Full text: Hessenland (8.1894)

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Georg Markgraf, Ludwig Landgraf zu Hessen, F. 
Henry de Nassau, Eminich Gras zu Leiningen, und 
Gleyßpurg, Friedrich Magnus, und Ludwig Grasen 
zu Erpach, Otto, und Philips Grasen zu Solms, 
Johann Wild- und Raugras, Abraham Burggraf 
und Herr von Dhona, Wilhelm Freiherr zu 
Winneberg, Herrmann von Wittenhorst." 
Aus Hermath und Fremde. 
Am 18. Dezember v. I. hielt unser hessischer Lands 
mann, der rühmlichst bekannte Historiker Professor 
Dr. Georg Wolfs in Frankfurt a. M. in dem 
dortigen Verein für Geschichte und Alterthumskunde 
einen Vortrag über einzelne Ergebnisse seiner 
Forschungen am römisch eil Grenz wall. 
Professor Wolfs hat als Streckenkommissar sowohl 
die Grenzlinie als das Hinterland durchforscht, 
beschränkte sich aber in seinem Vortrage aus die 
Schilderung dessen, was er am Pfahlgraben in der 
Nähe von Hanau entdeckte. Hier wurden die 
schon früher von ihm entdeckten Kastelle zu Groß- 
Krotzenburg näher untersucht und in ihren Um 
rissen genau festgestellt. Das Kastell von Groß- 
Krotzenburg, dessen Breitseite dem Main zugekehrt 
ist und dessen via principalis genau der Haupt 
straße des jetzigen Dorfes entspricht, zeichnet sich 
durch besonders dicke Mauern und zahlreiche Thürme 
aus. Bei dem kürzlich erfolgten Abbruch einer 
(1726 erbauten) Zehntscheller eines Mainzer Stiftes 
entdeckte man, daß sie auf einem dieser Mauer 
thürme stand. Das Erdgeschoß des Thurmes muß 
als Küche und Schlachtraum gedieilt haben, und 
man fand dort außer Küchenscherben und Thier 
knochen die Reste von drei Mühlsteinen, deren einer 
die Inschrift Felix trägt. In der bürgerlichen 
Niederlassung, die auch bei diesem Kastell nicht 
fehlt, kannte man bereits einen Mithrastempel, ein 
ausgedehntes Gräberfeld und Ziegelöfen der vierten 
Kohorte. Beim Ausschachten aus Anlaß eines 
Neubaus entdeckte man auch noch das Bruchstück 
eines Reliefs (Kopf und Hand eines Mannes) und 
zwei Altäre, wovon einer besonders merkwürdig 
ist. Denn nach der von Wolfs entzifferten Inschrift 
ist er der Viktoria und dem Mars Leucoetius, einem 
keltischen Kriegsgotte, dessen Name nur noch ans 
einer in England gefundenen Inschrift vorkommt, 
gewidmet. Im Kastell von Marköbel wurde 
namentlich das praetorium näher untersucht; es 
war massiv gebaut und hatte eine offene Säulen 
halle. Auch hier, wie in anderen Gebäuden gleicher 
Art, fand man einen vertieften ausgemauerten 
Raum, der als Archiv oder zur Aufbewahrung der 
Kriegskasse gedient haben muß; einer der zur Aus 
mauerung verwendeten großen Steille trägt das 
Zeichen der 22. Legion. Ueberraschende Funde 
wurden in Langendiebach gemacht. Dort entdeckte 
man nicht nur ein römisches Wachthaus, 80 Meter 
hinter dem Psahlgraben, mit einer kleinen bürger 
lichen Niederlassung, sondern auch Gräber der sog. 
Hallstädter Periode, also aus vorgeschichtlicher Zeit. 
Allem Anschein nach führte dort schon in vorrömischer 
Zeit eine alte Verkehrsstraße vorüber, und später 
befand sich dort ein Ausgang aus dem römischen 
Grenzwall. Anscheinend unbedeutend ist die Ent- 
deckllng Wolfsis, daß vor dem befestigten Pfahl 
graben einige Meter entfernt noch ein kleiner 
Graben herlief; aber sie liefert die Erklärung 
für die Bemerkung des Tacitus, daß Germaniens 
das eroberte Land limitibus et aggeribus munivit. 
Danach ist nämlich der kleine Graben der eigentliche 
iimes, die Reichsgrenze, und hinter ihm liegt der 
befestigte Grenzwall (agger). Dieser kleine Graben 
war bisher nur noch am bayerischen Limes, der 
sog. Teufelsmauer, bekannt, ist jetzt aber dilrch 
Baumeister Jacobi (Homburg) auch an der Taunus 
linie nachgewiesen worden. (Voss. Ztg.) 
Universitätsnachrichten. — Die Leitung 
der Universitäts - Jrrenklinik in Marburg, die 
durch Prof. Cramer's im August d. I. erfolgten 
Tod erledigt wurde, ist Prof. T u c z e k in Marburg 
übertragen worden. Die Klinik besteht seit 1877. 
Sie ist ein Bestandtheil der 1875 errichteten 
Provinzial - Irrenanstalt zu Marburg, deren Ein 
richtung das Werk Cramer's ist. Durch sie wurde 
in der hessischen Jrrenverpflegung von Grund aus 
Wandel zum Bessern geschaffen. Franz Tuczek, 
1852 zu Bonn geboren, legte 1876 die ärztliche 
Staatsprüfung ab. 1884 habilitirte er sich als 
Privatdozent an der Universität Marburg. Im 
vorigen Jahre erhielt er eine außerordentliche 
Professur. Er wirkt seit fast einem Jahrzehnt als 
zweiter Arzt an der Marburger Universitäts-Jrren- 
klinik. Im Nebenamte ist er mit dem Titel als 
Medizinalrath Mitglied des hessichen Medizinal 
kollegiums. Seine wissenschaftlichen Arbeiten be 
treffen den feineren Bau des Gehirns, die Lehre 
von der Vaguslähmung, von der Kriebelkrankheit, 
von der Gehirnerweichung und von der Pellagra. — 
Nach dem soeben erschienenen Personalverzeich- 
niß der Großh. Ludwigs-Universität zu Gießen be 
trägt die Zahl der im Wintersemester 1893/94 im- 
matrikulirten Hörer 517, der nicht immatrikulirten 34, 
sodaß sich die Gesammtzahl der Hörer aus 551
        

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