Full text: Hessenland (8.1894)

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Weichsel. Hier wurde länger gehalten und Briede 
passirte am 2. Juni mit seiner Abtheilung bei Konari 
die Revue vor dem Obersten von Nummers, 
Kommandeur der Artillerie der 23. und 24. 
Division. Auch erhielt das Regiment am 13. Juni 
212 Schauseln und 210 Hacken aus dem Artillerie- 
dopöt geliefert. Am 14. Juni ging der Marsch 
weiter, zunächst in das Lager bei Pultnsk, und 
am 19. über Ostrolenka, Szczuczyn und Augustowo 
nach Grodno, wo das Regiment nach Ueber- 
schreitung des Riemen am 2. Juli eintraf. Bei 
Grodno waren dem Regiment zwei Ruhetage 
vergönnt, während deren der Marschall Van 
kam me das Kommando des 8. Korps über 
nahm. Den 5. und 6. Juli fand der Abmarsch 
über Bializa, Rowigrodek und Mir nach Njes- 
wisch statt, am 15. marschirte das Regiment 
zu der unter dem Kommando des Fürsten 
von Eckmühl stehenden 1. Armee nach Usda 
(Jgumen und Ssluzk) und dann, während der 
König mit den Garden nach Kassel zurückkehrte, 
von Usda über Dukora, Smilowitschi, Smolo- 
witschi, Borissow und Tolotschin nach Orscha, 
einem Orte, der für Briede nach wenigen Monaten 
verhängnißvoll werden sollte. Hier bezogen die 
Truppen ein Lager und hatten zwölf Tage Ruhe, 
nachdem am 30. Juli Junot, Herzog 
von Abrantes, das Kommando des 8. Korps 
übernommen hatte. Es muß damals schon 
mit dem Bestand der Pferde und der Fürsorge 
für deren Futter übel ausgesehen haben; denn 
durch Befehl vom 4. August erhielt Briede die 
Ermächtigung, Pferde und Futter nach seinem 
Ermessen zu requiriren, wurde aber gleichzeitig 
für alle von seinen Soldaten ausgehenden Un 
ordnungen und Ausschreitungen verantwortlich 
gemacht. Am 12. August wurde der Weiter 
marsch nach Smolensk angetreten, die Tages 
märsche gingen jedesmal bis Dombrowno, Roma 
nows, Bucwo. Eine Stunde hinter dem letzt 
genannten Orte wurde am 15. die alte russische 
Grenze überschritten. Der Marsch sollte nach 
Trzerckowizky gehen, hinter dem von seinen Ein 
wohnern verlassenen Städtchen Ziorowitschi ver 
irrte sich aber Junot und marschirte wieder zurück, 
um Bojanowo unweit Krasnoi zu erreichen. 
Während der Nacht machte die Kolonne in der 
Gegend von Palkino Halt, um den Tag ab 
zuwarten. Am 16. gelangte man dann bis 
Tolsziky und brachte die Nacht zum 17. im Bivouak 
unweit der Kaisergarde zu. Den 17. Nachts 
gelangte das Korps in die Gegend von Smolensk, 
den 18. war Ruhetag, und am 19. fanden die 
Westfalen jenseits Szankowo links und vor sich 
Neh bereits im Gefecht. Die westfälischen Truppen 
kamen nicht recht zum Schlagen, doch verlor 
Briede, der selbst den ganzen Tag hinter der 
Front stand, einige seiner besten Freunde, mit 
deren einein er seine letzte bisher ängstlich im 
Protzkasten gehütete Wurst bei Beginn der Schlacht 
getheilt hatte. Nach der Schlacht mußte das 
Korps noch vier Tage auf dem Schlachtfeld stehen 
bleiben und marschirte erst am 24. mit der 
großen Armee über Dorogobusch, wo es am 26. 
ankam, und Ssemlowo nach Miasma, das man 
am 30. erreichte. Am 2. September standen die 
Truppen eine Meile jenseits Teplucha und mußten 
Schlachtrapporte einreichen; am 4. waren sie jen 
seits Gshatsk, hatten am 5. Rasttag, marschirten 
am 6. als rechter Flügel der großen Armee zehn 
Stunden lang und hatten ihr Nachtlager unweit 
des Dorfes Doronino. Das 2. Bataillon des 
5. Linienregiments war zu Dorogobusch, das 
1. Bataillon dieses Regiments mit 200 Husaren 
zu Miasma und das 3. Bataillon des 2. Linien 
regiments zu Gshatsk zurückgeblieben. 
Am 7. September nahm Briede an der 
Schlacht bei Borodino Theil. Das grausen 
hafte Morden dieses Tages ist ihm stets in leb 
haftester Erinnerung geblieben. Bald nach Beginn 
der Schlacht wurde seinem Pferde durch eine 
Kanonenkugel ein Hinterschenkel abgerissen. 
Während er später im Feuer gegen die Russen 
stand, zogen sich russische Kürassiere, die wegen 
ihrer weißen Mäntel für Franzosen gehalten 
wurden, in die Flanke seiner Abtheilung und 
hieben ihm fast seine ganze Bedienungsmannschaft 
zusammen. Er selbst kam dabei zu Fall und lag 
unter dem Pferd eines Kürassiers, der Briede mit 
seinem Pallasch zu stechen versuchte, da er aber 
schwer betrunken war, nicht treffen konnte, während 
sich Briede's leichter Degen bald krumm schlug 
und deshalb nichts nützte. Die in der Nähe 
befindliche Voltigeur-Kompagnie vermochte trotz 
lebhaften Feuerns den Kürassier gleichfalls nicht zu 
treffen. Endlich kam ein polnischer Lanzenreiter 
herangesprengt, der dem Kürassier einen Stich in 
den Nacken versetzte und ihn dadurch nöthigte, von 
Briede abzulassen. Hinter den Linien der alten 
Garde hatte dieser dann Gelegenheit, seine Geschütze 
wieder in kampffähigen Zustand zu setzen, worauf 
er sich von neuem au der Schlacht betheiligte. 
Die große Armee war 120000 Mann stark und 
mit 600 Kanonen versehen in die Schlacht gerückt, 
sie verlor an diesem Tage 40 Generale und den 
dritten Theil ihres Bestandes. Von den West 
falen hatten gegen 10000 Mann an der Schlacht 
Theil genommen, sie verloren gegen 3000 an 
Todten und Verwundeten. Der Verlust an 
westfälischen Offizieren betrug bei der
        

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