Full text: Hessenland (8.1894)

sagt der Forstmeister, der ziemlich Lokal- 
kenntniß hatte, zu meinem Vater: „Nun gehen 
Sie da hinaus, und ich nehme den Weg nach 
dort, und wenn es Tag wird, treffen wir beide 
an dem und dem Orte des Waldes wieder zu 
sammen". Mein Vater tragt gegen diese Trennung 
im Interesse seines Vorgesetzten wohlbegründete 
Bedenken und sagt: „Lassen Sie uns zusammen 
bleiben." Herr von Schwertzell besteht jedoch 
auf seiner Anordnung, und jeder geht seines 
Wegs. 
Gegen Morgen, als es Tag wird, hat sich 
mein Vater an der dazu bestimmten Waldstclle 
eingefunden, aber der Herr Forstmeister ist nicht 
anwesend, kommt auch nach langem Warten 
überhaupt nicht. Inzwischen ist es Mittag ge 
worden, was meinen Vater zu der Vermuthung 
kommen läßt, daß Herr von Schwertzell bereits 
nach Wellerode zurückgegangen sei. Mein Vater 
geht nun auch nach Hause, erfährt aber beim 
Eintreten in den Hofraum zu seinem Schrecken 
von meiner im Hausflur stehenden Mutter, 
daß der Forstmeister leider noch nicht da sei. 
Daß dem Herrn vielleicht ein Unfall widerfahren 
sein möchte, ist die nächste Sorge. Mein Vater 
geht daher sofort zu dem Ortsvorstand, zu jener 
Zeit „Grebe" genannt, theilt diesem den Vorfall 
mit und veranlaßt mittels der Kirchthurmglocke 
eine Zusammenkunft der Gemeinde an der hierzu 
in öffentlichen Angelegenheiten des Orts be 
stimmten Stelle unter der sogen. Linde, gegen 
über dem Forsthof, an dem durch das Dorf 
fließenden Bach, die „Fahrenbach" genannt. 
Die Gemeinde folgt dem Rufe der Glocke, 
mein Vater theilt wiederholt auch den ver 
sammelten Einwohnern den. Vorfall mit und 
bittet, ihm sich anzuschließen, um den Herrn 
Forstmeister aufzusuchen, dem vielleicht ein Unfall 
widerfahren sei. Man rückt aus in der Richtung 
nach dem „Schorn", „Stellberg" u. s. w., und, 
nicht mehr fern vom Wald, erblickt mein Vater 
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seinen Vorgesetzten, langsam sich fortbewegend 
nach Wellerode hin, weshalb er nunmehr die 
Leute veranlaßt, wieder nach Hause zu gehen. 
Als mein Vater dem Herrn von Schwertzell 
näher kommt, überfällt ihn ein panischer Schreck 
wegen des zusammengefallenen und wahrhaft 
geisterhaften Aussehens des Forstmeisters. Dieser 
reicht meinem Vater die Hand. Letzterer bittet 
um Auskunft über das, was etwa vorgefallen 
sei, aber Herr von Schwertzell schweigt, und so 
gehen beide stumm in das Dorf zurück. In den 
Hausflur des Forsthofes eingetreten nimmt Herr 
von Schwertzell, den meine Mutter am Eingang 
begrüßte, die Hand nreines Vaters mit den 
Worten: „Kommen Sie mit hinauf auf mein 
Zimmer." Ueber das, was nun hier besprochen 
wurde, hat mein Vater niemals etwas mit 
getheilt und alles ihm bekannt Gegebene mit 
in das Grab genommen, obgleich meine Mutter 
mehr als einmal im Leben um Auskunft über 
diesen Fall gebeten hat. Nur das Eine erzählte 
er: Herr von Schwertzell hat zum Schluß seiner 
llnterredung gesagt: „Bleiben Sie des Nachts 
aus dem Wald, um Ihr Leben der Familie zu 
erhalten!" 
Nach diesem Vorfall ist Herr von Schwertzell 
niemals wieder nach Welle rode ge 
kommen. 
Leider ist in dem tollen Jahr 1848, da viele 
Beamte im Allgemeinen nicht den Muth be 
saßen, dem ungesetzlichen Thun und Treiben der 
Wilddiebe fest entgegenzutreten, das Hochwild des 
Reviers Wellerode gänzlich ausgerottet worden, 
und es hat bis heute noch nicht gelingen können, 
diese Zierde des Waldes wieder aufkommen zu 
lassen. Noch jetzt versetze ich mich in die Jahre 
1833 und 1834 mit Vergnügen zurück, wo aus 
dein Felde am sogen. Eisberg ganze Rudel von 
Rothwild, ein starker Edelhirsch voran, durch die 
Hunde des Feldhüters zur Flucht in das Dickicht 
des Waldes zurückgetrieben wurden. 
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Ium in. hessischen Bundessängerfest zu Hersfeld. 
Die alte Lullusstadt steht festlich geschmückt, um 
die lieben Gäste zu begrüßen, die sie erwartet. 
Die einzelnen Ausschüsse des Sängersestes sind 
seit Wochen in voller Thätigkeit: da gilt es, ganz 
abgesehen von den eigentlich musikalischen Vor 
bereitungen, Konzerthalle und Wirthschaftenden, 
die gleichsam über Nacht aus dem Boden gewachsen 
sind, auszuschmücken, da heißt es vor Allem, die 
fremden Sänger unterzubringen, kurz, es hat 
Alles zu geschehen, was für einen gedeihlichen 
Verlaus des Festes nothwendig ist. Das F e st- 
p r o g r a m m lautet: 
Sonnabend, den 30. Juni, von 3 Uhr Nachmittags 
ab: Empfang der von auswärts eintreffenden 
Festtheilnehmer. Abends von 7 Uhr ab: Konzert 
der Stadtkapelle, Festkommers und Gesangsvorträge 
im Vereinsgarten.
        

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