Full text: Hessenland (8.1894)

Das „He^enlnnd" erscheint am 1. und 15. jedes Monats l 1 /* bis 2 Bogen stark und kostet vierteljährlich 
1 Mark 50 Pf., die einzelne Nummer 30 Pf. Auswärts kann das „Hessenland" durch die Post (Postzeitungsliste 
Nr. 3031) oder durch den Buchhandel oder auch direkt von der Expedition unter Streifband bezogen 
werden; in Kassel nimmt die Expedition (Buchdruckerei von Friedr. Scheel-, Schloßplatz 4, Fern 
sprecher Nr. 372) Bestellungen entgegen. Anzeigen werden mit 20 Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet. 
Heimweh. 
J b in weites Feld — so flach und groß —, 
*§ Von niederer Mauer karg umzogen, 
Dem Sturm zur Beute — schattenlos; 
Der Eingang: nur ein Mauerbogen —, 
Ein schrilles Bimmeln Tag für Tag, 
Ein eilig' Bringen neuer Gäste, 
Und dann — ein schneller peitschenschlag 
Zur Abfahrt nach dem Gasthoffeste. 
Gleichgiltig sinkt der pügel dort 
Im öden Grund, als sei den Todten 
Der ungepflegte, kahle Vrt 
Als Auszugsstüblein angeboten. 
An manchem Areuz verblaßtes Band, 
Ein Aranz von Blech, papierne Blüthen —, 
Viel leichter, bunter Flittertand —, 
Doch, ach, kein liebevolles Stilen! 
Und hier zu ruh'n —, derweil im Grund 
Der Pein rath ernste Bäuine rauschen 
Und rings mit liederfrohem Mund 
Die Vögel ihre Grüße tauschen,' 
Wo, der im Thal sich abgemüht 
Zur Mittagszeit auf heißen Matten, 
Nun, da sein Lämpchen ausgeglüht, 
Sich ruhen darf im tiefen Schatten, 
Mo seiner Eltern Namen steh'n 
Auf Marmorkreuzen, wo die Armen 
Still flüstern im Vorübergehn: 
Die hatten einst mit uns Erbarmen. 
So still ist's dort und ernst und kühl, 
Wo unser Fuß das Gras betreten 
In Neugier einst und Ainderspiel 
Und dann im schmerzgebor'nen Beten, 
Wo nicht so theuer ist der Raum, 
Daß sie uns nicht ein Fleckchen gönnten, 
Wo wir von unserm Lebenstraum, 
Vom Werk die Spaten ruhen könnten, 
Wo lind das süße kseimathland 
Auf's kferz sich legt — und macht's sein eigen, 
Wo selbst Vergessenheit am Rand 
Des Grabes sitzt — in mild'rem Schweigen. 
W. Kerkert.
        

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