Volltext: Hessenland (8.1894)

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Saale der Zentralhalle. — Mittwoch den 29. August 
wurde Vormittags das Schloß Philippsruhe in 
Augenschein genommen. Den glänzenden Abschluß 
aller Veranstaltungen bildete ein Mittags mit Damen 
unternommener Ausflug nach Aschaffenburg. — 
Der Jahresversammlung wohnte Herr Regierungs 
präsident Graf Clairon d'Haussonville 
bei. Dieselbe hat einen in hohem Grade be 
friedigenden Verlaus genommen und anregend, 
belehrend und näherbringend im besten Sinne 
gewirkt. 
Das Festspiel „Gustav Adolf", vou unserm 
hessischen Landsmann Franz T r e l l e r her 
rührend, wird Ende Oktober d. I. in Kassel zur 
Aufführung gelangen. In einer zahlreich besuchten 
Versammlung, die am 17. August im evangelischen 
Vereinshause zusammentrat, wurden alle noth 
wendigen Schritte bereits eingeleitet. Ein Gesammt- 
ausschuß, an dessen Spitze Generalsuperintendent 
Fuchs steht, wurde ernannt und ein Garantie- 
fonds sofort gezeichnet. 
Kürzlich faitb die feierliche Einwei h u n g des 
vom Knüllklub aus dem Eisenberg bei Frie 
lingen errichteten Aussichtsthurmes statt. Die 
Theilnahme aus der Umgegend war trotz des 
Regenwetters eine sehr große. Zur Ehrung der 
Verdienste, die sich Forstmeister Borgmann in 
Oberaula um das Zustandekommen des Werkes 
erworben hat, wurde der Thurm „Borgmanns- 
thurm" geuannt. — In Neustadt hat sich ein 
Zweigverein des Oberhessischen Touristen 
vereins gebildet. 
Die Besucher der Gewerbehalle in Kassel 
haben, — so wird dem „Kasseler Tageblatt" ge 
schrieben —, in letzter Zeit Gelegenheit gehabt, 
eine S a m m l u n g von g l a s i r t e n T h o n - 
waaren dort zu finden, die bei ihrer Origi 
nalität und guten fertigen Wirkung trotz ihrer 
einfachen Herstellungsweise jedem Kenner Freude 
bereitet haben werden. Es sind Schüsseln, Töpfe, 
Vasen, überhaupt Geschirr aller Art mit meist 
rother, dunkelbrauner oder blaugrauer Grundfarbe, 
wie solches früher in Marburg und seiner Um 
gebung allgemein üblich war. Es ist sehr erfreulich, 
daß diese althessische Art keramischer Erzeugnisse 
nicht vollständig untergegangen ist und, durch die 
neue Strömung im Kunsthandwerk gehoben, wieder 
zu neuem Leben erweckt wurde. Denn auch die 
lebhafte Nachfrage nach den Gegenständen beweist, 
daß man die Vorzüge der ausgestellten Thonwaaren 
zu schätzen weiß. Die Herstellung geschieht derart, 
daß zunächst die Grundform auf der Töpferscheibe 
ausgeführt und diese nach dem Trocknen zunächst 
mit den Grundfarben bedeckt wird. Dann werden 
die plastischen Verzierungen für sich aufgesetzt, 
woraus die weitere Bemalung, die Glasirung itub 
das Brennen im Ofen erfolgt. Wer Gelegenheit 
gehabt hat, die Sicherheit zu beobachten, mit 
welcher Herr Schneider son. —, denn mit den 
Erzeugnissen dieser Marburger Töpferfamilie 
haben wir es hier zu thun -, die Bemalung 
nicht etwa mit einem Pinsel, sondern mit kleinen, 
nach unten stark erweiterten und am Boden mit 
einem Federkiel als Ausflußröhre versehenen 
Farbentöpschen ausführt, wird daran seine ganze 
Freude gehabt haben. Wir können nur hoffen, 
daß diese Töpferwaaren, von welchen diejenigen 
die stilvollsten zu sein Pflegen, welche möglichst 
in der altüblichen Weise ausgeführt sind, sich 
immer mehr Freunde erwerben, da sie, neben ihrer 
praktischen Verwendbarkeit, einen sehr geeigneten, 
ebenso eigenartigen als hübschen Schmuck für 
Küche und Speisezimmer bilden. 
Personalien. 
Ernannt: Pfarrer Meyer in Höringhausen zum 
Dekan des Dekanats Vöhl; Rechtskandidat Ruhl zum 
Referendar; Pfarrer Hebel in Grifte zum Superinten 
denten der Diözese Fritzlar-Melsungen; Gerichtsassessor 
Forkel zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Heide. 
Beauftragt: Generalsuperintendent Lohr in 
Kassel mit Versetzung der Oberhofpredigerstelle in Kassel. 
Verliehen: Dem zweiten Pfarrer, Superintendenten 
Schäfer in Fulda die erste Pfarrstelle und dem Pfarrer 
Ruhl in Aufenau die zweite Pfarrstelle der evangelischen 
Gemeinde in Fulda; dem außerordentlichen Pfarrer- 
Georg Friedrich Volkenand die Pfarrstelle in 
Wallroth; dem Landgerichtspräsidenten Kerckhoff in 
Anrich aus Anlaß seines Dienstjubiläums der Rothe 
Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub und der 
Zaht 50. 
Versetzt: Landgerichtsdirektor Wipper mann in 
Erfurt in gleicher Eigenschaft an das Landgericht zu 
Kassel; Postdirektor Schuesling von Bebra nach Ober 
hausen (Rheinland). 
Geboren: Ein Knabe dem Ingenieur C. Heyken 
(Kassel); Oberlehrer Dr. Schneider (Biedenkopf, 
12. August); ein Mädchen dem königl. Landmesser Wer 
ner (Kassel, 26. August). 
Verlobt: Reinhard Qu a as (Chemnitz) mit 
Fräulein Louise Matthieu (Kassel); Pharmazeut 
Wilhelm Saul mit Fräulein Margarethe Keu- 
ling (Langensalza). 
Gestorben: Hnuptsteueramtsasfistent a. D. Eckhard 
Jäger, 63 Jahre alt (Kassel, 10. August); Privatmann 
N. Eberhardt, 81 Jahre alt (Kassel, 17. August); 
Katharina Gieße, geb. Zimmermann, Wittwe des 
Kunstmalers Georg Gieße (Kassel, 13. August); Sophie 
B au st a e dt, Gattin des Konsistorialdirektors A. Bau- 
staedt aus Stade (Fulda, 13. August); Elisabeth 
Frankenberg, Töchterchen des königl. Landmessers 
Otto Frankenberg (Kassel, 15. August); Pfarrer Sigis 
mund Etzel, 55 Jahre alt (Haselstein bei Hünfeld, 
16. August); Postsekretär Otto Krug, 43 Jahre alt 
(Kassel, 17. August); Postrath Karl Ludwig Greve,
        

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