Full text: Hessenland (8.1894)

206 
MDWWM 
lllll!i , TnTn , : , >>i , iiri!!llll1fniliii!!ltlll!ni > llll , n1iiiiiili!ililillitlinililllllll,iiimiiiiiiriililllllliiiliiiliiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiii,l,illiiliii>iiiiiiiiiiiiiiiiiiii,iiiitjiiiiiiiiiiiiiiiHiif,iiiiiitiiiHliAiiji!liitiiiifmiiifiitimiiiiiiiiiitiittiiiiiiiimlhlmlli!iiin 
Eine römische Niederlassung auf dem Boden der Stadt 
Hanau. 
Von Professor vr. Georg Wolfs (Frankfurt a. M.). 
^Mie in Frankfurt, so galt es auch in Hanau 
t|fj bis vor wenigen Jahren den Lokalforschern 
V als ausgemacht, daß das Terrain, auf 
welchem heute die beiden Städte sich ausbreiten, 
in vorgeschichtlicher und römischer Zeit ein von 
Flußarmen durchzogenes Sumpf- und Bruchland 
war, dein sich insbesondere die Römer mit ihren 
Straßen und Niederlassungen geflissentlich fern 
hielten. Vereinzelte Nachrichten über angeblich 
römische Funde, die hier wie dort nach münd 
licher und schriftlicher Neberliefernng gemacht 
sein sollten, wurden unter Hinweisung auf die 
Kritiklosigkeit mancher älterer Lokalhistoriker 
allgemein als unhaltbar bezeichnet. Auch als in 
den Jahren >886—1888 an der Kinzigmündung 
das große Kastell von Kesselstadt aufgefunden 
lind gleichzeitig die Existenz einer römischen 
Mainbrücke vor der Mündung des Mainkanals 
nachgewiesen wurde*), war man noch geneigt, die 
Hauptverkehrsstraßen von jenem Lager zu dem 
Grenzkastell Rückingen das Gebiet der jetzigen 
Stadt in einem das rechte Ufer der unteren 
Kinzig begleitenden Bogen umziehen zu lassen, 
ganz wie bei Frankfurt die von der Lokalforschung 
anerkannten römischen Ansiedelungen das eigent 
liche Stadtgebiet in einem nach Süden offenen 
Bogen umgaben. Immerhin aber mußte die 
Existenz und Lage der Hanauer Brücke bereits 
erhebliche Bedenken gegenüber dem Dogma von 
der Unberührtheit des Hanauer Bodens erwecken 
zu einer Zeit, wo auch in Frankfurt die neuen 
Fundstätten römischer Reste sich dem Kerne der 
Stadt immer mehr näherten. Hatten die Aus 
grabungen bei Kesselstadt bereits ergeben, daß 
die von Friedberg nach dein Mainknie bei Hanau 
verlaufende römische Straße die ehemals sumpfige 
Niederung an der Kinzigmündung dicht vor 
*) Vergl. G. Wolfs, Dos römische Lager zu Kessel 
stadt bei Hanau. Hanau 1890. Ueber die Mainbrücke 
und ihre Zufuhrwege handelt besonders der 111. Abschnitt, 
S. 19 ff. 
den westlichsten Häusern der Stadt durchkreuzte, 
so wurde es durch die Auffindung der Brücken 
reste mehr als wahrscheinlich, daß, wie das linke, 
so auch das rechte Mainufer von einer Straße 
begleitet war, welche das Kastell Großkrotzenburg 
über Hanau, Kesselstadt, Frankfurt rc. mit Kastei 
tind Mainz verband.*) Diese Vermuthung fand 
dann sehr bald eine Bestätigung durch die Auf 
findung zweifelloser Reste dieser rechtsmainischen 
Uferstraße, besonders aber durch die zufällig, aber 
sehr rechtzeitig erfolgte Aufdeckung der Trümmer 
einer Militärstation unter dem Boden des ältesten 
Theils der Stadt Frankfurt, welche ein- für alle- 
mal jeden Zweifel daran beseitigten, daß auch 
den Römern die Bedeutung der Frankenfurt für 
den Verkehr im unteren Maingebiete nicht ent 
gangen war. 
Noch fehlte für Hanau ein gleich ausschlag 
gebender Beweis für die Besetzung und Be 
siedelung des eigentlichen Stadtgebietes. Da 
sollten denselben im vergangenen Jahre die 
Arbeiten für die Anlage einer Werft an der 
Mündung des Mainkanals in überzeugendster 
Weise bringen. Dieselben nöthigten dazu, in 
dein Winkel zwischen Kanal und Strom das 
Ufer in einer Breite von ca. 30 Meter abzu 
tragen. Die Stelle lag gerade da, wo nach den 
früher gemachten Beobachtungen die römische 
Brücke das nördliche Ufer erreichen mußte. Die 
im Jahre 1886 hier zur Feststellung des Brücken 
endes vorgenommenen Nachgrabungen waren 
resultatlos geblieben, da sich ergab,' daß das 
*) Diese Vermuthung wurde zum ersten Male aus 
gesprochen in der oben angeführten Schrift, S. 28. Ihre 
Bestätigung fand der Verfasser bald bei den Unter 
suchungen, die er in der Umgebung Frankfurts theils 
privatim, theils im Aufrage der Reichs-Limes-Kommission 
vornahm. Vergl. G. Wolfs, Die römischen Ziegeleien 
von Ried bei Höchst und ihre Umgebung. Frankfurt a. M. 
1893. Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 
dritte Folge, IV. Band, S. 215, Anm. 1, 235 ff. u. 245. 
Limesblatt 1893, Nr. 6, 52.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.