Full text: Hessenland (8.1894)

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Hessische Bücherschau. 
Dr. Karl Knabe, Oberlehrer. Ueber Schul 
münzen im ehemaligen Kurhessen. Wissen 
schaftliche Beilage zum Osterprogramm der 
Oberrealschule zu Kassel. 40. (28 S.) 1894. 
Es giebt zwei Arten von Münzen, die von oder 
für Schulen geprägt worden sind und noch geprägt 
werden, erstens solche, die als Prämien für Fleiß 
und gute Führung an Schüler vertheilt werden, 
sog. Brabeonen, welche in einzelnen Ländern und 
Städten, wie in der Schweiz, in Hamburg u. a., 
sich bis iws 16. Jahrhundert zurückversolgen 
lassen, und dann solche, die als Erinnerungs 
zeichen für bestimmte Ereignisse, wie Gründungs 
oder Jubiläumstage oder zum Gedächtniß hervor 
ragender Lehrer und Leiter geprägt worden sind. 
Münzen beiderlei Art sind im ehemaligen Kur 
staate in unverhältnißmäßig großer Anzahl vor 
handen, und kaum dürfte es ein Ländchen gleicher 
Größe geben, das Hessen in dieser Hinsicht über 
trifft. Es war deshalb ein guter Gedanke des 
Verfassers, diese Münzen einmal zusammenzustellen 
unb an der richtigen Stelle — in einem Schul 
programm — zu veröffentlichen.*) Mit großem 
Geschick unb nicht unerheblicher Mühe hat er von 
weitaus den meisten Stücken eine eigene An 
schauung sich zu verschaffen gewußt und sie mit 
numismatischer Akribie beschrieben. Ganz besonders 
dankenswerth sind die jeder Anstalt vorangestellten 
historischen Notizen über Gründung und Ent 
wicklung und über die verschiedenen Anlässe 
zur Ausprägung der Medaillen, wodurch die Arbeit 
auch geschichtlich interessant und werthvoll ist. 
Verfasser theilt seine Abhandlung in sieben Ab 
schnitte. Im I. und II. beschreibt er die Medaillen 
der Hochschulen: Universitäten und wissenschaft 
lichen Akademien. Unser v Hessenland hat von 
ersteren die erstaunlich große Zahl vier zu ver 
zeichnen: Kassel (2. I. 1633 bis 16. VI. 1653), 
Fulda, Rinteln, Marburg. Von der nur 20 Jahr 
in Kassel gewesenen Universität sind Medaillen 
nicht vorhanden. Fulda, eröffnet als Kollegium 
am 20. X. 1572 von Fürstabt Balthasar von 
Dermbach, mit'Bewilligung Pabst Clemens XII. 
vom Primas Freiherr Adolf [ von Dalberg zu 
einer Universität mit vier Fakultäten (1734) er 
weitert, bestand bis zum Jahre 1804, in welchem 
sie von Wilhelm I., Fürst von Corvey und Dort- 
*) Mit Erlaubniß der Schule hat auch die bekannte, 
in Berlin erscheinende Zeitschrift „Der Sammler", 
herausgegeben von Dr. Brendicke, in ihren beiden ersten 
Nummern obige Arbeit zum Abdruck gebracht. 
mund, aufgehoben wurde. Eine große, 60 mm 
im Durchmesser haltende silberne Medaille, wurde 
bei der Einweihungsseier am 19. IX. 1734 an 
die Anwesenden vertheilt. Als dritte Universität 
ist zu nennen Rinteln, gegründet 1620 von 
Gras Ernst von Schaumburg, aufgehoben vom 
westfälischen König Hieronymus Napoleon am 
1. V. 1810. Bei ihrem 100 jährigen Jubiläum, 
das Mitte Juli 1721 gefeiert wurde, bei welcher 
Gelegenheit die Universität „mit gnädigstem Bor- 
bewußt" des Landgrafen Karl von Hessen das 
Amt des „Rector magnificentissimus“ dem kleinen 
zehnjährigen Enkel desselben, dem Prinzen Wil 
helm, übertrug, wurden verschiedene güldene und 
silberne Denkmünzen geprägt. Als vierte Uni 
versität macht den Beschluß unsere altberühmte, 
nach wie vor blühende Marburger Alma mater 
Philippina, eröffnet am 30. Mai 1527. Sie 
weist goldene und silberne, gelegentlich ihres 100-, 
200- und 300 jährigen Jubiläums ausgegebene, 
sowie einige aus den seiner Zeit berühmten 
Mathematiker und Philosophen Christian (seit 
1745 Freiherrn von) Wolff geprägte Medaillen auf. 
Bon akademischen Instituten wissenschaftlichen 
Charakters kommen hier in Betracht das Kol 
legium Carolinum zu Kassel, gegründet 1595 von 
dem gelehrten Landgraf Moritz, erweitert 1599 
unter dem Namen Collegium Mauritianum zu 
einer Akademie, dann 1618 unter dem Namen 
Collegium Afielphicum Mauritianum zu einer 
Ritterakademie „zur Beförderung der studirenden 
rittermäßigen Jugend in Künsten und Sprachen, 
sodann zur Anführung in allen ritterlichen 
Tugenden und Uebungen" ausgebaut, 1633 — 1653 
Universität (siehe oben), dann 1657—61 Gym 
nasium , 1661 ausgelöst, im Jahre 1709 als 
Collegium illustre Carolinum wieder auflebend 
unb endlich 1791 durch Wilhelm IX. mit der 
Universität zu Marburg vereinigt. Preismedaillen 
finden sich hier aus den einzelnen Jahren 1761 
bis 1771, 1773, 1775—1785. Weiter gehört 
hierher das Chirurgische Wilhelms-Institut, das 
ebenfalls Landgraf Moritz in's Leben gerufen hatte, 
und erst am 29. VI. 1821 von Kurfürst Wil 
helm II. geschlossen wurde, nachdem es während 
der westphälischen Fremdherrschaft eingegangen war. 
Im III. Abschnitt kommen die Mittelschulen: 
Gymnasien, Realschulen und höhere Bürgerschulen, 
an die Reihe. Die jüngste hier erwähnte Schul 
münze ist die Erinnerungsmedaille (Aluminium, 
Bronze und Zinnzinkkomposition), die bei dem 
50 jährigen Jubiläum der Oberrealschule zu Kassel 
( 4./5. 1893) ausgegeben wurde. 
In den folgenbeu Abschnitten IV—VII werden 
die von Volksschulen, Handwerksschulen, Zeichen-
        

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