Full text: Hessenland (8.1894)

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Geschichte der Familie Hille. 
Von Dr. med. Fricdr. Hille. 
(Fortsetzung.) 
17. Maria Neinhardine Elisabeth a 
Hille, geb. den 17. September 1768 zu Wetter, 
wurde den 25. September von Pfarrer Junk 
getauft. Taufpathen waren Frau Stiftvogt 
Maria Elisabeth« Günste zu Wetter und Maria 
Claudi zu Willingshausen. Sie verstarb bereits 
den 19. Mai 1772 und wurde den 23. Mai 
in der Kirche zu Wetter begraben. 
18. Johann Reinhard Hille, geb. 
den 12. Januar 1770 zu Wetter, wurde am 
14. Januar von Oberpfarrer Stanselach getauft. 
Pathe war Stiftsvogt Günste zu Wetter. Er 
studierte die Rechtswissenschaften, arbeitete, nach 
dem er zum Doctor juris promovirt hatte, unter 
dem kaiserlichen Kammergerichtsbeisitzer F. D. 
von Ditfurth am Kammergericht zu Wetzlar bis 
zum 2. März 1791, kehrte darauf nach Marburg 
zurück, wurde Lehrer der Rechtswissenschaften ander 
dortigen Universität, am 19. August 1791 zum 
?rot688or 8xti-aordinai'iu8 und Beisitzer der 
Juristen-Fakultät und am 15. Juni 1795 zum 
Ordinarius ernannt. Dieses Lehramt bekleidete 
er bis zum 2. Januar 1798, wo er auf 
eigenes Nachsuchen laut Reskript des Landgrafen 
Wilhelm IX. zu Hessen entlassen wurde, um als 
juristischer Beirath und Vertreter deutscher Fürsten 
am Reichshof zu Wien thätig zu sein. Nach 
einem nochmaligen kurzen Aufenthalt in Wetzlar 
begab er sich nach Wien, woselbst er vermöge seiner 
hervorragenden Kenntnisse und wissenschaftlichen 
Befähigungen schon im Jahre 1800 als kaiser 
licher Reichshofrathsagent thätig war. So wurde 
er am 18. August 1800 mit der Vertretung der 
Interessen des Fürsten Ludwig zu Solms-Brann- 
fels betraut, am 20. August 1800 mit der 
des Fürsten Christian zu Wittgenstein, am 
24. Oktober 1800 mit der des Fürsten Karl 
zu Solms-Lich. Nach dem Ableben des kaiser 
lichen Reichshofrathsagenten von Alt erhielt er 
die Vertretung des Landgrafen von Hessen- 
Homburg in allen vorkommenden Judizial- und 
Extrajudizialsachen und sonstigen Gegenständen. 
Außer diesen angeführten hatte er die Agentschaft 
des hochfreiadeligen Stifts Wallenstein, sowie die 
mehrerer Reichsgrafen. Am 28. September 1808 
starb er nach langwieriger Krankheit und wurde 
zu Wien beerdigt. Er hatte sich am 20. Mai 1801 
mit Christine von Stubenrauch vermählt, welche 
1782 als eine Tochter des Reichshofrathsagenten 
Johann von Staubenrauch geboren war. Die 
selbe heirathete in zweiter Ehe am 4. Juni 1810 
den Legationsrath von Lepell, starb jedoch bereits 
am 25. Februar 1812. Aus der Ehe mit 
Reinhard Hille entsprossen drei Kinder (29—31). 
19. Jakob Hille, geb. den 18. Sep 
tember 1771 zu Wetter, dortselbst den 21. Mai 
1772 gestorben und in der Gruft der Kirche zu 
Wetter begraben. 
20. Maria Margaretha Hille, am 
1. Juni 1773 zu Wetter geboren, war mit 
Forstrath Karl Follenius zu Bessungen vermählt 
und starb dortselbst im März 1835. Ihre Ehe 
war kinderlos. Sie erzog die hinterlassenen 
Kinder ihres zu Wien verstorbenen Bruders 
Reinhard. 
21. Johann Jakob von Hille, geb. 
den 4. März 1775 zu Wetter, widmete sich dem 
Militärdienste, trat 1802 in königlich dänische 
Dienste und stand in Rendsburg in Garnison, 
machte als Premierlieutenant im Regiment 
Oldenburg den Krieg gegen England mit und 
wurde bei der Blockirung der Insel Laaland 
durch die englische Flotte mehrfach zu sehr- 
wichtigen Depeschendiensten gebraucht. Mit welchen 
Gefahren für seine Ehre und sein Leben diese Auf 
träge verbunden waren, schildert er mit seinen 
übrigen Kriegserlebnissen in auf uns gekommenen 
Briefen. Durch seinen persönlichen Muth und 
durch seine tüchtigen militärischen Kenntnisse 
rückte er in seinem Avancement schnell voran, 
svdaß er dadurch den Neid seiner Kameraden 
erregte. Er kam als Kommandeur der 1. Kom 
pagnie des 8. Bataillons des dänischen Landwehr 
regiments in Saxköbing auf Laaland in gewalt 
samer Weise am 10. November 1808 um's Leben. 
„Er hatte einen Besuch zu Pferd bei einem seiner 
Freunde nach einem von seinem Standquartier 
nicht weit davon entlegenen Dorfe gemacht, 
wollte spät in der Nacht wieder nach Hause 
reiten, ward aber mördlich überfallen und von 
einigen unbekannten Leuten, wahrscheinlich mit 
Knütteln, sehr übel zugerichtet, ritt dennoch, ohne 
im mindesten beraubt zu werden, nach Hause, 
hatte selbst das Pferd wieder in den Stall ge 
zogen und sich darauf ohne fremde Hülfe zu 
Bett gelegt. Da dessen Bedienter den folgenden 
Morgen nach ihm sehen will, ist dessen Herr 
bereits sprachlos und völlig entkräftet gewesen, 
und 48 Stunden darauf verstorben, Da man 
einen gewissen Offizier in Verdachte hatte, Theil
        

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