Full text: Hessenland (8.1894)

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Juch rin Rruchhrsrvlinsch. 
Da stehn wir an des Jahres Grenzen 
Und prüfen, was es uns geschickt, 
Ein Haufen ist's von Influenzen, 
Mit denen uns das Schicksal zwickt. 
Des Einen Influenza-Schmerzen - 
Sie rühren Vvn den Steuern her, 
Denn die Finanzminister-Herzen 
Sind nach den Steuern voll Begehr. 
Des Andern Schmerzen wieder haben 
In niedern Zöllen ihren Grund, 
Denn daran kann sich nimmer laben 
Der kampfbereite Landwirthbund. 
Was mich jedoch influenzitisch 
Bedrängt, bedrückt und schmerzt und quält, 
Das ist: daß man daheim politisch 
So gern sich fremde Geister wählt; 
Daß man im alten Hessenlande 
Vergißt des alten Stolzes Rest 
Und zollfrei gcist'ge Contrebande 
Für Stellen sucht im eignen Nest. 
Für dieses Stück vvn Influenza 
Fehlt mir Verständniß, Herz und Sinn, 
Drum wünsch' ich denn als Konsequenz da: 
Sie fahr' mit Stumpf und Stiel dahin! 
Das alte Jahr mag sie begraben, 
Die nie den Hessen eigen war, 
Denn Geist ist auch zll Hans zu haben, - 
Darauf mein — Prosit neues Jahr! 
Gark ree er. 
Aus alter und neuer Irrt. 
Ein hessischer Mäßigkeitsverein aus 
dem Jahre 1601. Die Mäßigkeitsvereine sind 
nicht erst neueren Ursprungs. Schon 1517 gründete 
Sigmund von Tietrichstein zu Graz in Steyermark 
einen solchen Verein unter dem Titel St. Christophs 
orden, und am 14. Dezember 1601 wurde zu 
Heidelberg vom Landgrasen Moritz von Hessen ein 
Orden der Mäßigkeit gestiftet, dessen Statuten 
wir nach Chr. v. Rommel, Geschichte von Hessen, 
Bd. 6, S. 357 sf. nachstehend wiedergeben: 
„Zu wissen sei Jedermänniglich, daß bei 
jetziger Chur- und fürstlicher Zusammenkunft 
allhie zu Heidelberg zu Vorkommung übermäßigen 
Trunkes, wie auch andern unordentlichell Wesens, 
so leichtlich nß übermäßigem Trunk entstehen mag, 
sonderlich aber zll Gottes Ehren, als der da 
gebeut, sich vor Fressen und Saufen zu 
hüten, Lucas 21 , sich die durchlauchtigste, 
durchlauchtige, und hochgeborene, auch wohlgeborene 
und edle Herren Churfürsten, Fürsten, Grasen, 
Herren und Rittermäßige, in der Subscription 
benennte gutes Wissens und Willens mit einander 
beredt und verglichen haben, wie hiernach folgende 
Artikel auswerfen. 
Zum Ersten wollen Alle und iede in diesem 
Orten Temperantiae begriffene sich verpflichtet 
haben, von dato dieses den 24. Decembris in- 
lauffenden eintausend sechshundertstel! Jahrs bis ns 
künftigen 25. Decembris des 1602 Jahrs, alles 
Vollsausens, in was das Getränk auch das sein 
möge, zu enthalten. — 
Zum Andern. Damit dieses so viel desto ge 
wisser gehalten werden möge, so wollen hoch und 
wohlgedachte Ordensverwante obgesagte ganze Zeit 
über os eine Malzeit nit mehr als sieben Ordens- 
Becher mit Wein ostrinken, auch sich durch keinerlei 
Weg, wie die Namen haben mögen, bei einer Mal 
zeit mehr in Wein außzutrinken bewegen lassell. — 
Zum Dritten. So will auch kein Ordensverwanter 
in vier und zwanzig Stllnden mehr als zwo Malzeit 
halten , da ban bei jeder Malzeit sieben Ordens 
becher mit Wein zu trinken erlaubt fein sollen, 
außerhalb Malzeit aber, es sei zllr Suppen, zwischen 
den Malzeiten, oder nach der Abendmalzeit zum 
Schlaftrunk, soll keinem erlaubt sein, einzigen 
Trunk, Glas oder Becher Wein mehr zuzusetzen. 
Zum Vierten. Da aber je einer zur Suppen 
Wein trinken müßte, oder wolte, sol er doch 
schuldig sein, dasjenige so er an Wein getrunken, 
von den sieben Morgenmalzeits-Bechern abzukürzen, 
also und dergestalt, daß nach verrichter Morgen 
malzeit die sieben Morgenmalszeitsbecher nit über 
schritten seien. — Zum Fünften. Gleichergestalt, 
so einer zwischen den Malzeiten, oder aber auch der 
Abendmalzeit, zum Schlaftrunk Wein trinken müßte, 
oder wolle, soll er doch das, so er uff solche Zeit 
an Wein getrunken, an den sieben Abendmalzeits 
bechern abzurechnen schuldig sein, also und der 
gestalt, daß wan einer schlafen gehet, die sieben 
Abendmalzeitsbecher nit überschritten seien. Zum 
Sechsten. Damit auch keiner über Durst zu klagen, 
so soll einem jeden sowohl zu beiden Malzeiten, 
als außerhalb deren, zu jeden Zeiten erlaubt sein, 
Bier, Sauerbrunn, Wasser, Juleb, und dergleichen 
schlecht Getränk mit zuzutrinken, doch mit der 
Bescheidenheit, daß der erste Satz nit überschritten. 
Zum Siebenden. Jngegen aber soll keinem erlaubt 
sein, seine Ordensbecher mit gebrannten hispanischen
        

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