Full text: Hessenland (8.1894)

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für Mathematik (praesertim in Mathematicis) 
ein Professor heranzuziehen. Zum Fünften sollen 
auch Sprachgelehrte (Professores Linguaruni) 
Anstellung an der zu errichtenden Universität 
finden. 
Was nun die Kirche nach außen anlangt, so 
wurden folgende Bestimmungen getroffen. Jeder 
einzelnen Gemeinde (Kirche) war die freie Wahl 
ihrer Priester und Diakonen überlassen, sowie die 
Besugniß ertheilt, dieselben, falls sie sich ihres 
Amtes unwürdig zeigen sollten, zu entfernen. 
(Eligat quaevis Ecclesia aut deponat Episcopum 
suum qui ex episcopis aut mollitie, 
aut pompa vestitus, aut suae conversationis 
leyitate Ecclesiae, cui praesit, praebet offendi- 
culum, ab Ecclesia deponatur.) Nur der ganzen 
Gemeinde stand das Recht zu, zu exkommuniziren 
sowie von der Exkommunikation zu absolviren. 
Der Kirchenbann durste nur bei solchen Verbrechen, 
die die Ausschließung des Betreffenden aus der 
christlichen Gemeinde mit sich brachten, in welt 
lichen Rechtsstreitigkeiten stattfinden. An Stelle 
der Sendgerichte wurden Zusammenkünfte der 
Laien und Priester in einer jeden Gemeinde ab 
gehalten. Streitige Ehesachen sollten allein nach 
dem Worte Gottes entschieden werden und der 
Priester der Gemeinde in schweren Fällen die 
Visitatoren oder andere in der Schrift erfahrene 
Männer um Rath fragen. (Quod si quis Epis- 
coporum perplexus in bis [sc. graves Casus 
matrimoniales] est, consulat Visitatores aut 
alios, qui ex Scripturis Sacris de eiusmodi casi- 
bus iudicare possint. . .) Jährlich wurde unter 
Oberaufsicht des Landgrafen eine Provinzialshnode 
für ganz Hessen zu Marburg abgehalten, der 
das oberste Kirchenregiment übertragen war. (nt 
semel pro tota Hassia celebretur Synodus 
apud Marpurgum. . . .) Bei ihr stimmten 
persönlich alle Pfarrer des Landes, die Abgeordneten 
der Kirchen und der Landesfürst mit seinen vor 
nehmsten Ständen. Ein Ausschuß von dreizehn 
Deputirten stand an der Spitze der Synode 
(commissionis XIII electis). Die Ernennung oder 
Wahl der Visitatoren, deren anfangs drei waren, 
sowie die Kirchenzucht hing von dieser Synode 
ab. Diese Visitatoren sollten in jeder Gemeinde, 
wohin sie kamen, nebst ihrer Dienerschaft freigehalten 
werden, dursten jedoch keineswegs in ihren Amts- 
geschästen Geschenke annehmen (ne vel munu- 
scula pro suo ministerio accipiant). Das Amt 
bestand darin, alljährlich eine Kirchenvisitation 
abzuhalten, die von den Gemeinden gewählteil 
Prediger aus ihre Würdigkeit hin zu prüfen und 
erforderlichenfalls abzusetzen, über die Predigt 
und die Haltung der Synodalbeschlüsse zu wachen. 
Da nun bei den getroffenen Bestimmungen 
über die Besugniß der Gemeinden, z. B. Wahl 
und Absetzung der Pfarrer, leicht Unzuträglichkeiten 
hätten entstehen können, so sah sich Landgraf 
Philipp genöthigt, mehrere der den Gemeinden in 
der ersten Kirchenordnung gemachten Zugeständnisse 
selbst zu übernehmen. Es wurden an Stelle der 
jährlichen Visitatoren Superintendenteil zu Mar 
burg, Kassel, Alsseld, Rotenburg, Darmstadt und 
St. Goar ernannt und einem jeden ein bestimniter 
Amtsbezirk zugewiesen. Beim Ausscheiden eines 
Superintendenten aus seinem Amte mußten die 
Pfarrer des betreffenden Bezirks drei geeignete 
Persönlichkeiten den bleibenden Superintendenten jur 
Wahl vorschlagen. Diese von ihnen getroffene Wahl 
wurde entweder vom Landesherrn bestätigt, oder 
er ernannte einen Anderen zum Superintendenten. 
Die Superintendenten hatten keine Machtbesugniß, 
Pfarrer ein- oder abzusetzen, doch konnten von 
ihnen provisorische, bis zur nächsten Synode 
gültige Verfügungen erlassen werden. Alle zwei 
Jahre mußten sie bei den ihnen unterstellten 
Pfarreien Visitationen halten, mußteil den Lebens 
wandel, die Lehre und Amtsführung der Pfarrer, 
das Betragen der ihnen zugeordneten Kirchendiener, 
den Glauben und das Leben der Psarrkinder 
beaufsichtigen und das Volk in einer Predigt 
selbst unterrichten, Mißbräuche abstellen oder der 
Synode, ja selbst dem Landesherrn über dieselben 
Anzeige erstatten. Später (1539) wurde die 
Verfügung getroffen, daß in einer jeden Kirche 
Aeltesten, die sowohl aus das Verhalten der 
Prediger als der Gemeindemitglieder genau Acht 
geben sollten, bestellt würden. Auch wurde be 
stimmt, daß ohne Erkenntniß und Urtheil der 
Superintendenten Niemand mit dem Banne belegt 
werden sollte. Am 21. Oktober 1566 wurde durch 
ein Edikt des Landgrafen die erlassene Kirchen 
ordnung wiederholt und bestätigt. 
(Fortsetzung folgt.)
        

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