Full text: Hessenland (8.1894)

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einem dortigen Regiment als Arzt bestimmt, 
segelte er in den ersten Tagen des Juli 1833 
auf dem Reichtransportschiff „Dordrecht" ab und 
kam am 13. August desselben Jahres in Paramaribo 
auf Surinam an. Dortselbst blieb er bis zum 
Jahre 1840, in welchem Jahre er in die Heimath 
zurückkehrte, um sich in dem darauf folgenden 
Jahre mit Bertha Obergethmann ss. 28 b) 
zu verheiratheu. Darauf nach Westindien zurück 
gekehrt und als Regiments- und Oberstabsarzt nach 
Curaçao versetzt, starb er daselbst am 20. No 
vember 1849 am Nervenfieber. Ein ausführliches 
Tagebuch, leider nur bis zum 19. Januar 1839 
reichend, schildert in lebhaften Farben die Gebräuche 
und Sitten der Ureinwohner Westindiens, den 
damaligen Handel und Wandel und die staatlichen 
Einrichtungen der holländischen Kolonien. Dieses 
Tagebuch ist ganz gewiß von großen kultur 
historischen Werthe. Auch als Mediziner ist er 
literarisch thätig gewesen und hat eine Reihe von 
wissenschaftlichen Aussätzen in deutschen Fachzeit 
schriften veröffentlicht. Seiner Ehe entsprossen 
vier Kinder ss. 50—53). 
(Fortsetzung folgt.) 
— —&4K-S-— ; 
„Er geht durch wie ein Holländer!" 
Von Ludwig Mohr. 
ine nicht geringe Anzahl Sprichwörter oder 
Mi sprichwörtliche Redensarten, die der deutsche 
¿T Sprachschatz auszuweisen hat, sind in den 
Feldlager!: der Hessen entstanden, wie: ,-Fest wie 
Ziegenhain!", „Falsch wie Galgenholz!", „Revanche 
für Speierbach!" und andere mehr. Weniger be 
kannt dürfte der Ursprung der landläufigen 
Redensart sein: „Er geht durch wie ein 
Holländer!", die ebenfalls im hessischen Feld 
lagerleben entstanden ist. Diese Redensart stammt 
aus dem Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, 
als die Kriegsfackel des dreißijährigeu Krieges 
von Böhmen aus lohte und ihren blutigen Wider 
schein grell hinüber nach dein Rheine, nach der 
rheinischen Pfalz, warf. 
An der Donau standen damals die Heere der 
protestantischen Union und der katholischen Ligue 
sieh gegenüber. Zn Ulm kam es zwischen dem Führer 
des Unionsheeres, Joachim Ernst, und dem der 
Ligue, Maximilian von Baiern, zu einem Ver 
gleiche, durch den der von den Böhmen zum 
König gewählte Kurfürst von der Pfalz, Friedrich, 
der gesummten Macht des Hauses Oesterreich 
preisgegeben wurde; denn alle Feindseligkeiten 
zwischen den Bundesverwandten der Union einer 
seits und denen der Ligue andererseits sollten im 
Reiche aufhören, dagegen der kaiserlichen Exekution 
in der böhmischen Sache freier Lauf gelassen, der 
Vertrag also nicht auf Böhmen und die Erblande 
des österreichischen Hauses ausgedehnt werden; 
auch sollten Durchzüge zur Kriegsführung nach 
Böhmen beiderseits freigegeben sein. 
Diesen Umstand benutzte alsogleich der erblich 
bei der böhmischen Sache betheiligte König von 
Spanien, indem er dem Statthalter von Burgund, 
dem Erzherzoge Albert, befahl, das in Burgund 
aufgestellte spanische Heer unter der Anführung 
Ambrosius Spinvla's an den Rhein rücken zu 
lassen, um in der Pfalz (unter dem Vorgeben, 
diese zu sequestriren) die Kalvinisten auszurotten, 
die Jesuiten wieder einzusetzen und, sobald das 
geschehen, sowohl die Böhmen als ihre Verbündeten 
zum Gehorsam zurückzubringen. 
Spinvla nahm diesen Auftrag entgegen, er 
schien Plötzlich mit 15000 Hispaniern und 
Wallonen in der Pfalz und ging bei Engers 
über den Rhein, überall, wohin er kam, vor 
schützend, er erscheine im Namen des Kaisers. 
Indessen sandte der Statthalter von Burgund, 
der Erzherzog Albert, der gleichzeitig Obrister 
des oberburgundischen Reichskreises war, eine 
Meldung darüber an den Landgrafen Moritz von 
Hessen, als Obristen des oberrheinischen Reichs 
kreises, in welcher er den Einmarsch des spanisch 
wallonischen Heeres kund that und ihn ebenmäßig 
aufforderte, ihm zu Hilfe zu eilen oder doch 
wenigstens Neutralität zu Gunsten des öster 
reichischen Hauses in dessen Sache gegen den 
Pfälzer zu beobachten. 
Der Landgraf Moritz von Hessen, einer der 
weitest ausschauenden Bundesverwandten der pro 
testantischen Union, hatte bereits den Hinter Ver 
trag nicht gebilligt, weil er den bundesverwandten 
böhmischen König preisgab; er hatte weiter, 
weil er das Kommende voraussah, seinen Landes 
vertheidigungsplan seinen Landständen fix und 
fertig vorgelegt, die Festungen Ziegenhain und 
Rheinfels auf den Kriegsfuß gesetzt, sein Kriegs-
	        

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