den Straßen wahrnehmen konnte. 
In den heißer: Tagen des Sommers, um St. 
Johannis her:::::, fand alljährlich die Reinigung 
dieser Brunnen unter hergebrachter: Bräuchen statt, 
bereu Ursprung sich in grauer Vorzeit verliert und 
die unter dem Namen „Brunner:fahrten" be 
kannt sind. Jeder Brunnen hatte seine eigene 
Brunnenfahrt. Keine war in der Wahl des Tages 
vor: der anderen abhängig. Bei der Reinigung 
betheiligte sich die sämmtliche Brunnengemeinde, 
d. h. die Umwohnerschaft, welche ihren Wasser 
bedarf aus dem Brunnen zu decken pflegte, durch 
Ziehen an dem Seile, welches die gefüllten Kübel 
aus der Tiefe Heraufwand. Wer nicht selbst er 
schien, war durch Bedienstete vertreten, und die 
liebe Jugend zeichnete sich, wie gewöhnlich bei 
solchen Gelegenheiten, vor Allen dabei aus. Eirr 
guter Schluck würzte jederzeit die Arbeit. War 
der Brunnen von Wasser und Schlamm entleert, 
schritt der Brunnenmeister der Stadt zum Salzen 
desselben, wozu jedes Brunnengemeinde - Mitglied 
sein Theil Salz beisteuerte. War dies geschehen, 
wurde die Pumpe wieder eingesetzt, in Gang ge 
bracht und von dem jungen Volk mit Blumen 
gewinden bekränzt. Nach der Bekränzung fand 
unter dem Vorantritt der Eschweger Stadtkapelle 
unter Musik und Gesang ein Rundgang um die 
selbe statt, an welchem sich Alt und Jung be 
theiligte. Abends gab es Tanz, entweder auf dem 
Leichberge oder in einem der vielen Säle der 
Stadt. Die Kosten der Musik wurden durch frei 
willige Zeichnungen gedeckt. Vor Beginn des Tanzes 
aber fand die Neuwahl eines Bürgermeisters uub 
Schulzen statt, denen angeblich für das nächste 
Jahr die Brunnenverwaltung oblag; in Wirklich 
keit aber waren dieselben nur verpflichtet, das 
herkömmliche Einstandsfäßchen der Brunnengemeinde 
zurr: Besten zrr geben. Die Dienstbote:: waren bei 
dem Tanze nicht minder vertreten, wie die Herr 
schaften. Auch kam nicht selten der Fall vor, daß 
die Eschweger, die ja zu leben wissen, mit dem 
einen Abend nicht genug hatten und daß das 
Vergnügen nach acht oder vierzehn Tagen sich iu 
einer Nachkirmeß wiederholte; absonderlich war 
das der Fall, wenn die Zeichungen ausgiebig aus 
gefallen waren. Nachdem die Stadt sich neuerdings 
mit einer Wasserleitung versehen hat, und die 
Brunnen dadurch überflüssig geworden sind, wird 
das Verschwinden dieser Brunnenfahrten wohl nur 
noch eine Frage der Zeit sein. — 
Aus Hermath und Fremde. 
Die 45. Jahresversammlung und die 50jährige 
Jubelfeier des Hessen-Kassel'scheu Hanpt- 
Vereins der evangelischen G u sta v - A d v l f - 
Stiftung hat am 28. und 20. August unter 
zahlreicher Betheiligung zu Homberg stattgefunden. 
Am 3. September fand durch den Staatskonser- 
vator Geh. Oberregierungsrath Persius aus dem 
Kultusministerium im Beisein verschiedener Herren 
eine Besichtigung der Gruft in der St. Martins-
        

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