Full text: Hessenland (8.1894)

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Philipp der Großmüthige, Landgraf von Hessen 
1504 1567. 
Von H. Metz. 
(Fortsetzung.) 
c js\\ einer Berathung über die Aufhebung der 
W Klöster und Stifte, über die Verwendung 
CT ihrer Einkünfte und über Entschädigung der 
Betheiligten wurde vom Landgrafen Philipp am 
15. Oktober 1527 ein Landtag zu Kassel ab 
gehalten, der von ben Abgeordneten des Landadels 
tlnd der Städte besucht und desseir Beschluß 
folgender war: Diejenigen Mönche, die bleiben 
und sich dem Studium widmen wollten, sollten 
Aufnahme im Kugelhause zu Marburg finden; 
den bleibenden Nonnen wurde ein später zu be 
stimmender Ort ausbedungen. Wer austreten 
wollte, sollte abgefunden werden und zwar die 
Adeligen nach ihrer Mitgift, und falls sie gänzlich 
verarmt sein sollten, mit mindestens 100 Gulden, 
alle llnadeligen nach ihrem Bedarf. Da die 
meisten der vorhandenen Stiftungen von Vor 
fahren des Adels herstammten, so wurde, um 
diesen zu entschädigen, die Einrichtung einer Kasse 
beschlossen. Aus diesem Fond sollten wenigstens 
acht arme adelige Personen jährlich 200 bis 
300 Gulden Unterstützung beziehen. Verwaltet 
wurde die Kasse von einer aus vier Mitgliedern 
des Adels der beiden Fürstenthümer unter Auf 
sicht laudgräflicher Räthe bestehenden Kommission. 
Einen Theil der Klostergüter erhielt die zu 
errichtende Universität zu Marburg, „daß gute 
fünfte und tagend im wesen erhalten werden und 
männiglich seine Kinder zu ehren und fugenden 
nsziehn lassen mögen". Mit den noch übrig 
bleibenden Klostereinkünften ward eine Kasse 
gegründet zur Erleichterung der Abgaben, zum 
Besten der Armen und zur Befriedigung der 
Bedürfnisse des Landes. Diese Kasse war der 
Aufsicht zweier landgräflicher Räthe, zweier vom 
Adel und zweier von den Städten unterstellt. 
Die aus dem Kloster Austretenden wurden ent 
weder durch eine einmalige Auszahlung einer 
bestimmten Geldsumme abgefunden, oder es wurden 
ihnen Nutznießungen von Fruchtzinsen und Kloster 
einkünften zugewiesen. Anfangs fand nur die 
letztere Art und Weise der Abfindung statt, und 
nur ausnahmsweise, auf besonderen Wunsch, wurde 
eine Abfindungssumme ausgezahlt; erst später 
ward die Ablösung der Nutznießung durch Geld 
überall eingeführt. 
Schon vor der Synode zu Homberg hatten 
die Karmeliter zu Kassel ihre Kirche und ihr 
Haus, das sie aus Mangel an einlaufenden 
Almosen nicht mehr halten konnten, verlassen. 
Ihrem Beispiele folgten alsbald die Augustinerinnen 
auf dem Ahnaberge, die Kugelherrn zum Weißen 
hofe zu Kassel und die Karthäuser auf dem 
Eppenberge bei Felsberg. Verwendet wurden die 
Einkünfte dieser Klöster zur Besoldung von 
Predigern und Lehrern der neuen Schule zu Kassel 
sowie Anfangs auch zur Unterstützung ausgezeich 
neter Gelehrten. Die Wohnung der Augustinerinnen 
zum Weißenstein (Wilhelmshöhe) behielt der 
Landgraf für sich. Zu Marburg übergaben zuerst 
die Kugelherrn ihre Kirche, ihr Hans und ihre 
Büchersammlung. Die Dominikaner verzichteten 
durch eine Urkunde am 1. Juni 1527 auf ihre 
Besitzungen, und Ende Mai 1528 verließen die 
Franziskaner die Stadt. Dem Beispiele der 
letzteren folgten ihre Ordensbrüder zu Hofgeis 
mar und in anderen Städten. Die Gebäude 
der Kugelherrn, Franziskaner und Dominikaner 
wurden der neu gegründeten Universität durch 
Landgraf Philipp überwiesen. 
Ausgestattet wurde die Universität mit den Ein 
künften von neun Klöstern im Ober- und Nieder 
fürstenthum, nämlich des Kugelhauses zu 
Marburg, des Automiterhauses zu Grüne 
berg, des Augustinerklosters zu Alsfeld, des 
Klosters der Dominikaner zu Treysa, der Bene 
diktinerabtei bei Hasungen mit allen ihren 
Nutzungen und Gerechtsamen, Teiche und Fische 
reien ausgenommen, der Nonnenklöster zu Kaldern, 
Nordshausen und Wirberg, des Prämonstratense-
        

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