Full text: Hessenland (8.1894)

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VI. 
Arautgeschmeide. 
Wäre mir ein Thron beschieden, 
Eine Krone ließ ich schmieden, 
Und ich spräche: Nimm sie hin, 
Daß der Krone Diamanten 
Laut verkünden meinen Landen: 
Kniet vor Eurer Königin! 
Oder wenn der Lenz ich wäre, 
Ließ ich meine Blüthenmeere 
Lieblich wogen um Dich her. 
Sonnenglanz und Frühlingslüfte, 
Rosengluth und Veilchendüfte, 
Liebste, sprich, was willst Du mehr? 
Wär' ich gar der Herr da droben, 
Welchen Mond und Sterne loben, 
Brach' ich Dir, Du schöne Maid, 
Drei der hellsten meiner Sterne 
Aus der blauen Himmelsferne 
Als Dein köstlich Brautgeschmeid. 
Doch was brauchst Du all dergleichen? 
Weiß ich Schön'res doch zu reichen 
Hier ans meines Herzens Schrein: 
Was sind Sterne, was sind Kronen? 
Liebe kann nur Liebe lohnen; 
O so nimm's, was einzig Dein! 
VII. 
Wie Heist ich Aich kieöe. 
Wie heiß ich Dich liebe, wie kannst Du fragen? 
Es giebt keine Sprache, Dir's recht zu sagen. 
Das wäre ja keine Liebe, 
Wenn noch zu sagen es bliebe, 
Wie heiß ich Dich liebe. 
VIII. 
Still, mein Lied! 
Still, mein Lied! Du hörst ja, wie 
Schon die Jungen knurren. 
Schweig' und laß statt deiner sie 
Singen oder surren. 
Eine schon uralte Zeit 
Sahst du nah'n und scheiden, 
Seit im Herzen Lieb und Leid 
Mir gestimmt die Saiten. 
Anders tönt aus junger Brust 
Darum jetzt die Note; 
Nur die Alten, Lieb und Lust, 
Bleiben ewig Mode. 
Doch die sind ja noch mir hold, 
Und so will ich singen, 
Bis im Abendsonnengold 
Meine Saiten springen. 
Aus Heimatl) und Fremde. 
Bei der Landtags-Abgeordnetenwahl 
in Marburg wurde der bisherige Abgeordnete 
von Trott zu Solz, der sich wegen Beförderung 
einer Neuwahl hatte unterziehen müssen, wieder 
gewählt. — Auf der Breslauer Turn- 
a u s st e l l n n g, die mit dem VIII. deutschen 
Turnfest verbunden war, hat die Kasseler Turn- 
geräthefabrik von Heinrich Brink jr. die höchste 
Anerkennung des Turnausschusses erhalten. — Der 
in Kassel ansässige Bildhauer Jürgensen hat 
eine vortreffliche Büste Fritz Renter's geschaffen. 
Universitätsnachrichten. Der bisherige 
Rektor der Marburger Universität Professor Dr. Graf 
vonBandissin hat einen Ruf an die Universität 
Berlin erhalten und angenommen. — Bei der 
Rektorswahl in Marburg pro 1894/95 wurde 
Professor Dr. Th. Fischer gewählt. 
Am 31. Juli starb in Neuenhain bei Ziminers- 
rode Professor Dr. Johann Karl Glaser aus 
Marburg an Folgen eines Herzschlages, der Nestor 
der Alma Philippina. Die Universität verliert in 
ihm, wie die „O. Z." hervorhebt, einen bedeutenden, 
mit reichen Kenntnissen ausgestatteten Förderer der 
Wissenschaft, seine Schüler einen wohlwollenden 
Lehrer. Professor Glaser wurde geboren am 
9. April 1814 zu Neunkirchen (Reg.-Bez. Trier). 
Nachdem er das dortige Gymnasium besucht, 
widmete er sich dem Studium der Staats- und 
Kameral-Wissenschaften. Am 10. Januar 1844 
in Halle zum Doktor promovirt, siedelte er in 
demselben Jahre nach Berlin über, woselbst er sich 
am 17. Oktober habilitirte. Bom 1. September 
1855 ab wurde er als ordentlicher Professor der 
Staatswissenschaft, des Berwaltungsrechts und der 
Politik nach Königsberg und am 12. März 1868 als 
solcher an die Marburger Universität berufen, der 
er bis zu seinem Tode angehörte. Der Ver-. 
blichene hat eine bedeutende Anzahl wissenschaftlicher 
Werke theils philosophischer, theils und hauptsächlich 
wirthschaftlicher und politischer Natur verfaßt. 
In Kassel verstarb, 56 Jahre alt, am 25. Juli 
der Direktor des Betriebsamtes Schwerte-Kassel, 
Geh. Regierungsrath Joseph Busch, der am 
Tage seines Hinscheidens zum Oberregierungsrath 
ernannt und designirt war, vom 1. April n. I. ab
        

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