Full text: Hessenland (8.1894)

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Landgrafen Georg II.*) ordnete über die Ver 
waltung der Ballei ungefähr Folgendes an: Die 
Ballei wird durch die von dem Landgrafen dazu 
ernannten Kommissare — Eitel Schoneberg 
von Oeynhausen, Christian von Liebenthal und 
den Syndikus Hermann Scharf — in seinem 
Namen verwaltet. Die Landkomthnrtafel und die 
Mittagstische, sowie Gästeeinladungcn sollen ab 
geschafft werden. Den fürstlichen Kommissaren, 
Beamten, Predigern und Dienern des Ordens 
wird ein Deputat an Geld und Feldfrüchten 
ausbezahlt, um sich damit selber zu beköstigen; 
nur die Tagelöhner und das Dienstgesinde sind 
durch den Trappanei-Verwalter zli speisen. Rechts- 
und Kriminalverhandlungen werden nur noch im 
Namen des Landgrafen abgehalten. Die Unter 
haltung von mindestens 20 Personen im Hospital 
und die Verpflegung der Armen, z. B. der zwölf 
Apostel und zwölf Beutelweiber, soll mit größter 
Sorgfalt, und ohne dabei irgend etwas zu ersparen, 
— genall nach Vorschrift — fortgesetzt werden. 
Die Schlüssel zum Grab der heiligen Elisabeth, 
welches stets unter Verschluß und Siegel gehalten 
werden nlllß, sind im Briefgcwölbe der Land- 
komthurei aufzubewahren. Der Weinschank in 
der Firmanei ist immer reichlich mit Wein zu 
versehen, um denselben so einträglich wie möglich 
zu machen u. s. w. — Auch das Ordenshaus 
Griefstüdt in Sachsen, welches zur Ballei Hessen 
gehörte, war von dein Kurfürsten von Sachsen in 
Besitz genominen worden und wurde von der 
sächsischen Regierung verwaltet. Der Komthur 
Philipp von Hundelshausen und der Dcutsch- 
Ordens-Ritter Bernhard von Schwarz, welche die 
Kommende vorher verwaltet hatten, waren aus 
derselben entfernt worden, ohne voll der sächsischen 
Regierung ein Deputat oder eine Entschädigung 
znin Lebensunterhalt erlangen zil können. Der 
Komthur Philipp von Hundelshausen verheirathete 
sich dann im Jahre 1633 oder 1634 mit der 
Anna Maria von Hundelshausen, ohne den Konsens 
seines Landkvmthnrs dazu erlangen zu können, 
da seine Briefe an diesen, der ja von Marburg 
verjagt war, nicht gelangen konnten. Er lebte 
dann in Glimmeroda, welches er von deil Erben 
der Katharina von Buttlar, geb. von Oeynhausen, 
gekailft hatte. Nach dem Prager Frieden (1635) über 
nahm Philipp von Hundelshausen die Kommende 
Griefstüdt wieder, wurde aber bald von den 
Schweden daraus vertrieben lind starb im Jahre 
1639 in Glimmeroda. — Anna Sibylla, die 
Schwester des Konrad Klos — geb. 1582 — 
befand sich im Jahre 1635 an dem Hofe des 
*) Lachewitz, Akten des Marburger Staatsarchivs. 
Landgrafen Friedrich I. (Vater des bekannten 
Friedrich II. mit dem silbernen Beill, späteren Königs 
von Schweden) zu Hessen -Homburg als Hof- 
meisterin bei den fürstlichen Kindern. In ihrer 
Jllgend war dieselbe Anfangs Hofdame bei der 
Gräfin von Gleichen, der Gemahlin des Grafen 
Karl von Gleichen, gewesen. Nach dem Tode der 
Gräfin von Gleicheil kani sie als Hofdame zil 
deren Tochter Anna Maria, welche mit dem Grafen 
Christoph zu Leiningen-Westerburg verheirathet 
war. Als sich danil deren Tochter, Margaretha 
Elisabeth, mit dem Landgrafen Friedrich I. zu 
Hessen-Homburg vermählte, kam sie in den dortigen 
Hofdienst als Hofmeisterin und später als Er 
zieherin der fürstlichen Kinder. 
Konrad Klos, welcher im August 1635 wieder 
in Marburg als Landkomthur der Ballei ein- 
gesetzt worden war, hatte bald darauf bei dein Hofe 
in Homburg vor der Höhe darum nachgesucht, 
seine Schwester Anna Sibylla ihm nach Marburg 
zu schicken. Anfangs Oktober reiste darauf hiil 
Anna Sibylla von Homburg vor der Höhe ab; 
in Schiffenberg angekommen, fühlte sie sich etwas 
unwohl, was sie aber nicht verhinderte, nach 
Marburg weiter zil reisen. Jin Ordenshaus bei 
Marburg angekommen, mußte sie sich wegeil Herz- 
llnd Magenleiden zu Bett legen und starb am 
4. Oktober. Auf dem Kirchhof, südlich der 
Elisabethkirche, wurde sie dann begraben. Konrad 
Klos bekleidete das Amt als Landkomthur noch 
bis zum Jahre 1638. Im Monat August, am 30., 
erkrankte er an heftigem'Fieber und starb am 
6. September. Sein Begräbniß fand am 23. des 
Monats September statt. Sein Epitaph, welches 
er sich vor seinem Tode noch selbst bestellt hatte, 
konnte der schlechten Zeiten halber erst später in 
der Elisabethkirche errichtet werden. Seine Brüder, 
welche in fremden Kriegsdiensten gegeil die Türken 
hohe Offiziersstellen bekleidet hatten, waren schon 
lailge vor ihm gestorben. Nur sein Bruder Günther 
hatte einen Sohn Namens Konrad hinterlassen, 
der mm der einzige Sprößling dieser alten Familie 
war. Auf Ansuchen seines Hofjunkers, des 
Philipp Heinrich von Enzberg, verwendete sich 
der Landgraf Philipp zu Hessen bei dem Landgrafen 
Georg II., daß alle Mobilien, welche die Sibylla 
Klos bei ihrem Absterben ihrem Bruder, dem 
Landkomthur, vererbt hatte, dem minderjährigen 
Neffen desselben gegcbeik würden. 
Ahnen t afel. 
N. Klos — Maria von Watzdorfs. N. Enzberg — Ursula von Mehringen 
^^ ^ zu Volstadt. 
Klos — Elisabeth von Portugal. N. Enzberg — Margaretha 
^ Vitzthum von Eielstädt. 
Friedrich Klos. Katharina von Enzberg. 
Konrad Klos, 
Landkomthur der Ballei Hessen und Komthur zu Marburg.
        

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