Full text: Hessenland (8.1894)

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IT. Gegenstände aus Metall und zwar: 
1. aus Eisen: a) zwei Schlüssel der 
einfachsten Form, wie sie sich oft in den 
Niederlassungen neben Grenzkastellen und 
in Gehöften des Grenzlandes finden; 
d) drei Messer, zum Theil mit gut 
erhaltenem Holzgriff; o) eine größere 
Anzahl von Aexten und Zimmcr- 
mannsbeilen, die zum großen Theil 
bei der Arbeit von der Brücke in's Wasser 
gefallen zu sein scheinen. Sie bilden eine 
ziemlich vollständige Sammlung der sonst 
vereinzelt in den römischen Trümmern 
unserer Gegend, besonders auf der Salburg 
gefundenen Typen, die besonderen Werth 
dadurch gewinnt, daß das Eisen sich in 
dem Kies des Flußbettes ausnahinsweise 
gut erhalten hat. 
Dies gilt in noch höherem'Grade von: 
2. den Bronzegegenständen, die sämmtlich 
ohne den geringsten Ansatz von Patina, 
goldglänzend zu Tage gefördert wurden, 
sodaß man bei ihnen in höherem Grade, 
als cs bei sonstigen Funden der Fall zu 
fein pflegt, eine Vorstellung nicht nur der 
Gebrauchsart, sondern auch des Eindrucks, 
den dieselben zur Zeit ihres Gebrauches 
auf das Auge machten, gewinnt. 
Es war geradezu überraschend, aus dem von 
dem ehemaligen Nferschlamm schwarzgefärbten 
Kies, welchen die Arbeiter in de» Baggerkähnen 
sorgfältig durchsuchten, Nadeln, Schnallen, 
kleine Kettenringe, die bekannten Löffelchen 
mit nadelförmigem Griffe mtb andere Gegen 
stände hervorschimmern zu sehen, als augenfälligen 
Beweis für die Behauptung der Arbeiter, daß 
die früher abgelieferten Gegenstände ähnlicher 
Art von ihnen nicht abgerieben oder gereinigt 
seien. Dafür sprach übrigens auch schon der 
Umstand, daß man Feinheiten der Technik und 
der Ornamentirung erkennen konnte, die sonst 
durch die Patina verdeckt zu sein pflegen. Die 
Griffe der erwähnten Löffelchen sind durch Riefen 
rauh gemacht, offenbar um eine sichere Handhabung 
trotz der geringen Dicke des Griffes zu ermög 
lichen. An der üblichen Erklärung dieser 
„Löffelchen" (?) als „chirurgische Instrumente" 
könnte übrigens der Umstand irre machen, daß 
sie so außerordentlich oft in einfach ausgestatteten 
Wohnhäusern des Grenzlandes gefunden werden. 
An unserer Stelle wurden sie (zum Theil zer 
brochen) in sechs Exemplaren gefunden. Beson 
deres Interesse erregte auch eine noch federnde 
Pincette (der gewöhnlichen Form) und zwei 
größere Steck- oder H a a r n a d e l n, die noch 
mit den Spitzen in einer aus Bronzeblech her 
gestellten dütenförmigen Schutzdülle steckten, aus 
der man sie, wie zur Zeit der Verwendung, 
herausnehmen kann. 
Die 17 theils ganz, theils in Bruchstücken 
erhaltenen Gewandnadeln zeigen die ver 
schiedensten Typen von den einfachsten, aus einem 
Bronzedraht durch spiralförmige Windung der 
Mitte und Umbiegung des dicken Endes her 
gestellten Sicherheitsnadel bis zu der „Armbrust- 
fibel" mit massivem Bügel, dessen Querrippen in 
riefenförmigen Vertiefungen zum Theil noch den 
eingelegten Silberdraht (Tauschirung) haben. Auch 
die Scheibenfibel ist in einem kreisrunden Bügel 
stück erhalten, dessen Oberfläche in den Ver 
tiefungen noch die Spuren der ausgebrochenen 
Emaille, bezw. Glasmosaik zeigt. Da, wie wir 
später sehen werden, die Zeit des Gebrauches 
unserer Brücke und der Existenz der Station eine 
sehr beschränkte ist, so ist das Nebeneinander 
vorkommen der verschiedenen Fibelformen, die 
bekanntlich als eines der wichtigsten Mittel zur 
chronologischen Bestimmung römischer Anlagen 
benutzt werden, wohl geeignet, die übliche Klassi- 
fizirung römischer Fibeln einer Kontrolle zu 
unterwerfen. 
Als archäologisches Unikum darf wohl ein 
aus einein Bronzedraht mit viereckigem Quer 
schnitt hergestellter Armring bezeichnet werden, 
dessen beide Enden sich, das eine nach oben, das 
andere nach unten, in zwei länglich rechteckige 
Plättchen verbreitern. Diese sind zu einer recht 
eckigen Fläche von doppelter Höhe nebeneinander 
gelegt und dadurch aneinander befestigt worden, 
daß an der äußeren Seite jedes Plättchens sich 
ein dünnerer Draht ansetzt, der auf beiden Seiten 
znnächst zu einein Schneckenornament gewunden 
ist und dann, um das Ende des Ringes gedreht, 
zugleich den Verschluß bildet. Die Plättchen 
sind an den Rändern durch parallele Linien und 
zwischen diesen schräg eingepunzte Kerben orna- 
mentirt. In dem so umrahmten rechteckigen 
Raume zeigt das obere Plättchen die eingeritzten 
Buchstaben I) HER, das untere die Fortsetzung 
CVLI, also zusammen die Widmung D(eo) 
Herculi. Diese Inschrift auf einem, wie die 
Dimensionen vermuthen lassen, für den Oberarm 
eines kräftigen Mannes bestimmten Schmuckringe 
ist so auffallend, daß man geneigt sein möchte, 
anzunehmen, daß der Schmuck für eine lebens 
große Herkulesstatue bestimmt war, wenn nicht 
auch diese Annahme mit Rücksicht ans die Lokalität 
des Fundes fast noch größere Räthsel aufgäbe. 
Wir kommen nun zu den in wissenschaftlicher 
Beziehung wichtigsten Fundstücken, den Münzen.
	        

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