Full text: Hessenland (8.1894)

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Division, welche hier versammelt war, bestand 
aus folgenden Regimentern, bezw. Bataillonen: 
1. Das Jügerkorps. 
2. Das detachirte Grenadierbataillon. 
3. Das Leibregiment. 
4. Das Regiment Erbprinz. 
5. Das Regiment Prinz Karl. 
6. Das Alt-Lvßbergische Regiment. 
7. Das Regiment von Bose. 
8. Das Regiment von Mirbach. 
9. Das Kniphausen'sche Regiment. 
10. Das Donop'sche Regiment. 
11. Das Dithfurt'sche Regiment. 
12. Das Rall'sche Grenadierbataillvn. 
Sämmtliche Truppen standen unter dem Kom 
mando des Generals von Heister. 
Eine zweite Division unter dem Kommando des 
Generals von Kniphausen folgte kurze Zeit darauf 
nach und wurde zu Ritzebüttel eingeschifft. Sie 
bestand ans nachfolgenden Regimentern: 
1. Einem reitenden Jägerkorps. 
2. Einem dctachirten Grenadierbataillon. 
3. Dem Wuttginau'schen Regiment. 
4. Dem Benning'schen Regiment. 
5. Dem Wissenbachischen Regiment. 
6. Dem Huyne'schen Regiment. 
7. Dem von Stein'schen Regiment. 
Nach dem hessischen Exerzierreglement vom 
Jahre 1767 bestand ein Regiment Infanterie 
aus zwei Bataillonen zu sechs Kompagnien. Die 
schönsten und größten Leute bildeten die beiden 
Flügel- oder Grenadierkompagnie». Die Kom 
pagnie war 100 Mann stark. Die Grenadier 
kompagnien zweier Regimenter wurde im Krieg zu 
einem Grenadierbataillon kombinirt. Ein solches 
kombinirtes Grenadierbataillon war das Rall'sche, 
dem Renber angehörte. 
Da nicht Schiffe genug da waren, so mußte 
das Rall'sche Grenadierbataillon nebst zwei Kom 
pagnien vom Regiment Kniphausen und drei 
Kompagnien von Alt-Loßberg noch 14 Tage 
in Geestendorf warten, bis es abgeholt 
wurde. Am 21. stach es in See, am 24. legte 
das Schiff in Deal an. Vom 25. April bis 
zum 10. Mai lag die Flotte an der holländischen 
Küste, um erst günstigen Wind abzuwarten. 
Am 10. Mai endlich, als am ersten Pfingsttag, 
lichtete sie die Anker, um nach einer ziemlich 
ruhigen Fahrt von drei Monate» und vier Tagen 
das Ziel ihrer Reise, den Boden Amerikas, zu 
erreichen. 
Der Verfasser beschreibt in sehr eingehender 
Weise die Einrichtung des Schiffes, die Schiffskost, 
er verzeichnet das Wetter, die Zahl der Seemeilen, 
die sie jeden Tag zurücklegen, er instruirt sich 
über den Gebrauch des Lots und des Sextanten 
und hat ein offenes Auge für die Natur 
erscheinungen, welche die Langeweile der Seefahrt 
verkürzen und dem Bauernsohn Veranlassung 
zum Nachdenken geben. 
Zur Unterbringung der Truppen war der 
vordere Raum des Schiffes mit drei Reihen 
Bettstellen versehen, je zwei über einander. Jeder 
Soldat hatte eine Matratze, zwei Decken und 
ein Kopfpolster. Bei gutem Wetter wurden die 
Matratzen auf Deck gebracht und gelüftet, der 
Raum aber täglich ausgekehrt und mit Essig 
ausgeräuchert. Die Kost war derb, aber aus 
reichend. Jeden Tag erhielten je sechs Mann 
vier Pfund Schiffszwieback. Sonntags gab es 
Erbsen und vier Pfund Schweinefleisch für sechs 
Mann, Montags Hafergrütze nebst Butter und 
Käse, Dienstags vier Pfund Rindfleisch, drei 
Pfund Mehl, ein halb Pfund Rosinen und ein 
halb Pfund Rindsfett zu einem Pudding, Mitt 
wochs wie Montags, Donnerstags wie Sonntags, 
Freitags Hafergrütze mit Butter und Käse und 
Sonnabends Rindfleisch und Pudding. Außerdem 
erhielten sechs Mann täglich vier Stübchen 
Schmalbier und jeder Mann ein Kännchen Rum, 
der aber unserem Renber nicht schmeckte. Seume 
freilich, der bekanntlich in der Nähe von Vacha 
zum Soldaten gepreßt wurde und den Krieg 
unfreiwillig mitmachen mußte, beklagt sich sehr 
über das täglich wiederkehrende pease and pork 
und pork and pease, auch sagt er, daß drei 
Mann ein Lager Hütten theilen müssen. Renber, 
dem wir sicher glauben dürfen, sagt nichts davon 
und beklagt sich weder über Bett noch Menage. 
Renber beobachtet das Leuchten des Meeres und 
die fliegenden Fische, welche, von einem andern Fisch, 
den er pnrpose (porpoise, Meerschwein) nennt, 
gejagt, sich in die Luft erheben, sobald aber die 
Floßfedern getrocknet sind, wieder in's Meer 
fallen. Der Fang eines Hais macht der Mann 
schaft viel Vergnügen. Endlich zeigen schwim 
mender Tang und vom Land verschlagene Vögel, 
Enten lind Seeschwalben, wie bei Christoph 
Columbus, die Nähe des Landes an. Am 
15. August erblickte man Schiffe, war aber in 
Sorge, es möchten sranzösische Kriegsschiffe sein, 
denen das nur von einem englischen Kriegsschiff 
begleitete Geschwader wehrlos in die Hände ge 
fallen wäre. Nach kurzer Zeit erkannte man sie 
aber als die Transportflotte, welche vierzehn 
Tage vorher von Portsmouth ausgelaufen war. 
Beim Anbruch des nächsten Tages erblickten die 
Seefahrer die Insel Staten Island, welche 
von den Engländern besetzt war. Hier wurden 
die Hessen an's Land gesetzt und bezogen das Lager.
        

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