Full text: Hessenland (8.1894)

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von Trier aufgefordert. Der Angriff auf die 
Ebernburg wurde der vorgerückten Jahreszeit 
wegen verschoben, nur einige Burgen Sickingen'scher 
Anhänger wurden eingenommen. Im April 1523 
begann die Belagerung der Feste Nannstuhl, auf 
die sich Sickingen ihrer größeren Festigkeit wegen 
von der Ebernburg aus zurückgezogen hatte, durch 
Landgraf Philipp, die Kurfürsten Ludwig von 
der Pfalz und Richard von Greifenklan von Trier. 
Am sechsten Tage der Belagerung wurde Sickingen 
tödtlich verwundet und die Burg übergeben. 
Dieser Uebergabe folgte die mehrerer Burgen seiner 
Söhne und Freunde, so von Drachensels, Dann und 
Lützelburg in Lothringen, Hohenburg und zuletzt die 
jenige der Ebernburg nach siebentägiger Belagerung. 
Landgraf Philipp erhielt bei der Theilung 
Sickingen'scher Güter Schloß und Gebiet Kronen 
berg und einen Beuteantheil, der aber nicht die 
für die Fehde aufgewendeten Kosten erreichte. 
Pfalz und Trier theilten sich in die Besitzungen 
auf dem linken Rheinufer. Kronenberg wurde 
vom Landgrafen Philipp (1541) an feine vorigen 
Besitzer unter dem Vorbehalte des Oesfnungsrechtes 
zurückgegeben. 
In der Hildesheimer Fehde (1519—1521) die 
von Bischof Johann von Hildesheim und Heinrich 
Der amerikanische Feldzug d 
des Grenadiers Johannes 
1776 
dem Aelteren von Lüneburg gegen die Herzöge 
von Kalenberg und Wolfenbüttel, Erich I. und 
Heinrich den Jüngeren, geführt wurde, unter 
stützte Landgraf Philipp die letzteren öfters mit 
Truppen auf Veranlassung der Landgräfin Anna, 
die von Erich's Gemahlin, Elisabeth von Branden 
burg, darum angegangen war. In Folge eines 
kurze Zeit vor der Schlacht bei Soltau in der 
Lüneburger Haide ausgebrochenen Streites, da 
die Brannschweiger erklärt hatten, das Bild des 
hessischen Löwen fei das eines Hundes, zog ein 
Theil der Hessen nach Hause. Die Schlacht fiel 
zu Ungunsten der Herzöge aus. Philipp sandte 
eine neue Hilfe von 350 Reitern und 600 Fuß 
gängern, die die Schlösser Heinrich's des Jüngeren 
deckten. Nach der auf dem Reichstage zu Worms 
(1521) erfolgten Reichsacht über den Herzog von 
Lüneburg und den Bischof ;u Worms wurde 
Philipp vom Kaiser aufgefordert mit dein Könige 
von Dänemark dem Herzog Erich und seinem 
Neffen zu helfen. Unter Hermann von der Mals 
burg wurden 350 Reiter, 1500 Fußgänger, 
6 Schlangenbüchsen und 2 Karthaunen gesandt 
und das Stift Hildesheim erobert. 
(Fortsetzung folgt.) 
r Hessen nach dem Tagebuch 
Ueuber von Niedervellmar. 
1783. 
Von F. W. I u n g h a n s. 
‘-¡¡in Nummer 16 des Jahrgangs 1893 dieses 
jf Blattes brachten wir einen Auszug aus dem 
1 Tagebuch des hessischen Grenadiers Johannes 
Reuber von Niedervellmar über die Belagerung 
von Mainz. Der nachfolgende Aufsatz berichtet 
feine Erlebnisse während des amerikanischen 
Feldzugs. 
Johannes Reuber war geboren zu 
Niedervellmar am 2. Mürz 1759 als Sohn eines 
Tagelöhners. 1773 wurde er konfirmirt und 
schon zwei Jahre darauf, am 15. September 1775, 
zum Landgrenadierregiment ausgehobcn und ein 
geschworen. Er war vermuthlich groß und stark 
gewachsen. 1775 schloß der Landgraf den bekannten 
Vertrag mit England, und am 1. Januar 1776 
bekam der noch nicht Siebenzehnjährige Ordre 
zur Gestellung in I in m enhausen, wo die Kom 
pagnie des Majors Matthäus lag. Schon am 2. 
rückte die Kompagnie nach dem größeren Orte 
G r e b e n st e i n, wo die junge Mannschaft bei tiefem 
Schnee und großer Kälte in aller Eile ^einexerziert 
wurde. Am 3. März erfolgte die Ordre zum 
Ausmarsch nach Amerika. Das^Bataillon wurde 
in Eile mit den zum Felddienst erforderlichen 
Ausrüstun'gsgegenstünden, Tornistern, Brotbeuteln, 
Kesseln,^Flaschen, Aexten, Schippen und .Hacken, 
versehen. Außerdem erhielt der Mann 60 scharfe 
Patronen und eben so viele scharfe Steine, und 
am 4. rückte das Bataillon zur Revue vor dem 
Landgrafen nach Kassel, der es „auf der Renn 
bahn" musterte. Der Marsch nach Bremerlehe, 
wo die Truppen eingeschifft werden sollten, ge 
schah zu Land längs der Weser. Am 7. April 
langte das Bataillon in Schiffsdorf bei Bremer 
lehe an, Ivo es von einem englischen Kommissär 
übernommen und für den Dienst des Königs 
von England vereidigt wurde. Die erste hessische
        

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