Volltext: Hessenland (8.1894)

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zuschaffen. So drang das Korps des General 
Brown bis vor Charlestown vor und steckte die 
Vorstadt in Brand, allein hier zeigte sich's, daß 
die Ankunst Clinton's blinder Lärm gewesen sei. 
Es war vielmehr eine französische Flotte, die vor 
Charlestown erschienen war. Da zugleich die 
Nachricht eintraf, daß Savannah von den Fran 
zosen bedroht werde, so blieb dem Korps Brown 
nichts übrig als schleunigst zurückzukehren. Bei 
Stonesferry suchten die Amerikaner den Hessen 
und Engländern den Uebergang über einen schmalen 
Meerbusen, den sie zu passiren hatten, zu ver 
wehren. Das Rall'sche Grenadierbataillon hatte 
mit einem englischen Kanonenboot den Uebergang 
zu decken. Ein amerikanisches Schiff von 16 
Kanonen suchte ihm in den Rücken zu kommen, 
wurde aber von dem hessischen Wissenbach'schen 
Regiment mit seinen Regimentskanonen übel 
empfangen und mußte die Segel streichen, bei 
welcher Gelegenheit das Rall'sche Regiment die 
zwei Kanonen wieder bekam, die es bei Trenton 
verloren hatte. 
Unterdeß war der französische General Condestin 
mit 6000 Franzosen und 7000 Amerikanern vor 
Savannah erschienen und forderte Brown zur 
Uebergabe auf. Brown erbat sich 24 Stunden 
Bedenkzeit, während welcher Zeit es den letzten 
Hessen gelang, wieder in die Stadt zu kommen. 
Zur Vertheidigung der in Eile aufgeworfenen 
Schanzen standen demselben nur vier Regiments- 
kauonen zu Gebote. Es wurden deshalb die 
Kanonen der zwei im Hafen liegenden englischen 
Schiffe an's Land gebracht, um die Linie zu 
armiren. Vier Wochen lang wurde Savannah 
bombardirt. Da erschien eine englische Motte 
von Charlestown aus, vor der die französischen 
Kriegsschiffe sich zurückzogen. Sie führte den 
Belagerten neue Lebensmittel und zwei Regimenter 
Verstärkung zu. Nach vier Wochen versuchte die 
alliirte französische und amerikanische Armee noch 
einen Sturm, der aber glänzend abgeschlagen 
wurde. Kurz darauf hob Condestin auf die 
Nachricht vom Fall Charlestowns die Belagerung 
auf. Auch Clinton kehrte nach der Einnahme 
dieser Stadt mit dem größten Theil der Hessen 
und Engländer nach Newyork zurück, Savannah 
wurde aber von Neuen: verproviantirt. 
Die südliche Kost mochte den Hessen nicht 
schmecken, denn so schreibt Reuber: „An Reisch 
fehlte es uns nicht, aber keine Kardüffeln gab 
es nicht in denen süttlichen Deilen. Wenn wir 
diese kochen wollten, mußten wir sie pundweiße 
kaufen, und dabei thäten sie doch nicht Schmücken, 
sondern sie thäten einen: wie Galle in: Halse." 
Im Sommer 1779 wurde das Rall'sche Regi 
ment nach Charlestown in Garnison gelegt, 
während das Wissenbach'sche, welches nun „von 
Knoblauch" genannt wurde, in Savannah blieb. 
Hier lag es ruhig bis zum Frühjahr 1780 und 
mußte exerzireu, wie Reuber schreibt, wie in: 
Hessenlande. Um diese Zeit wurde das Bataillon 
zu einer Expedition beordert, welche den Zweck 
hatte, die Sammlung einer amerikanischen Armee 
bei Mungkorner durch einen General Green 
zu verhindern. Hier erwarb das Bataillon neue 
Lorbeeren. Die Amerikaner wollten die Hessen 
überfallen, welche durch einen großen Morast, 
durch den nur ein schmaler Weg führte, vor dem 
Feind gedeckt standen. Ein gefangener Spion 
sollte den Amerikanern in dunkler Nacht den Weg 
durch den Sumpf zeigen. Allein in: Avanciren 
entfloh dieser und machte auf der entgegengesetzten 
Seite Lärm, was zur Folge hatte, daß die von 
einem scharfen Feuer empfangenen Amerikaner in 
blinder Flucht unter Zurücklassung von zwölf 
Kanonen und zwölf Fahnen zurückkehrten. Im 
Triumph wurden die erbeuteten Trophäen in 
Charlestown eingebracht. Eine Verschwörung von 
Bürgern Charlestowns wurde durch einen Schwarzen 
entdeckt, der den: Kommandanten die u:it der 
eigenen Unterschrift versehene Liste derselben aus 
händigte. Diese wurden aufgehoben und auf 
eine wüste Insel ohne Baum und Strauch, 
Noplin Gosche (?), gebracht, ihre Frauen ui:d Kinder 
aber aus der Stadt verwiesen. Gegen Ende des 
Kriegs war der englische General Clinton be 
kanntlich in Folge der unglücklichen Kapitulation 
von Jorktown genöthigt, die Südstaaten zu räumen. 
An: 21. Oktober 1782 wurden deshalb die in 
Charlestown liegenden Hessen nach Newyork ein 
geschifft. Am Tage vor den: Abmarsch wurde durch 
Anschlag bekannt gemacht, daß sich während des 
Ausmarsches bei Strafe kein Bürger am Fenster 
oder auf der Straße solle sehen lassen. Am 21. 
früh wurde Alarm geschlagen und an den Hafen 
marschirt, wo die Einschiffung vor sich ging. 
Reuber verhehlt nicht, daß Manche unter den: 
Vorwand, etwas vergessen zu haben, in's Quartier 
zurückgekehrt und nicht wiedergekommen seien. 
Deshalb wurde zuletzt kein Urlaub mehr gegeben, 
sondern es wurden Unteroffiziere zurückgeschickt, 
welche die zurückgelassenen Effekten holen mußten. 
Am 28. landete das Bataillon in Brooklands- 
ferry auf Long Island, wo es in dem Baracken 
lager des Regiments Bünan einlogirt wurde. 
Nach einigen daselbst zugebrachten Rasttagen kam 
es in die Winterquartiere nach Girgo. 
Gegen das Frühjahr hin endlich erscholl die 
Friedensbotschaft, welche den vielgeprüften Hessen 
die Aussicht eröffnete, in die liebe Heimath zurück-
        

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