Full text: Hessenland (8.1894)

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trage (1534) zu ewiger Freundschaft und Dank 
barkeit gegen Hessen sich verpflichtet hatte, wurde 
diese Verpflichtung durch den eifrig lutherischen, 
dem Trünke ergebenen Herzog Ludwig vielfach 
außer Acht gelassen. Da Wilhelm mit ihm sich 
nicht verständigen konnte, wendete er seine Sorg 
falt auf den Erben Ludwig's, den Herzog Friedrich 
von Württemberg - Mömpelgard, seinen Schwester 
sohn, dicheil Erziehung er besorgte. 
Als in Folge der Hülfeleistung Johann Kasimir's 
voit der Pfalz an die Hugenotten der Herzog von 
Lothringen mit Krieg drohte, wandte Landgraf 
Wilhelm sich an Herzog Ludwig von Württemberg, 
den Obersten des schwäbischen Kreises, und er 
suchte ihn, ben Ausbruch der Feindseligkeiten zu 
hindern. Dieser Schritt hatte auch Erfolg. 
In den Streitigkeiten des Herzogs Adolf von 
Holstein - Gottorp mit König Friedrich II. von 
Dänemark übernahm Wilhelm mit Sachsen und 
Mecklenburg die Vermittelung, welche zu den 
Vergleichen von Odensee und Flensburg führte 
(1569, 1579, 1581). 
An seinen Neffen Friedrich, Herzog zu Holstein, 
schrieb er am 1. Oktober 1586: „Nicht zu Lust 
und Wohlleben habe Gott den Regenten zeitliche 
Güter gegeben, sondern zum Schutze seiner Kirche 
und der ihm anbefohlenen Völker, zur Leitung 
derselben durch reine und treue Lehrer, zur Hand 
habung gleicher Gerechtigkeit gegen Arme und 
Reiche." 
Aus der Zeit Wilhelm's rührt auch die erste 
Verbindung Hessens mit Schweden her. Karl IX., 
Herzog von Südermannland, war mit zwei Nichten 
Landgraf Wilhelm's vermählt, zunächst mit Anna 
Maria von der Pfalz, dann mit Christine von 
Holstein. Wilhelm und Karl tauschten hessische 
und schwedische Produkte geschenkweise aus; auch 
sandte Wilhelm Handwerker, evangelische Prediger 
und theologische Bücher nach Schweden. 
In vielen Streitigkeiten deutscher Länder trat 
er vermittelnd auf, so u. a. in den Bremer Religions- 
uuruhen, dem Streite über den Weserzoll zwischen 
dem Grafen von Oldenburg und Braunschweig- 
Hannover, der Stadt Danzig mit Polen, endlich 
bei dem Uebergang Pyrmonts an Waldeck. — 
Als Wilhelm IV. 1567 die Regierung antrat, 
enthielt Hessen-Kassel auf einer Größe von un 
gefähr 110 Quadratmeilen 30 Städte, 2 Festungen 
(Ziegenhain und Kassel), 8 Landschlösser, 80 Höfe 
und 626 Dörfer. Dieser Bestand nun wurde 
unter seiner Regierung bedeutend vermehrt. 
Nachdem im Jahre 1571 Dietrich IV., der 
letzte Dynaste von Plesse, gestorben war, fiel 
Plesse sowie 7 Dörfer, ein altes hessisches Lehen, 
wieder an dies Land zurück. Wilhelm als Vor 
mund der Wittwe Dietrich's, Agnes von Lippe, 
und der einzigen Enkelin desselben, Walpurgis, 
gestorben 1591 kinderlos als Gräfin von Waldeck, 
fand sich mit diesen beiden ab. Die Ansprüche 
des Erzstiftes Mainz au Plesse befriedigte Wilhelm 
durch einen Vergleich mit dem Kurfürsten von 
Brandet dahin gehend, daß Kloster Steina mit 
den dazu gehörenden Fischereien in der Leine an 
das Erzstift, der Zehnten in Bovenden au Hessen 
fiel. Ebenso kam ein Vergleich zu Stande mit 
Wilhelm von Lüneburg wegen der in der Gegend 
von Güttingen liegenden Plessischen, ehemals Eber 
steinischen Lehen, sowie mit den kinderlosen Herzögen 
von Grubenhagen, Wolfgang und Wilhelm, wegen 
Zugehörungen des von Braunschweig lehnbaren 
Amtes Radolphshausen. Dieses ganze Amt kaufte 
Landgraf Wilhelm im Jahre 1585 für 30 000 
Thaler mit Genehmigung des Kaisers unter der 
Bedingung lebenslänglicher Nutznießung von den 
selben. Als Streitigkeiten wegen der Landeshoheit 
über Plesse, den Flecken Bovenden und die Land 
straße daselbst, das Kloster Häkelheim, die Schiff 
fahrt auf der Weser, Werra, Fulda, die vier 
Grenzdörfer an der Werra, Merzhausen, Mollen 
feld, Niedergandern und Reckershausen, sowie Lehn, 
Zehnten und Zinsen im Göttingen'schen und auf 
dem Eichsfelde ausbrachen, entschied das Reichs 
kammergericht zu Gunsten Hessens (1581). 
Durch Aussterben der Linie Rheinfels mit 
Landgraf Philipp II. (1583) erhielt Hessen-Kassel 
seinen größten Zuwachs. Durch einen Tausch 
vertrag kam Landgraf Wilhelm in den Besitz der 
niederen Grafschaft Katzenelnbogen. Dieselbe be 
stand aus den Aemtern Rheinfels (10 Dörfer), 
Reichenberg (37 Dörfer) und Hohenstein (55 Oerter) 
mit der Stadt St. Goar, 4 Schlössern und 102 
Ortschaften; sie umfaßte 5fls Ouadratmeile, und 
ihre jährlichen Einkünfte waren zu 7000 Gulden 
angeschlagen. 
In Folge des Erlöschens der Grafen von Hoya 
und von Diepholz erhielt Hessen-Kassel einen 
Zuwachs von 7 Quadratmeilen, da die Aemter 
Uchte, Frendenberg und Auburg — 36 Flecken und 
Dörfer — hinzukamen. Beim Tode der Grafen 
von Diepholz (1585) zog Wilhelm das Hessen 
lehnbare Amt Auburg ein. Dieses Amt — Schloß 
Auburg, das Dorf Wagenfeld und den Wagen- 
feld'scheu Struden — hatte im Jahre 1521 Friedrich 
Edler Herr von Diepholz dem Landgrafen zu 
Lehn aufgetragen. 
Bereits seit 200 Jahren, seit dem Jahre 1360, 
besaß Hessen einen Theil der Herrschaft Schmal 
kalden. Die Erwerbung des anderen Theiles 
war mit dem Grafen Wilhelm VI. von 
Henneberg-Schleusingen auf dem Reichstage zu
        

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