Full text: Hessenland (8.1894)

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Immer schneller gehn die Geigen, 
Immer wilder wird der Reigen, 
Immer kühner das Umfangen, 
Immer höher glühn die Wangen, 
Immer heißer Blicke sprühen, 
Werben rings und Liebesmühen. — 
Und Mariechen mit dem Jäger sprang, 
Der sie weckte früh mit Hörnerklang. 
Nachtlust durch die Linde rauschet, 
Bleich der Mond hernieder lauschet, 
In dem Zelte Becher klingen, 
Flotte Burschen taumelnd singen. 
Kecker Mädchen lautes Lachen 
Muß die Lust erst recht entfachen. 
Und Mariechen aus der wilden Runde 
Stiehlt sich fort zum düstern Weidengrunde. 
3. 
Im entleg'nen Weidengrund, km düstern, 
Hört der Bach zwei Stimmen klagend flüstern. 
Sprach Mariechen zu dem armen Hans: 
„Weshalb kamst Du heute nicht zum Tanz?" 
„Weil ich fremd in all dem frohen Schwarm, 
Weil ich theil' nur meiner Mutter Harm." 
„Hätt' getheilet mit Dir meine Lust. 
Sag', weshalb vom Tanz Du bleiben mußt?" 
„Weil ich muß vor großem Leid vergeh'n, 
Soll ich Andre mit Dir tanzen seh'n." 
„Hätte nur mit Dir getanzt allein. 
Weshalb bliebst Du ferne von dem Reihn?" 
„Weil ich lieb Dich, gar so lieb Dich habe, 
lind doch bin ein gar so armer Knabe!" 
„Was ich habe, es soll sein Dei>l eigen, 
Tanz ich doch mit Dir den Hvchzeitsreigen." 
4. 
Bon der Linde, aus dem Zelt 
Schleichen zweie durch, das Feld. 
Jeder geht auf cig'nem Weg 
Nach den Weiden, — über'n Steg. 
Jeder nährt des Zornes Flammen —, 
Beide treffen jäh zusammen. 
„Willst Du noch ihr Maien bringen ?" 
„Soll Dein Horn auch Nachts ihr klingen?" 
„Du allhier zu dieser Stunde?" 
„Wünsch' Dir Glück zum Ehebunde!" 
„Frecher Wicht, das büßest Du!" 
Fluchend stößt der Jäger zu. 
Durch die Mondnacht gellt ein Schrei. - 
Böse Zauber birgt der Mai. 
5. 
Sprach die Mutter nun zu ihrem Kind, 
Das am Ofen still und traurig spinnt: 
„Sag', Mariechen, wann zum Hochzeitstanz 
Trittst Du an mit Deinem armen Hans?" 
„Niemals tanze ich den Hochzeitsreih'n, 
Niemals werd' ich, liebe Mutter, srei'u. 
Kvnrad Jäger stach den Andern todt, 
Der mir stets gar schöne Blumen bot. 
Und er selbst, bevor es noch getagt, 
Eine Kugel durch die Brust sich jagt. 
Diese Zwei, gar grausig anzuseh'n, 
Zwischen mir und meinem Brüut'gam steh'n. 
Will ich kosend reichen ihm die Hand, 
Starr'n sie an mich drohend, unverwandt. 
Will ich thun ihm meine Liebe kund, 
Legen sie die Finger auf den Mund. 
Wind' ich mich vor Weh' in bittern Schmerzen, 
Zeigen sie auf ihre blut'gen Herzen. 
Niemals tanze ich den Hochzeitsreih'n. 
Mutter! Mutter! Bald folg' ich den Zwei'n!" 
Aus alter und neuer Ieit. 
Der berühmte Württembergische Baumeister 
Heinrich Schickhardt unternahm im Jahre 1598 
eine Reise nach Oberitalien, von der er eilt Skizzen- 
bnch mit Federzeichnungen zurückbrachte, das auf 
der königlichen Staatsbibliothek zu Stuttgart anf- 
bewahrt wird. Das werthvolle Buch trägt auf 
der ersten Seite oben die Überschrift: „Etliche 
Gebay, die Ich Heinrich Schickhardt zu Jtallien 
verzaichnet hab, die mier lieb send." Es enthält 
aber Zeichnungen und Skizzell nicht nur aus Italien, 
sondern auch ans deutschen Städten, so auch ein 
Blatt aus Kassel, das in drei Zeichnungen einen 
Ofen darstellt. Der begleitende Text hat folgenden 
genauen Wortlaut: „Zu Cassel gesehell ein Ofen 
da man beit Kalg mit steinkollen brint, ist in 
6 eckh(en) geballt. Im einsetzen wird ein geleckh 
(Lage) stein Kolen, und den ein geleckh Kalgstein 
so Ziemlich Klein ver Klopft, bett wider Stein 
Kolen und so fort all, eingesetzt. Elle tag nimpt 
man Zweümal Kalg unden Zu bett lechern A 
heranß. Jedes mal 7 1 /2 scheffel den setzt man oben 
wid(er) Köllen) und Kalgstein zu, daß treibt 
man ohli Bnderlaß, machst) die Wochen Allst 
20 U (Reichsthaler) wert Kalg zusammen." Tie 
beigefügten Zeichungen stellen dar 1) die Total 
ansicht, 2) den Durchschnitt, 3) die Bodenansicht.
	        

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