Full text: Hessenland (8.1894)

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leichten Kavallerie . . 3 Todte, 46 Verwundete, 
schweren „ . . 4 „ 16 
Infanterie (9 Bataillone) 9 „ 80 „ 
Artillerie 2 4 „ 
zusammen 18 Todte, 146 Verwundete; 
sämmtliche Generale, außer v. Ochs, waren todt 
oder verwundet. 
Die Westfalen blieben vier Tage lang auf dem 
Schlachtfeld stehen, wo sie genügend Gelegenheit 
hatten, die Gräuel der Verwüstung und die 
schauderhafte Rücksichtslosigkeit Napoleon's gegen 
die um seiner Sache willen Verwundeten kennen 
zu lernen, und marschirten dann nach Moschaisk, 
eine Brigade, bestehend aus dem 3. Linien- 
Jnfantcrie-Regiment, dem 2. und 3. leichten 
Bataillon, sowie 60 Husaren unter Oberst Ber 
nard brachte die kaiserlichen Tresorwagen nach 
Moskau und blieb dort bis Ende September, zu 
welcher Zeit sie nach Moschaisk zurückkehrten, wo 
die übrigen Westfalen stehen geblieben waren. 
Hier blieben die Truppen bis zum 28. Oktober 
stehen, sie wurden aber bereits dermaßen von den 
Russen umschwärmt, daß schon am 10. Oktober 
das 1. Bataillon des 6. Linienregiments zu 
Wereja, südlich von Moschaisk, gefangen genommen 
wurde. 
^Fortsetzung folgt.) 
Philipp der Großmüthige > Landgraf von Hessen. 
1504—1567. 
Von H. Metz. 
lFortsetzung.) 
cji m 21. Oktober 1526 Morgens 7 Uhr wurde 
' Atf in Anwesenheit des Landgrafen Philipp durch 
< ~ r j* den Kanzler Johann Feige die Synode 
zu Homberg eröffnet. In seiner Eröffnungs 
rede setzte Feige auseinander, daß der Landgraf 
keineswegs beabsichtige Jemanden zur Annahme 
der neuen Lehre zu zwingen, sondern, nur um 
zu berathen, was zu einer guten Regierung der 
Kirche gehöre und wie der Gottesdienst am besten 
einzurichten sei, wäre die Versammlung berufen 
worden. Der Landgraf forderte nunmehr die 
Anwesenden auf, über diese beiden Punkte sich zu 
äußern. Zuerst ergriff der Theologe Lambert 
von Avignon das Wort; er verlas, erläuterte 
und vertheidigte seine in lateinischer Sprache ab 
gefaßten Sätze während mehrerer Stunden. Die 
Sätze zu widerlegen unternahm zuerst der Guardian 
der Franziskaner zil Marburg, Nikolaus Ferber. 
Lambert's Sätze nannte er unchristlich und un 
kirchlich ; das Recht Synoden zu berufen, komme 
den weltlichen Fürsten nicht zu, ebenso wenig wie 
das Recht Klöster zu reformiren und Kirchen- 
ordnnngen vorzunehmen. Als letzter sprach gegen 
eine vorzunehmende Kirchenverbesserung der alte 
Pfarrer zu Waldau, Johannes Sperber. Eine 
Kirchenreform wurde nun beschlossen und behufs 
Entwurfs einer solchen einige Abgeordnete beauf 
tragt. Durch diese Verbesserung wurden abgeschafft 
die geistliche Gerichtsbarkeit wie die weltliche 
Herrschaft der großen Prälaten; das Cölibat, 
die Gelübde des Mönchthums, das römische 
Kirchenrecht fielen fort; statt der Ohrenbeichte 
ward die gemeinschaftliche Beichte vor dem Abend- 
niahl eingeführt; aufgehoben wurden die Verehrung 
der Heiligen, ihrer Bilder und Reliquien; das 
Chrisma bei der Taufe wie jede andere Oelung, 
das Fegfeuer und der Sündenablaß wurden ver 
worfen ; an Stelle des Prunkes des alten Gottes 
dienstes trat eine große Einfachheit, der Kirchen 
gesang wurde gemeinsam gemacht durch Einführung 
deutscher Lieder und der Psalmen; aus der Bibel 
wurden Stellen vorgelesen und Predigt gehalten; 
das Abendmahl wurde in beiderlei Gestalten ge 
geben ; die Klöster sollten in Knaben- und Mädchen 
schulen und namentlich in eine hohe Schule, in 
erster Linie zur Ausbildung evangelischer Geistlichen, 
verwandelt, an der Universität sollte eine Ver- 
sorgungs- und Erziehungsanstalt für arme Studenten 
eingerichtet werden. (De universali studio Mar- 
purgensi cap. XXIX.) Gemäß dieser Bestimmung 
sollen in erster Linie Geistliche ausgebildet werden 
(qui in verbo et doctrina eisdem [sc. ecclesiis] 
praesideant). In zweiter Linie sollen Rechtsgelehrte 
ihre Ausbildung erhalten (qui leges civiles prae- 
legant); die Unterweisung derselben sollen iure 
consutti docti simul et pii übernehmen. Zum 
Dritten ist ein Professor der Medizin (unus 
Medicinae Professor, doctus simul et pius), 
zum Vierten für die freien Künste und Wissen 
schaften (artes liberales et literae) namentlich
        

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