Full text: Hessenland (8.1894)

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Die Wiege der Familie in Marburg war die 
sogenannte Wolfsburg. An der Spitze des Stein 
weges aus natürlichen Felsen erbaut, war sie 
ursprünglich mit einer befestigten Mauer um 
geben und durch einen unterirdischen Gang mit 
dem Schlosse verbunden. Sie erschien gleichsam 
als ein Vorwerk der Schloßbefestigungen. Im 
Anfang dieses Jahrhunderts wurde das schützende 
Mauerwerk bis zu einem unbedeutenden Reste 
abgetragen, welcher von nun an Hof und Garten 
einfaßte. Sechs kleine Kanonen, sogenannte 
Katzenköpfe, von denen zwei der Familie erhalten 
sind, dienten der eigenthümlichen Befestigung zum 
Schutze. Im Jahre 1867 ging dieses Besitzthum 
in andere Hände über. Jetzt besitzt die Familie 
eine dem Herrn von Ditfurth früher gehörige 
Besitzung am Renthöferthor. 
A. Quellen. 
1. Familienarchiv. 
2. Kirchenbücher von Hubenthal-Gertenbach, Hel- 
marshausen-Karlshafen, Ermschwerdt, Wetter, 
Marburg, Leipzig. 
3. Kurfürstlich hessische Staatshandbücher. 
4. Frankfurtische Gelehrtenzeitung von 1766. 
5. Barren trap. 
6. Aufsätze von R u p r e ch t (Hessischer Kalender). 
7. Justi, Hessische Denkwürdigkeiten. 
8. von Hohenhausen, Biographie des 
Generals von Ochs. 
9. Ko pp, Almanach, S. 2621. 
10. Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien, 
II. Band, S. 232 ff. 
11. Neue Europäische Zeitung, Nr. 193 vom 
6. Dezember 1808. 
B. Allgemeines über die Familie. 
Urkundlich nachweisbar ist die Familie seit 1550, 
wo der Stammvater aus England aus 
gewandert ist und sich auf dem Harz angesiedelt 
hat. Ein Enkel dieses setzte sich im Jahre 1630 
in Hessen fest, und zwar in Hubenthal, 
Kreis Witzenhausen, woselbst er ein Gut der 
Herren von Berlepsch zu Lehen nahm. Dieser 
Hille ist somit der Begründer der hessischen 
Linie geworden, die durch Auswanderung zweier 
Nachkommen nach Sachsen im Jahre 1769 
eine dritte Linie, die sächsische, bildete. Die 
braunschweigische Stammlinie hat sich nach 
Hannover verzweigt, steht heute in beiden 
Landen in hoher Blüthe und wird in dem 
Familienarchiv der hessischen Linie als die b rau n- 
schweig-hannöversche Linie bezeichnet. 
Die Familie besitzt ein Wappen, dessen im 
Jahre 1630 zum ersten Mal Erwähnung gethan 
wurde. Das Wappenschild: Blau Und Gold 
gespalten, vorn ein von Schwarz und Silber 
quer getheilter Adlerflügel, hinten ein Linden 
baum. Helm: ein sechseckiger goldner Stern 
zwischen zwei Flügeln, wie im Wappenschild. 
Decken: Blau-Gold. 
6. Die einzelnen Familienglieder. 
Abschnitt I. 
Die Familie bis zur Geburt des Jo 
hann Karl Heinrich Gottfried Hille 
(1743). 
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1. Bertholt» Hille, auf dem zu Braun 
schweig gehörigen Theil des Harzes geboren, 
siedelte 1630 nach Hessen über, übernahm als 
Oekonom ein Gut der Herren von Berlepsch zu 
Lehen, verheirathete sich in demselben Jahre 
mit Anna Sidonia von Linden. Aus seiner 
Ehe entsproß nur ein Sohn, welcher nach dem 
Ableben des Vaters sein Nachfolger in der Be- 
wirthschaftung des Gutes wurde. 
2. Johann Ludwig Hille, Sohn des Vor 
genannten, dessen Geburts- und Todestag sich mit 
Sicherheit nicht feststellen läßt, da nach Mit 
theilungen des verstorbenen Pfarrers Hoffmann 
zu Gertenbach zu damaliger Zeit durch die Wirren 
des dreißigjährigen Krieges die Kirchenbücher 
theils schlecht geführt wurden, theils verloren 
gegangen sind. So beginnt das älteste auf unsere 
Zeit gekommene Kirchenbuch erst mit dem Jahre 
1638. Zwei Kinder sind bekannt (3 und 4). 
3. Johann Bert hold Hille. Derselbe war 
ebenfalls Oekonvm, verwaltete das Gut Huben 
thal bei Gertenbach, vermählte sich 1716 mit 
einer Tochter des Verwalters Schmidt zu Fahren 
bach in Hessen. Aus seiner Ehe entsprossen fünf 
Kinder (5—9). 
4. Georg Christoph Hille, von welchem 
bis jetzt nur bekannt geworden ist, daß derselbe 
Amtsverwalter zu Griffstädt war. 
5. Johann Christoph Ludwig Hille, 
geb. den 13. Juli 1717 zu Hubenthal. Pathen 
waren Herr Christoph Mordian von Berlepsch, 
Verwalter Schmidt zu Fahrenbach, der Schwieger 
vater, und Johann Wilhelm, ältester Sohn des 
Herrn Amtmann Kühne zu Mollenfelde. Der 
selbe vermählte sich mit Christiana Hehnnu aus 
Leipzig, welche am 28. Februar 1721 geboren 
und am 1. März 1721 in der Thomaskirche zu
        

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