Full text: Hessenland (8.1894)

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Akts Volkslied. 
Ich preise treue Liebe 
Ilud Liebesseligkeit, 
O, daß ihr Glück stets bliebe, 
Nic raubte rauhe Zeit! 
Ich hülle mein Gesichte, 
Wenn eins die Treue brach, 
Und sitze zu Gerichte, 
Die Strafe folge nach! 
Ich sing' von Krieg und Siegen, 
Von Heimkehr aus der Schlacht, 
Beklage die da liegen 
In Todes dunkler Nacht. 
Der Schatz mit Angst und Bangen 
Schaut nach dem Liebsten ans. 
Er kommt, v welch' Umfangen 
Und Glück im Vaterhaus! 
Selbst, weuu's ein Räuber wäre, 
Der als Gefang'ner kam, 
Ich laß' ihm seine Ehre, 
Wenn nur er Rache nahm. 
Ob dann auch unter'm Schwerte 
Das Haupt vom Rumpfe füllt, 
Wenn er sich tapfer wehrte, 
Ist er im Lied noch Held. 
Nicht lieb' ich hohe Worte, 
Von Zierat keine Spur, 
Doch offen steht die Pforte 
Zum Schatzhaus der Natur. 
Mit Blumen von der Wiese 
Schmück' ich die schönste Maid, 
Daß reiches Glück ihr sprieße, 
Nie dränge sie ein Leid! 
Ich sing' von Lindenbäumen, 
Von lust'gem Kirmesmuth, 
Von Mädchens süße» Träumen 
Und raschem Jünglingsblut. 
Da giebt's kein langes Schmachten, 
Da wirbt kein Liebesbrief, 
Kein nach dem Jawort Trachten 
Mit Seufzen angstvoll tief. 
G'radausgeh'n, das ist Sitte, 
Sprich j a! wo nicht, sprich n ein! 
Ja! und an Fingers Mitte 
Glänzt das Goldringelein. 
Der Vogel auf dem Dache 
Singt ans der freien Brust, 
Und einem Wiesenbache 
Ist Rauschen eine Lust. 
Die Veilchen spenden Düfte, 
Die Rosen prächtig blüh'», 
Und auf die Erdengrüfte 
Die Sterne leuchtend glüh'». 
Des Meeres blaue Welle 
Zum Strande tosend schallt, 
Die au der gleichen Stelle 
Nun sanft und leise wallt. 
Sv singen meine Lieder 
Des Herzens Wiederhall, 
Hier tönt des Aars Gefieder, 
Dort singt Frau Nachtigall. 
O. Hl). Ditkmar. 
Jauchze, mein Herz, denn der Sommer ist da! 
Laß dich die wonnigen Lüfte umflutheu! 
Jauchze und schaue fern und nah 
Das grünende Prangen, die farbigen Gluthen! 
Blühen und Duften rings umher, 
Vom Thal zu den Höhen, vom Fels zum Meer! 
Laß fahren dahin alle Angst und Noth, 
Denn der Sommer ist Leben! - der Winter - Tod! 
Jauchze, mein Herz! Gottes Sonne strahlt 
Und wandelt die Erde zum Paradiese! 
Jauchze und schau', wie sie herrlich malt, 
Und lausch' ihrem lockenden Rufe: „Genieße!" 
Genieße das Leben, so lang du magst, 
Genug sei, daß du dich im Winter plagst! 
Genieße vom Morgen- zum Abendroth, 
Denn der Sommer ist Leben! - der Winter - Tod! 
Jauchze, mein Herz! Mit der Lerche empor 
Schmett're dein Lied zu des Schöpfers Preise, 
Jauchze und singe sein Lob im Chor 
Mit den Vöglein im Walde in fröhlicher Weise, 
Aber in hehreren Tönen sing' spät 
Mit der Nachtigall noch dein Dankgebet! 
Dem Sommer die Freude! Dem Winter die Noth! 
Denn der Sommer ist Leben! - der Winter - Tod! 
Kugo Krederking. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Nachstehend theilen wir einen — unseres Wissens 
bisher nicht befcumteu — Brief mit, den der 
nachmalige Landgraf Friedrich II. voll Hessen 
an seinen Sohn, den späteren Kurfürsten 
Wilhelm I., richtete. Der Brief hat folgenden 
Wortlaut:
        

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