Full text: Hessenland (8.1894)

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aber gar nicht recht, und er ernannte ihn deshalb 
ebenfalls zum Kapitän, allerdings nach damaligen 
Verhältnissen nur zum Stabskapitän, im Füsilier 
bataillon des Regiments Landgraf Karl. In 
dieser Stellung machte Briede die Freiheits 
kriege mit. Am 1. Februar 1814 ging das 
Bataillon von Hersfeld über Alsfeld und Gießen 
das Lahnthal hinunter zur Belagerung von 
Luxemburg; während des Marsches bildete 
Briede seine jungen Soldaten in dem ihm von seiner 
Voltigeur-Kompagnie her bekannten Tirailleur- 
dienst aus und brachte sie so weit, daß sie im 
Stande waren, wesentlich zur Zurückweisung des 
von der französischen Besatzung Luxemburgs am 
18. März bei Merla unternommenen Ausfalls 
beizutragen. Er selbst wurde dabei schwer am 
Oberschenkel verwundet und kam durch die in 
Folge der Wunde eingetretenen Eiterungen und 
Fieberzustände an den Rand des Grabes; An 
fangs Juli kehrte das Regiment in seine Garnison 
zurück. Nachdem das Regiment seit Ende 
Januar 1815 in der Umgegend von Frankfurt 
gelegen hatte, rückte es Anfang April wieder die 
Lahn hinunter und die Mosel hinauf nach 
Frankreich und nahm an der Belagerung von 
Meziores Theil. Anfang Dezember bezog es 
wieder die Garnisonen. Am 16. Februar 
1816 wurde Briede für seine Leistungen vor 
Luxemburg der Orden vom eisernen Helm ver 
liehen. 
Dann wurde das Regiment in die von Kur 
hessen erworbene Stadt Fulda verlegt, wo Briede 
bis zur Neuorganisation des Kurfürstenthums 
blieb. Am 1. Mai 1821 wurde er als Kapitän 
in das Leibgarde-Regiment nach Kassel versetzt 
und am 3. November 1833 zum Major und 
interimistischen Bataillonskommandeur in dem 
selben Regiment ernannt, am 21. Dezember 1834 
aber als wirklicher Bataillonskommandeur in das 
1. Infanterie-Regiment (Leib-Regiment) versetzt, 
in welchem er am 6. Oktober 1836 zum Oberst 
lieutenant aufrückte. Am 14. September 1839 
schied er mit Pension aus, weil die Folgen 
seiner Kriegsstrapazen und seiner Verwundung 
ihm das Weiterdienen unmöglich machten. Er 
starb am 28. November 1862. 
■i-Sf-S- 
Naspe. 
Von Julius W. Braun. 
^andgraf Friedrich II. von Hessen (1760—1785), 
derselbe, der als Erbprinz schon zum katho 
lischen Glauben übergetreten, war ein sehr 
kunstsinniger, gelehrter Herr. Die Stelle eines Auf 
sehers des Antiken- und Münzkabinets, verbunden mit 
einer Professur der Archäologie am Carolinum zu 
Kassel, war neu zu besetzen. Es lag dem Land 
grafen daran, eine möglichst tüchtige, erprobte 
Kraft für den verantwortungsvollen Posten zu 
gewinnen. Gotthold Ephraim Lessing, der 
Verfasser des Laokoon, der antiquarischen Briefe 
und anderer, von der profundesten Gelehrsamkeit 
zeugender Schriften, befand sich damals ohne Amt 
in Berlin. Er war mehrere Jahre Sekretär des 
Generals von Tauenzien in Breslau gewesen, 
war der trockenen Schreiberdienste aber satt ge 
worden und suchte sich jetzt einen anderen 
Wirkungskreis, in dem er seinen künstlerischen 
und wissenschaftlichen Neigungen und Bestrebungen 
mehr nachleben könne, als dies in Breslau der 
Fall war. Am liebsten wäre er königlicher 
Bibliothekar zu Berlin geworden, da der seitherige 
Inhaber dieser angesehenen Stellung, Gaulthier 
la Croze, mit Tode abgegangen. Der Oberst 
Ouintus Jcilius schlug Lessing dem König vor, 
dieser lehnte aber sofort energisch ab. Er er 
innerte sich des Streites, den der heißspornige, 
jugendliche Literat dreizehn Jahre zuvor mit 
Voltaire, seinem Freund und Tafelgenossen, ge 
habt hatte, und an eine Anstellung speziell in 
Hofdiensten war hiernach gar nicht zu denken. 
Der König verschrieb sich einen neuen Bibliothekar 
aus Frankreich. . . 
Kammerherr von Spiegel machte jetzt den 
Landgrafen auf Lessing aufmerksam. Lessing sei 
der gelehrteste Mann in Deutschland, als Kunst- 
schriftsteller fände er nirgend seines Gleichen, eine 
größere Autorität in Sachen der Alterthumskunde 
gäbe es nicht, und man müsse ihn an Kassel zu 
fesseln suchen. Der Landgraf ertheilte sofort dem 
Kammerherrn den Auftrag, sich mit Lessing in 
Verbindung zu setzen. Dies geschah, und der 
feiernde Poet und Kritiker lehnte das Anerbieten 
nicht gerade ab. Spiegel hatte ihm zunächst ein 
Gehalt von 500— 600 Thaler offerirt, jedoch 
gleichzeitig beigefügt, er, Lessing, möge seine 
Forderungen lieber selber stellen. Schon glaubte 
man am Kasseler Hofe die Angelegenheit einem
        

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