Full text: Hessenland (8.1894)

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Der dritte Historiker-Tag sollte laut dem 
Beschluß der vorjährigen Leipziger Versammlung 
in Marburg stattfinden. Doch hat man von 
dort, wie verschiedene Blätter berichten, gebeten, 
von dem Plane abzusehen. 
Die Beilage Nr. 140 der Münchener „Allgemeinen 
Zeitung" enthält einen von kundiger Hand ge 
schriebenen Aussatz über unsern landsmännischen 
Dichter Richard Jordan, der im fernen Westen 
lebend vor Kurzem die prächtigen „Lieder vom 
Stillen Ocean" aus deutschem Boden hat 
erscheinen lassen. Wir wollen auch bei dieser 
Gelegenheit nicht versäumen aus das kleine, schön 
ausgestattete Buch, das Jedem, der am Schönen 
Freude hat, Genuß bereiten wird, ausmerksam zu 
machen. Die „Lieder vom Stillen Ocean" sind 
bei Otto Hendel in Halle erschienen. 
Am 21. Mai starb in Kassel im Alter von 
nur 44 Jahren nach längerem Leiden Herr Dr. 
med. Emil Ioost, ein vielgesuchter uud tüchtiger 
Arzt, ein liebenswürdiger, humaner Mann, dessen 
Heimgang in weiten Kreisen Kassels lebhafter 
Theilnahme begegnet. Der nun Verewigte hatte 
einen an der Influenza erkrankten Patienten in 
Behandlung, bei welchem später die Lunge in 
Mitleidenschaft gezogen war. Hierbei hatte er sich 
inficirt. Seit einem Vierteljahr kränkelte nun 
Br. Joost und besuchte, um Heilung zu finden, 
11 Wochen lang das Bad Falkenstein, kehrte aber 
betrübt, seine Hoffnung nicht erfüllt 31t sehen, von 
dort nach Kassel zurück. Er hatte indeß keine 
Ruhe und ließ es sich nicht nehmen, bis 31t den 
letzten Tagen seines Lebens seinem Beruf pflicht 
getreu obzuliegen. Von der Beliebtheit, deren sich 
der Hingeschiedene erfreute, legte die zahlreiche 
Betheiligung an seiner Beerdigung Zeugniß ab. 
Dr. Joost, der schon mit 16 Jahren das 
Abiturientenexamen abgeleistet hatte, studirte in 
Marburg, wo er dem Korps Hasso-Nassovia an 
gehörte. 
Die in New-Iork erscheinenden „Hessischen 
Blätter" (Herausgeber und Eigenthümer: 
Boelcker Brothers) erfüllen mit Geschick die 
schöne Aufgabe, unsere Landsleute im fernen Westen 
geistig untereinander und mit der Heimath 
zusammenzuhalten. Wir entnehmen der Nr. 16 
(vom 21. April) folgende gewiß manchen unserer 
Leser interessirenden Personalnotizen. Im St. 
Joseph, Mo., starb am 8. März der Prediger- 
Adam Jockel, geboren am 6. Dezember 1834 
in Mannheim. Jockel ging, 17 Jahr alt, nach 
Amerika, verheirathete sich dort mit Elisabeth Löhr 
und machte den amerikanischen Krieg mit. — Ganz 
plötzlich verschied in Detroit, Mich., am 13. April 
Kapitän Chas. Rühl. Er war am 14. November 
1829 zu Darmstadt geboren und kam im Jahre 
1862 als hessischer Offizier nach New-Iork um 
den Bürgerkrieg mitzumachen. Nach demselben 
kehrte er nicht mehr in die alte Heimath zurück, 
sondern widmete sich dem Geschästsberufe. Ein 
Sohn von ihm wohnt als Geschäftsmann in 
New-Iork. — Wilhelm Protz mann, 52 Jahr 
alt, aus Wittgenborn, Kreis Gelnhausen, starb 
am 12. März in Brooklyn, N.-I, nach langem 
schweren Leiden. Ebenfalls jung nach Amerika 
gekommen, gründete er sich ein Tapeziergeschäst, 
das durch seine Gediegenheit einen großen Kunden 
kreis gewann. Verdient machte er sich als Gründer- 
verschiedener Gesangvereine, sowie des Hessischen 
Volksfestvereins von Brooklyn. — Es starben 
ferner: Anton Stephan Alt, 49 Jahre alt, aus 
Naumburg (Kurhessen) in Brooklyn; Johann 
Ludwig (72 Jahre) aus Schönstadt, Kr. Marburg, 
und Carl Dittmar (58 Jahre) aus Bracht, 
Kreis Marburg, beide in Cincinnati. — In 
Arlington, Hancock County, Ohio, starb am 
25. April im Alter von 92 Jahren Frau Anna 
Katharina Tracht aus Lautern (Großherzogthum 
Hessen), eine der ältesten Pionierinnen der dortigen 
deutschen Kolonie. Im Jahre 1831 schloß sie 
sich einem Trupp hessischer Auswanderer an, um 
sich in Amerika niederzulassen. Das Schiff, aus 
dem sich die Auswanderer befanden, wurde jedoch 
bei dunkler Nacht durch einen schweren Sturm 
auf eine Sandbank bei Norfolk, Va., geworfen, 
und die Schiffbrüchigen waren in höchster Noth, 
bis sie am Morgen durch Plantagenneger nach 
dem nahen Strande gebracht wurden. Dieses 
denkwürdige Ereigniß wird seither im Hessen- 
Settlement alljährlich durch Gottesdienst am 
17. September festlich begangen. Frau Tracht 
hinterläßt zwei Söhne, zwei Töchter, 17 Enkel 
und 33 Urenkel. 
Kunstnachrichten aus Hessen. 
In H a n a u ist man nicht sehr erfreut über die 
Verzögerung der Grimm denkmal-An gelegen- 
heit, die dem betreffenden Künstler, Professor 
Eberle-München, zur Last fällt, der seine Zu 
sagen bisher nicht erfüllt hat. Nach 8 5 des 
Vertrags vom 4. Februar 1891 beträgt die Bau 
zeit 3 1 jz Jahre. Die Aufstellung des fertigen
        

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