Full text: Hessenland (8.1894)

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Feld bereits in vorrömischer Zeit besiedelt war. 
Daraus erklärt es sich auch, daß die älteste Verkehrs 
straße vom Spessart her, die „Birkenhaiuer oder 
Waldstraße", nicht auf Hanau, sondern auf das 
Kinzdorf verlief, wo sie den Main und vorher die 
ihn begleitende römische Uferstraße erreichte, von 
welcher in und bei Großauheim in den letzten 
Wochen deutliche Reste gefunden worden sind. 
Auf diesem noch freien Gebiete dürften sich noch 
manche Aufschlüsse nicht nur über die Urgeschichte, 
sondern auch über die mittelalterlichen Zustände 
im ältesten Hanau finden lassen. Sollten sich 
aber die in den vorstehenden Zeilen mit allem 
Vorbehalte angedeuteten Vermuthungen bestätigen, 
so würde sich zwischen den prähistorischen, römischen 
und mittelalterlichen Ansiedelungen ans dem Boden 
Hanaus eine Kontinuität ergeben, die wir bei 
anderen Plätzen am Main wiederholt nach 
gewiesen haben, in Hanau aber bisher zu finden 
kaum erwarten konnten. 
Friedrich Wilhelm Ernst Briede. 
Von Otto Gerland. 
(Schluß.) 
Cji nt 28. Oktober wurde endlich der Rückzug 
¡•k angetreten, am 31. berührte man wieder 
& * Miasma, am 5. November war man bei 
Dorogobusch, wv der erste Schnee fiel. Die west 
fälischen Truppen, welche beim Abmarsch von 
Moschaisk noch 6000 Mann gezählt hatten, 
waren bis zum 9. November auf 1500 Mann 
zusammengeschmolzen. An diesem Tage kamen 
sie zu Smolensk an, blieben dort einige Tage, 
und es wurden daselbst am 12. aus ihnen drei 
Bataillone gebildet. Am 15. marschirten sie 
nach Krasnoi weiter. Zwei Stunden vor 
diesem Ort wurden sie bei einem Einschnitt itit 
Gelände unweit des Dorfes Sterlino gleich den 
übrigen Heeresabtheilungen von den seitwärts 
schwärmenden Russen angegriffen, wie sie gerade 
vorbeimarschirten. Die westfälische Artillerie war 
ungefähr einen Tagemarsch hinter den übrigen 
westfälischeil Trlippen hermarschirt, ohne Bedeckung, 
unter dem Kommando des Generals All ix. 
Wenn arich nicht in geschlossener Kolonne, so 
marschirte die Artillerie doch batterieweise hinter 
einander, ohne durch andere Truppen getrennt zu 
sein, und bivouakirte Abends mit Allix. Briede 
marschirte an der Spitze des Zuges, in der Regel 
durch Allix geführt. Bei Miasma hatte das 
3. Linienregiment schon am 31. Oktober einen Mu 
nitionswagen stehen lassen müssen, anr 13. und 14. 
November den anderen Wagen und eine Kanone. 
Als nun die marschirende Artillerie am 15. No 
vember an der genannten gefährlichen Stelle 
Kanonendonner hörte, ließ Allix Halt machen, 
die folgenden Batterien aufrücken, so daß die 
Artillerie die Breite der großen Straße ausfüllte, 
und ließ sie, auf diese Weise zur Wagenburg 
gebildet, vorrücken. Nach einer halben Stunde 
etwa sah Allix ein französisches Gardebataillon 
in seiner linken Flanke voll Reitern und Ge 
schützen angegriffen und beschleunigte seinen Marsch 
in der Hoffnung, von diesem Bataillon auf 
genommen zu werden. Kauiil aber hatten ihn 
die Russen bemerkt, so wurde er auch von ihnen 
angegriffen. Er ließ sofort halten, zwei Geschütze 
der Wagenburg, meist von Offizieren, darunter 
Briede, bedient, links der Straße auffahren und 
schlug mit diesen einen Angriff der Russen unter 
empfindlichen Verlusten der letzteren zurück. Eine 
russische Batterie aber beschoß die linke west 
fälische Flanke so heftig, daß sogar ein west 
fälisches Geschütz zerschossen wurde, und gleich 
zeitig bemerkte Briede, daß sie von russischer 
Reiterei umzogen seien, welche sich eben anschickte, 
von der Seite und von hinten anzugreifen. 
Dies veranlaßte ihn, zu seinen auf dein rechten 
Flügel stehenden, noch verhältnißmäßig gut be 
spannten Geschützen zu laufen und diese nach der 
rechteil Seite hin fortzuführen, wobei ihin ein 
großer Schwarm Flüchtlinge zu Fuß, zu Pferd 
und auf kleinen Wagen folgte. Voll den 
Kosaken nicht beachtet, gelang es ihm, durch eine 
Vertiefung zu entkommen, während die gesammten 
übrigen westfälischen Geschütze und Munitions 
wagen vvil den Russen genommen wurden. Bei 
Eintritt der Dunkelheit erreichte er ein durch 
eine Schlucht von einem Dorf getrenntes Haus 
und machte hier Halt, um seineil Pferden etwas 
Ruhe uiid Futter zu geben, wurde aber nach 
einiger Zeit durch Flinteiischüsse aus beut Dorf 
über die Schlucht hinweg vertrieben. Unter 
vielen Hindernissen gelangte er dann wieder
        

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