Full text: Hessenland (8.1894)

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Aus alter und neuer Zeit. 
Unsere hessischen Landsleute findet man 
bekanntlich überall. Als ich vor einer Reihe 
von Jahren zum ersten Mal die damals noch in 
englischem Besitze befindliche Insel Helgoland be 
suchte, fiel mir in der Princeßstreet unter all den 
Jansen, Friedrichs, Ohlsen ein Name aus, der 
unverkennbar hessisches Gepräge aufwies; es war 
der Name Stichtenoth. Obgleich der mir be 
kannte Träger dieses Namens, dessen ich mich aus 
der Heimath erinnerte, durchaus nichts Anziehendes 
für mich hatte, so beschloß ich doch, seinen Helgo 
länder Namensvetter kennen zu lernen. Ich trat 
in die Werkstätte, — der Mann war Schuster —, 
und fand einen freundlichen alten Mann, der 
denn natürlich auch als kurhessischer, aus Wanfried 
stammender Landsmann sich zu erkennen gab. Er 
war vor reichlich 40 Jahren auf der Wanderschaft 
nach Hamburg oder Bremen gekommen, hatte sich 
dort aus ein Schiff verdingt, war nach Helgoland 
gerathen und dort „hängen geblieben". Er ließ 
sich als Schuhmacher nieder und heirathete eine 
Helgoländerin; wenn er aber auch äußerlich Helgo 
länder wurde und im Umgänge mit seinen neuen 
Landsleuten den Jnseldialekt sich aneignete, sprach 
er doch noch nach 40 Jahren seine unverfälschte 
hessische Mundart. An der alten Heimath, die er 
im Laufe der Jahre einmal besucht hatte, hing er 
mit großer Liebe und war deshalb auch sichtlich 
erfreut über meinen Besuch. Ich bin dann zu 
weilen — auch in späteren Jahren — bei ihm 
gewesen und habe mit ihm geplaudert von der 
hessischen Heimath, ihren Bergen und grünen Thälern, 
die noch als freundliche Erinnerung vor seiner 
Seele standen. — Der Name Stichtenoth erweckt 
noch ein anderes Interesse. Meiner Ansicht nach 
gehört er zu den meist imperativen Namens- 
sormen, die wir gerade in Hessen ziemlich häufig 
haben, wie Schnellenpfeil (Schnell den Pfeil), Rinn- 
insland (Rinn in's Land), Hastenpflug oder Hassen 
pflug (Hast den Pflug). Stichtenoth heißt jeden 
falls ursprünglich „Stich die Naht"; der erste 
Träger ist also ein Schneider gewesen. Vielleicht 
giebt ein Fachmann sein Urtheil über meine Ver 
muthung ab. 
Aus der Zeit der Wiederherstellung des kur 
fürstlichen Regimentes nach der westfälischen Periode 
stammt das nachstehende, von der Ordenskanzlei 
ausgegangene Schriftstück: 
Zur Nota: 
Der Durchlauchtigste Ordens-Stifter haben 
die Taxe der Ordenszeichen aus dreyßig 
D u k a t e n bestimmt, welche von den Herren 
Rittern an den Ordens - Schatzmeister, Hos- 
Jntendanten Cnyrim eingesendet werden können. 
Außerdem werden von einem jeden Herrn 
Ritter bei der Ausnahme zum Behuf des 
Hospitals S. Elisabeth und zu des Schatz 
meisters Berechnung erlegt . 5 Pistolen. 
Ferner als Gratial an den 
Garderobier...... 2 Pistolen. 
Und so auch an den Herold . . 2 Pistolen. 
Überdas wird, nach einer bestehenden eonformen 
Einrichtung, ein Kapital von 200 Rthlrn., oder 
40 Pistolen, eingelegt, welches für die Ordens- 
Armen-Kasse dergestalt bestimmt ist, daß aus 
den Interessen dieses kleinen Kapitals das auf 
S. Elisabethentag gewöhnliche jährliche Ordens- 
Armen-Opser von zwey Pistolen bestritten, folg 
lich ein ewiges Opfer dadurch gestiftet, und 
dieses sowohl während der Lebzeit als nach 
dem Tode der Herren Ordens-Ritter zur jähr 
lichen Rechnungs-Einnahme gebracht, und aus 
solche Weise durch jene milde Gabe das Andenken 
an den Verstorbenen für immer rühmlichst er 
halten wird. 
Kassel, d. 31. Dec. 1814. 
Aus Kurfürsts. 
Ordens -Kanzley. 
F. W. Strieder, 
geheimer Hof- und Ordensrath. 
Aus Heimath und Fremde. 
Die Vorbereitungen zu dem in der letzten August- 
woche stattfindenden fünfzigjährigen Jubiläum 
des Hanauer Bezirksverein für hessische 
Geschichte und Landeskunde, verbunden mit 
der Jahresversammlung des Hauptvereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde 
werden der „Han. Ztg." zufolge jetzt eifrig be 
trieben. In großen Zügen ist das Programm 
nunmehr entworfen. Am Montag, 27. August, 
wird ein Festkommers in dem Saale der „Zentral- 
halle" die Festtheilnehmer vereinen, bei dem es 
an Musik, Gesang und sonstiger anregender 
Unterhaltung nicht fehlen wird. Die Jahres 
versammlung des Kasseler Hauptvereins wird am 
Dienstag Vormittag, 28. August, abgehalten, auf 
die zwei Festvorträge folgen werden, und zwar 
wird Herr Landgerichtsrath Dr. Brandt über die 
Landgräfin Amelia Elisabeth von Hessen und Herr 
Professor Dr. Wackermann überMoscherosch (eigent 
lich Mosenrosh, Schriftsteller unter dem Pseudonym 
Philander von Sittewald, geboren 5. März 1601
        

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