Full text: Hessenland (8.1894)

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welschen, oder anderen starken oder gewürtzten 
Weinen auszulrinken, darunter dan auch starke 
Meedl und trunkenmachendes Bier, als Hamburger- 
Bier, Breuhan und dergleichen begriffen sein sollen. — 
Zum Achten. So aber einer 51t Lust obgesagter 
starken Getrenk gebrauchen wollte, soll ihm zu 
jeder Malzeit nit mehr als ein Ordensbecher solches 
Getrenks verlanbt sein. Jedoch soll der gebrannte 
Wein hierunter durchaus nit gemeint sein, und 
soll auch solcher Trunk stark Getrenk den nehisten 
in der Zall gepurlich abgezogen werden. — Zum 
Neundten soll auch keiner die 7 Ordens-Becher of 
einen oder zwei Trunk auszutrinken Macht haben, 
sonder zum wenigsten aber 7. Ordens-Bechern drei 
Trinke thun. — Zum Zehnenden. Es soll auch 
keiner Macht haben, weder einen oder mehr, viel- 
weniger alle Ordensbecher der Abendmalzeit, oder 
hingegen einen, mehr, oder alle Ordens-Becher der 
Morgenmalzeit diese zu jenen, oder jene zu biefeu 
zu trinken. — Zum Elfften. Und damit dieses 
alles so viel desto besser gehalten werde, so soll 
ein jeder Ordensverwanter schuldig sein, ob er 
selbst einen oder anderen Artikel überschritte, oder 
einen anderen Mit-Ordensverwanten, überschreiten 
verneme, solche Ueberschreitung bei seinem Gewissen 
an die Mit-Ordensverwanten, sonderlich aber an 
des Ordens lemperantiae Patron und Stifter 
gelangen zu lassen. — Zum Zwölfften. So nun 
aber Versehens Einer oder mehr wider obgeschriebene 
Gesetz handlen oder verbrechen würde, und solches 
Verbrechens hochgedachte Patronen und Stifter wohl 
besagten Ordens berichtet fein r sollen hochgedachte 
Patronen und Stifter den negsten durch drei 
unschuldige Ordensverwanten erkennen lassen, ob 
der Ordensverbrecher mit der größten, mittleren, 
oder geringsten Strafe zu belegen sei, und soll 
die größte Strafe sein von dato seiner Ber- 
brechung bis über ein Jahr, in {einerlei Ritterspiel 
zu Roß oder zu Fuß sich gebrauchen zu lassen. 
Die mittlere Straff aber voll dato seines Ver 
brechens bis zu Ausgang der verglichenen Ordens 
zeiten keinen Wein zu trinfen. Die geringere 
Straff aber soll sein, zwei seiner besten Pferd dem 
gantzen Orden verfallen zu sein, oder dreihundert 
Thaler von dato seines Verbrechens, innerhalb 
Monatsfrist, besagtem Orden zu erlegen, und nach 
solchem Erkenntnuß sollen nit allein der Patron 
und Stifter, fonbern auch die samptliche Ordens- 
verwante schuldig sein, erfannte Strafe nach ihrem 
besten Bermögelr zu exequiren. — Zum Dreizehnden 
soll auch keiner voll der besagten dreier Obmänner 
gesellen Erkenntnuß zu appelliren, Protestiren, oder 
in einige Wege sich zu eximiren Macht haben, wie 
auch da entweder der Patron oder der Stifter 
des Ordens selbsten überschreiten würde, eben so 
wenig als die anderen Mit-Ordensverwante exemp 
sein sollen. — Zum Bierzehnden und letzten soll 
auch kein Ordensverwanter Macht haben, eillem 
Menschen, vielweniger seinen Mit-Ordensverwanten 
Bescheid zu thun zwingen, dringen oder aus andere 
Weise nöthigen, vielwelliger eintziger Ordensver- 
wanter aber seinen guten Willen Bescheid thun, 
vielmehr aber sollen die Ordensverwante ihre Mit- 
Ordensverwante, so zllm Trunk genöthigt werden 
möchten, zu vertheidigen schuldig sein. Neben dem 
so etwa andere rittermäßige Personell Lust tragen 
wollen, mit in diesen Orden 31t schreiten, sollen sich 
dieselbige bei den Herren Patronen und Stister 
angeben, auch Keiner ohne der beider Consenß zu 
gelassen werden, jedoch so innerhalb vierzehn Tagen 
keine Resolution bei gedachten Herrn Patronen 
und Stifter geholt werden könte, soll einem jeden 
Ordensverwanten zugelassen sein, eine solche Person 
aus sürgezeigte Articul und Subscription seiner 
bei sich Habendell Kopien in Orden zue nemmen, doch 
das er den negsten solcher eingenommenen Person 
halben Bericht an den Herrn Patronen und Stifter 
thue, damit dieselbige jederzeit wißen können, wer 
und wieviel der Ordensverwanten sein, und soll 
ein jeder neu ingenommener Ordensverwandter 
schuldig sein, aus seine Kosten einen gleichmäßigen 
Ordensbecher von dato seiner Einnehmung in 
Monatsfrist ihme selbst verfertigen zu lassen. 
Welcher Ordensverwanter, nachdem er seinen Ordens 
becher llnd Ordenszeichen empfangen hat, denselben 
oder dasselbige nicht jederzeit in guter Verwahrung 
haben wird, also daß da er darumb befragt, den 
selben oder dasselbe nicht in 24 Stunden ausweisen 
kann, der soll in der dreier Obmänner Straff nach 
ihrem Gutachten verfallen sein. 
Dieses alles abgeschriebenes haben sich vor höchst- 
und hoch - wohl - ermelte nnb edle, Churfürsten, 
Fürsten, Grasen, Herren und Rittermeßige stet und 
fest zu halten verglichen, auch darüber zwei gleich 
lautende Originalia verfertigen lassen, so mit aller 
Ordensverwanten eigener Subscription bekräsftiget, 
deren eines dem Patrono, das andere dem Stifter 
des Ordens Temperantiae zu verwahren zugestellt 
worden, neben dem ist einem jeden Ordensver- 
wanten Oopia dieser Satzung zugestellt, und haben 
die sämmtlichen Ordensverwanten verglichen, den 
D. und H. Churfürsten Herrn Fridrichen Pfalzgr. 
bei Rhein und Herzogell in Baiern vor einen 
Patron, wie auch den D. H. F. H. Moritzen Landgr. 
zu Hessen Grafen 31t Katzenelnbogen u. s. w. für 
den Stifter dieses Ordens zu erkennen und 
zu haben. 
Geschehen zu Heidelberg nach dem dritten Advent 
in die Nicasii, am 14. Decembris 1601. Friedrich 
Pfalzgr. Churfürst, Moritz L. zu Hessen, Johannes
        

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