Full text: Hessenland (8.1894)

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Philipp der Großmüthige. Landgraf von Hessen 
1504 -1567. 
Von H. Metz. 
(Fortsetzung.) 
f 
äleich bei Beginn des Bauernkrieges (1525) 
Vjl sandte Landgraf Philipp dem schwäbischen 
j Bande mehrere hundert Reiter gegen die 
Allfrührer zu Hilfe, durch welche eine Vereinigung 
der Bauern an der Donau verhindert wurde. 
Später selbst in Bedrängnis; durch den Aufruhr 
gerathen, verlangte Philipp seine Hilfstruppen 
vom schwäbischen Bunde zurück, erhielt dieselben 
aber nicht; sie wurden vielmehr in mehreren 
Gefechten verwendet. Als Philipp im Begriffe 
stand, seinem von den Aufrührern hart be- 
dräitgten Bundesgenossen, dem Kurfürsten von 
der Pfalz, zu Hilfe zu eilen, erhielt er die Nach 
richt, daß sein eigenes Land durch größere Bauern 
ansammlungen bedroht sei. Fünftausend Bauern 
standen bei Aura zwischen Kissingen und Hammel 
burg; siebentausend bei Bildhausen; achttausend 
in der Grafschaft Henneberg. Diese hatten sich 
der Städte Meiningen, Salzungen, Schmalkalden 
und Wasungen bemächtigt, zehntausend standen 
im Stifte Fulda. Diese letzteren Bauern zogen 
die meisten buchonischen Ritter und Städte in 
ihren Bund. Vach und Heringen wurden ein 
genommen, Schloß Friedewald belagert. Unter 
Otto Hund, Johann Riedesel und Heinze von 
Lüdcr sandte Landgraf Philipp eine Gesandt 
schaft in die Stadt Fulda. Dieser ward der 
Bescheid, „der Koadjutor habe den weltlichen 
Stand angenommen; wenn der Landgraf, der 
christlichen brüderlichen Versammlung der Land 
schaft in den Buchen beitrete, wollten sie Frieden 
mit ihm halten". Auch Hersfeld war zu den 
Aufständischen übergegangen. Der Abt Crato 
hatte zwar den Johannisberg, Petersberg und 
das Schloß zu den Eichen befestigt, mußte aber 
dessen ungeachtet, der Uebermacht unterliegend, 
die zwölf Artikel der Bauernschaft unterzeichnen 
mit dem Vorbehalt „einer anderen christlichen 
Ordnung, welche etwa sein gnädiger Verspruchs- 
Herr würde ausgehen lassen". Von Hersfeld aus 
forderten die Aufrührer die Städte Rotenburg, 
Melsungen, Spangenberg, Sontra, Alsfeld, Ziegen 
hain, Treysa, Neukirchen, Homberg, Witzenhausen 
und Kassel zum Beitritt auf. Nachdem sich der 
Landgraf der Treue seiner Ritter und der Städte 
bei Alsfeld versichert hatte, zog er den Aufrührern 
entgegen, die das ganze Stift Hersfeld einge 
nommen hatten und verheerend bis vor Roten 
burg und Spaugenberg gedrungen waren. Einem 
Abgesandten der Stadt Hersfeld, der sicheres 
Geleit für vier Rathsherrn begehrte, wurde ab 
schlägiger Bescheid. Von den buchonischen Auf 
rührern nun verlassen, öffnete die Stadt dem 
Landgrafen die Thore, leistete Erbhuldigung und 
lieferte die Schuldigen aus. In der Osterwoche 
hatten die Ausrührer vier Stiftskirchen in Hersfeld 
zerstört und sich unter einem obersten Feldhanpt- 
mann, einem Rath und engeren Ausschuß kvn- 
stituirt, den Koadjutor zu einem Fürsten der 
Buchen ernannt. Mit zwei Hecrhaufen, deren 
einen Konrad Hesse, Schultheiß von Marburg, 
führte, deren anderen der Landgraf selbst be 
fehligte, zog letzterer den Bauern zuerst nach 
Hünfeld entgegen und erklärte, mit dem als 
Unterhändler von Seiten der Aufrührer ab 
gesandten Koadjutor sich verständigen zu wollen, 
wenn er seine Unterthanen zum Gehorsam bringe. 
Als aber auf der Reise Beider nach Fulda 
Philipp das Lager der Bauern auf dem Francn- 
berg sah, wurden die Unterhandlungen abgebrochen. 
Fulda öffnete nach kurzer Belagerung durch den 
Landgrafen die Thore; 1500 Aufrührer wurden 
im Schloßgarten während drei Tagen durch 
Hunger und Durst gestraft, dann in ihre Heimath 
entlassen, der schuldige oberste Feldhauptmann, 
ein Prediger und zwei Rädelsführer wurden 
enthauptet; der Koadjutor wieder in seine Würde 
und sein Land eingesetzt, ihm die von den 
Bauern abgenommene Beute des Stiftes, mit 
Ausnahme des Geschützes, vom Landgrafen zurück-
        

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