Full text: Hessenland (8.1894)

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Bunde, der im Falle des Angriffes um der 
Religion willen zu gegenseitiger Hilfe verpflichtete, 
traten alsbald Philipp von Braunschweig-Gruben- 
Hagen, Otto, Ernst und Franz von Lüneburg, 
Heinrich von Mecklenburg, Wolf von Anhalt, 
Gebhard und Albrecht von Mansfeld und Albrecht 
von Brandenburg, Herzog von Preußen, bei. 
Auf dem am 25. Juni 1526 zu Speyer ab 
gehaltenem Reichstage wurde beschlossen, „daß 
zur Vergleichung der Religion binnen Jahres 
frist eine freie allgemeine oder wenigstens nationale 
Kirchenversammlung auf deutschem Boden gehalten 
und einstweilen sich jeder Reichsstand so verhalten 
sollte, wie er es gegen Gott und kaiserliche 
Majestät zu verantworten gedächte". Dieser Be 
schluß veranlaßte nunmehr den Landgrafen, Schritte 
zur Einführung der Reformation in seinem Lande 
zu thun. Auf deu 21. Oktober 1526 berief 
Philipp alle Prälaten, Aebte, Prioren, Dekane, 
Domherrn, Pfarrer und Priester, die Ritterschaft 
und die Abgeordneten der Städte aus dein 
Fürstenthum Hessen und den dazu gehörenden 
Grafschaften zu einer öffentlichen Synode und 
einem Religionsgesprüch nach Homberg behufs 
Entwerfung einer hessischen Kirchenordnung. „Re 
formatio ecclesiarum hassiae iuxta certissimam 
sermonum dei regulam ordinata in venerabili 
synodo per clementissimum hessorum principem 
Philippum anno 1526 die 20 octob. Hombergi 
celebrata, cui ipsemet princeps illustrissimus 
interfuit“, war der Titel der zu Homberg ent 
worfenen hessischen Kirchenordnung. 
(Fortsetzung folgt.) 
Der amerikanische Feldzug der Hessen nach dem Tagebuch 
des Grenadiers Johannes Neuber von Niedervellmar. 
1776-1783. 
Von F. W. Junghans. 
(Schluß.) 
§ ie gefangenen Hessen, 900 Mann stark, wurden 
so schnell wie möglich in's Innere des Landes 
~ geschafft, ei» Marsch, den Reuber mit 
großer Genauigkeit beschreibt. Unter starker Be 
deckung wurden sie zunächst nach Philadelph-ia 
instradirt. Washington hatte befohlen, die ge 
fangenen Hessen durch die Stadt zu führen, um 
der Bevölkerung den Schrecken vor diesen ge 
fürchteten Kriegern zu benehmen. Der Pöbel über 
häufte sie mit Insulten, worin sich besonders die 
Weiber hervorthaten, und wollte die Gefangenen 
erwürgen; als aber Washington andern Tags 
eine Proklamation anschlagen ließ, worin bekannt 
gemacht wurde, daß die Hessen nur gezwungen 
gegen die Freiheit in den Krieg gezogen seien, 
so änderte sich die Stimmung. Alt und Jung 
brachte Branntwein und Lebensrnittel in die 
Kasernen, wo die Hessen einquartiert waren, und 
überhäufte sie mit Freundschastsbezeuguugen. 
Am 8. Januar mußten unsere Gefangenen 
ihren Marsch bei großer Kälte fortsetzen. Das 
nächste Ziel ihrer Reise war die Stadt Long 
sester, wo sie wieder in eine große Kaserne ein 
quartiert wurden, und hier revoltierten die eng 
lischen Kriegsgefangenen gelegentlich der Geburts 
tagsfeier ihres Königs, während sich die Hessen 
ruhig verhielten. Die Folge davon war die, daß 
die Hessen frei in der Stadt herum gehen durften, 
während die Engländer in strengem Gewahrsam 
gehalten wurden. Als das Frühjahr kam, wurde 
den gefangenen Hessen angeboten, bei den Bauern 
zu arbeiten. Wer darauf einging, sollte außer 
Essen und Trinken täglich 14 Stüber (6 Albus) 
Tagelohn bekommen und außerdem seine Ration 
an Brod und Fleisch, die ihm als Gefangenem 
gebührte, in Geld ausgezahlt erhalten. Die 
Farmer mußten sich verpflichten, den Kriegs 
gefangenen wieder zurückzuliefern, im Fall seines 
Entweichens aber 200 Dollars in die Staats 
kasse bezahlen. Viele nahmen das Anerbieten 
an, die Unteroffiziere aber, darunter wohl auch 
unser Neuber (er war zum Freiwächter oder Gefreiten 
avancirt), blieben in der Kaserne und nahmen 
den Sold für die im Land Arbeitenden in 
Empfang. Wir sehen hieraus, daß es die Ge 
fangenen ganz gut hatten. 
Am 24. August 1777 drang eine englische 
Flotte auf dem Elkfluß in Maryland ein, nur 
etliche Tagemürsche von Longfester, sodaß viele 
Gefangene zur englischen Armee entwichen. In 
Folge davon wurden sie nach Newton trans- 
portirt, einer von Herrenhutern bewohnten Stadt, 
und hier wurden die noch übrigen Hessen in 
zwei Kolonnen getheilt, mit weiter in's Land
        

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