Full text: Hessenland (8.1894)

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Friedrich Wilhelm Ernst Briede? 
Von Otto 
^jífrriedrich Wilhelm Ernst B r i e d e wurde 
¿M am 27. August 1792 zu Ziegenhain geboren. 
Ost Sein Großvater Friedrich Helferich Briede 
hatte in Hessen-Kassel'schen Diensten im öster 
reichischen Erbfolgekrieg und im siebenjährigen 
Krieg gestritten und sich den Rang eines Obersten 
erworben. Sein Vater Johann Friedrich Wilhelm 
Briede war 1762 als Fähnrich im Regiment 
Prinz Karl bestellt und im Frühjahr 1771 zum 
Sekondlieutenant im Regiment von Kniphausen 
ernannt worden, verlor im selben Jahre gelegent 
lich einer Revue bei Wabern das linke Auge am 
Staar, blieb aber im Dienst und machte in dem 
letztgenannten Regimenté, welches später den 
Namen „von Donop" führte, den amerikanischen 
Feldzug mit. Beim Sturm auf das Fort 
Washington wurde er am 16. November 1776 
in der rechten Kniekehle schwer verwundet, sodaß 
er bis zum 8. Februar 1777 im Lazareth krank 
lag. Am 8. September 1779 wurde er nebst 
Oberstlieutenant Heymell, den Kapitäns R euf- 
furth und Wieder hold, sowie 220 Mann 
auf der mit sechs Geschützen versehenen Brigantine 
Triton bei New-Aork eingeschifft, um nach einem 
anderen Theil des Kriegsschauplatzes gebracht zu 
werden; das Schiff gerieth aber in der Nacht 
vom 15. zum 16. September in einen heftigen 
Sturm, verlor seine Masten und wurde dann 
von zwei amerikanischen Kriegsschiffen genommen. 
Am 6. September 1781 zum Premierlieutenant 
ernannt, wurde Briede nach der Rückkehr aus 
Amerika ohne Pension verabschiedet und starb in 
Folge eines Unglücksfalls kurz nach der Geburt 
seines Sohnes, des Helden dieser Erzählung. 
Dieser trat, eben 11 Jahre alt geworden, am 
22. September 1803 als Feuerwerker in die 
kurhessische Artillerie ein und ging dieser Stelle 
mit dem Zusammenbruch des Kurfürstenthums 
verlustig. Am 31. März 1808 wurde er zum 
Naroollal de logis in der westfälischen Artillerie 
Gerland. 
der Garde zu Pferde bestellt und nahm in dieser 
Eigenschaft vom April bis Ende August am 
Feldzug in Sachsen Theil. Da er in der Artillerie 
keine Aussicht ans die baldige Ernennung zum 
Offizier hatte, so meldete er sich auf den Rath 
befreundeter Männer zu dem neu errichteten 
2. Husaren-Regiment, in dem er am 10. Juli 
1810 zum Unterlieutenant ernannt wurde. Mit 
Rücksicht auf seine Vermögensverhältnisse gelang 
es ihm aber, bereits am 25. August desselben 
Jahres in das 2. Linien - Infanterie - Regiment 
versetzt zu werden, wobei ihm der Offiziersrang 
verbleiben mußte; er erhielt das Kommando 
über die diesem Regiment beigegebene Artillerie 
und wurde bereits am 26. Februar 1811 zum 
Lieutenant (Premierlieutenant) ernannt. 
In dieser Stellung machte er den Feldzug 
nach Rußland mit. Ein Infanterie-Regiment 
bestand damals außer einem Depot-Bataillon zu 
vier Kompagnien aus drei Marsch-Bataillonen, 
von denen jedes aus sechs Kompagnien, nämlich 
vier Musketier-, einer Grenadier- und einer 
Voltigeur- (Schützen-) Kompagnie zusammengesetzt 
war. Briede wurde bei der Grenadier-Kompagnie 
des ersten Bataillons geführt und hatte zwei 
Geschütze und zwei Munitionswagen, sowie an 
Mannschaften einen Brigadier, einen Feuerwerker, 
achtzehn Kanoniere und vier Trainsoldaten unter 
seinem Befehl. Das Regiment, welches zu dem 
8. Korps der großen Armee gehörte, rückte 
am 2. März 1812 von Kassel aus und stand 
dann in der Nähe von Dessau, wo das Haupt 
quartier war, an der Elbe, deren Ueberschreitung 
den Soldaten durch Regimentsbefehl streng unter 
sagt wurde. Am 24. März überschritt das 
Regiment die Elbe und marschirte über Luckau 
und Glogau nach Kalisch, wohin der König 
Jerome selbst am 13. April kam. Von dort 
ging der Marsch nach Warschau und Gora, und 
das 2. Regiment kam nach Okonyak an der 
') Aus Briede's hinterlassenen Papieren und mündlichen Mittheilungen zusammengestellt.
        

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