Full text: Hessenland (8.1894)

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präsentiert, dem Meister wie den talentvollen 
Schülerinnen Ehre machend. Daß die afrikanischen 
Landschaften Klingelhöser's, zu denen der Künstler 
an Ort llnd Stelle seine Studien gemacht hat, be 
sonderes Interesse erregen, liegt nicht nur in: 
behandelten Gegenstand, wesentlich auch in der 
künstlerischen Ausführung. 
Erwähnt mag noch eine vorzügliche Radirung 
Ubbelohde's werden wie einige in Pastell aus 
geführte treffliche Porträts. 
Daß es Herrn Ehrhardt gelungen ist, dem 
berühmten Künstlerheim in Willingshausen die 
Thür zu entführen, auf welcher sich unsere nam 
haftesten deutschen Künstler, so weit sie das Maler 
dorf zu besuchen pflegen, mit den: Pinsel verewigt 
haben, macht seinem diplomatischen Talente Ehre 
und bereitet dem Besucher angenehme Ueberraschung. 
Alles in Allem genommen ist diese Ausstellung, 
welche Marburg der Initiative eines energischen 
Mannes verdankt, ein nicht zu unterschätzendes 
künstlerisches Ereigniß, das, wie 51t hoffen steht, 
für die Folge Früchte tragen wird. K. Ar. 
Bekanntlich haben sich die sämmtlichen hessischen 
Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses für 
einen Vermögens-Ausgleich mit den Allodial- 
erben des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. 
verwendet. Mit Bezug hieraus veröffentlicht die 
Berliner „Nationalzeitung" folgende Zuschrift 
des Prinzen Heinrich voll Hanau: „In 
Nr. 338 der „Nationalzeitung" findet sich eine 
Zuschrift aus Kassel, welche das Eintreten der 
hessischen Abgeordneten für die Petition der 
Allodialerben des Kurfürsten deshalb tadelt, weil 
außer Acht gelassen werde, daß die Verwendung 
der sequestrirten Revenuen eine ,Sühne' dafür 
habe sein sollen, daß ,der Kurfürst während seiner- 
ganzen Regierungszeit alle dem Lande geschuldeten 
Verpflichtungen schnöde hintangesetzt habe'. Der 
Berfasser dieser Korrespondenz erweist sich damit 
augenscheinlich als einer jener Gegner meines un 
vergeßlichen Vaters, welche ihrem Groll selbst über 
den Tod hinaus treu geblieben sind. Wie wenig 
jedoch sein Urtheil Anspruch auf Objektivität 
besitzt, ist allein schon aus der Behauptung zu 
ersehen, mit welcher er seine Zuschrift schließt: 
Paß die Sache nur zu verstehen sei, wenn man 
wisse, daß sich ein neues, den früheren hessischen 
Verhältnissen fremd gewordenes Geschlecht in die 
Vertretung Hessens hineingeschoben habe, während 
vor zwanzig Jahren von den hessischen Abgeordneten 
nicht ein einziger für eine solche Verwendung 31t 
haben gewesen wäre.' — Es sei mir erlaubt, dem 
gegenüber festzustellen, t. daß scholl gegen das 
Beschlagnahmegesetz selbst hessische Abgeordnete seiner 
Zeit Widerspruch erhoben haben, u. A. mit der 
Erklärung, daß es ,ganz unmöglich' sei, für das 
Gesetz zu stimmen, 2. daß scholl die erste Petition 
der Allodialerben im Jahre 1883 voll hessischen 
Abgeordneten aller Parteien bcm Hause der Ab 
geordneten überreicht wordell ist, 3. daß der 
eifrigste und entschiedenste Fürsprecher der An 
gelegenheit von Ansang an bis zu seinem im 
vorigen Jahre ersolgtell Ableben der Geheime 
Justizrath Dr. Oetker gewesen ist, 4. daß von 
diesem uub noch einem, gerade der ältesten 
Generation allgehörigen hessischen Abgeordneten im 
Jahre 1892 die Eingabe an das Staatsministerum 
veranlaßt worden ist, aus welche die jetzige Ver 
wendung lediglich Bezug nimmt, uub 5. daß die 
heutigen Abgeordneten sich der Mehrzahl nach aus 
Herren zusammensetzen, welche die frühere Zeit als 
Erwachsene miterlebt haben. Was die Angabe der 
Zuschrift über die Ersparnisse des Kurfürsten für 
seine Familie anbelangt, so liefert sie selbst wohl die 
beste Kritik dadurch, daß sie, abgesehen von dem 
Ankauf der Herrschaft Horowitz (4000 000 Mark), 
beu Nachlaß meines Vaters zutreffend tu einer 
Höhe von 7 000 000 Mark allgiebt, nach einer 
35jährigen Regierungszeit lind gegenüber einer 
Jahreseinnahme seit 1847 von nahezu 2 000 000 
Mark, Hochachtungsvoll Heinrich, Prinz von Hanau." 
Unser Landsmann Professor Carl Schäfer, 
Lehrer all der technischen Hochschule in Berlin, einer 
der ersten Architekten und Architekturlehrer Deutsch 
lands, hat einen Ruf an die technische Hochschule 
in Karlsruhe erhalten und angenommen. In 
beu Fachkreisen herrscht darüber, daß lnan eine 
solche Kraft von Berlin wegholen läßt, starke Ver 
stimmung. „Die Deutsche Bauzeitung" läßt sich über 
unsern Landsmann wie folgt alls: „Sein außer 
gewöhnliches Wissen und Können wie seine durch 
die Macht einer voll ausgeprägten Persönlichkeit 
unterstützte, wohl nur Wenigen im gleichen Maße 
eigene Lehrgabe haben ihm hier (in Berlin) Er 
folge verschafft, die ebenfalls ganz ungewöhnliche 
sind. Er hat nicht nur zahlreichere Schüler um 
sich geschaart als jeder andere deutsche Architektur 
lehrer, sondern sich auch die begeisterte Anhänglichkeit 
dieses Schülerkreises in einem Maße zu erwerben 
gewußt, wie es vor Alters nur Wilhelm Stier- 
gelungen war. Seine Uebersiedelung nach Karls 
ruhe dürfte nicht nur viele seiner jetzigen Schüler 
veranlassen, ihm dorthin ztl folgen, sondern auch 
die Anziehungskraft der Berliner Hochschule aus 
Jahre hinaus dauernd verringern. Und die Gründe 
seines Abzuges von der Stätte einer so erfolg 
reichen Thätigkeit? Herr Schäfer macht kein Hehl 
daraus, daß er Berlin uub Preußen lediglich des-
        

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