Full text: Hessenland (8.1894)

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gegeben gegen das Versprechen, eine Kriegskosten 
entschädigung von 19000 Gulden unter Ver 
pfändung der Stadt zu entrichten. 
Während dieser Vorgänge hatte sich in der 
freien Reichsstadt Mühlhausen Thomas Münzer, 
Aufruhr predigend, festgesetzt. Pfeifer, ein Gehülfe 
Münzer's, zog in's Eichsfeld, wo er eine Menge 
Schlösser und Klöster plünderte. Gegen die 
Aufrührer wurde Philipp von seinem Schwieger 
vater Georg, Herzog von Sachsen, zu Hilfe 
gerufen. Mit Heinrich von Braunschweig vereint, 
eroberte der Landgraf Anfangs Mai Eisenach 
und Langensalza. Bei Frankenhausen stieß 
Münzer zu den Bauern. Eiligst kam Philipp 
mit dem Herzoge von Braunschweig, und Beide 
sandten eine Gesandtschaft an die Bauern, durch 
welche dieselben aufgefordert wurden, zum Gehorsam 
zurückzukehren und ihre Hauptleute auszuliefern, 
alsdann würde ihnen Gnade zu Theil werden. 
Aus dieses Anerbieten gingen die Bauern nicht 
ein, wie sich auch eine zweite Unterhandlung, bei 
welcher Ergebung auf Gnade und Ungnade und 
besonders Auslieferung Münzer's verlangt wurde, 
zerschlug. Gegen achttausend Bauern hatten sich 
auf einem Berge bei Frankenhauscn gut verschanzt. 
Nach einer längeren von Münzer au die Bauern 
gehaltenen Rede wurde der Kampf begonnen. 
Alsbald schon wandten sich die Bauern zur Flucht, 
theils in die Stadt Frankenhausen, theils hinter 
den Berg, auf welchem sie Aufstellung genommen 
hatten; hinter den Fliehenden jagten die Reisigen 
der Fürsten her. Gegen fünftausend Bauern 
wurden erschlagen, Münzer selbst war entflohen, 
wurde aber bald nachher sich krank stellend, 
im Bette gefangen genommen und nach mehr 
fach erlittener Folterung dem Grafen Ernst 
von Mansfeld nach Heldrungen gesandt. Am 
20. Mai, wenige Tage nach der Schlacht 
bei Frankenhausen, stießen Kurfürst Johann von 
Sachsen, Philipp und Otto von Braunschweig- 
Lüneburg zu den verbündeten Fürsten. Sie zogen 
zusammen über Seebach und Schlotheim nach 
Mühlhausen. Pfeifer beabsichtigte hier den Fürsten 
entgegenzutreten, aber, von dem größten Theile 
der Bürger verlassen, entwich er in die Eisenacher 
Gegend. Die Fürsten verlangten von den Bürgern 
der Stadt Mühlhausen unbedingte Unterwerfung 
und Auslieferung der Rädelsführer; erst auf 
dringendes Bitten wurde Schonung der Unschul 
digen versprochen. Am Himmelfahrtstage wurden 
die Stadtthore geöffnet und den Fürsten die 
Stadtschlüssel übergeben. Landgraf Philipp, 
Herzog Georg und der Kurfürst zogen mit 
600 Reisigen in Mühlhausen ein. Die Stadt 
wurde um 40000 Gulden gebrandschatzt, sie 
mußte die Schutzherrschaft der drei Fürsten an 
erkenne» und sich zu einem jährlichen Tribut 
von 300 Gulden verpflichten. Alles Geschütz 
mußte ausgeliefert, die zerstörten Schlösser und 
Klöster wieder hergestellt werden. Die Rädels 
führer wurden enthauptet. Unterdessen wurde 
Pfeifer mit 92 seiner Leute bei Eisenach gefangen 
und Thomas Münzer von Heldrungen geholt. 
Beide wurden enthauptet, ihre Köpfe bei Mühl 
hausen auf dem Riesenberg und ani Schadcberg 
aufgesteckt. Hiermit war der Bauernkrieg in 
Norddeutschlaud beendet. 
(Fortsetzung folgt.» 
Der amerikanische Feldzug der Hessen nach dem Tagebuch 
des Grenadiers Johannes Ueuber von Medervellmar. 
1776 1783. 
Von F. W. Junghan! 
(Fortsetzung.) 
cji m 4. November kehrte das Korps nach Newyork 
zurück, und nachdem (am 26. Oktober) die 
O’ V 2. Division unter General von Knip- 
hauseu angekommen war, erfolgte der Angriff auf 
das Fort Washington. Lassen wir hierüber 
Reuber selbst reden: 
„Am 17. November 1776 des Morgens ver 
sammelten sich alle Regimenter und Korps vor 
Tagesanbruch, die Hessen aus dem rechten Flügel 
am Nordhofen, die Engländer auf dem linken 
Flügel am Südhafen. Weil es nun Tag war, 
marschierten alle Regimenter — unter dein Feuer 
der Kriegsschiffe — vorwärts den Berg und 
Steinfelsen hinauf; der eine fiel lebendig herunter, 
der andere wurde todtgeschossen; an den wilden 
Buchsbaumbüschen mußten wir uns in die Höhe 
ziehen; allendlich kamen wir doch etwas in die 
Höhe, da wir Bäume und große Steine fanden; 
da ging es aber hart aufeinander; weil es aber 
nicht weichen wollte, so kommandirte der Oberst
	        

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