Full text: Hessenland (8.1894)

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70. Christiane Charlotte Ernestine Marie 
Dithmar wurde am 20. November 1830 zu 
Lippoldsberg geboren. 
p 71. Dorothea Karoline Elise Dithmar 
wurde am 6. Dezember 1832 auf dem Messing 
hammer geboren. Sie verheirathete sich am 
7. August 1866 an den damaligen Rechtsanwalt 
Otto Gerland zu Schmalkalden. 
72. Karl August Dithmar starb jung. 
-HK-1 
Zwei Freunde. 
Humoreske von D. Saul. 
f er stuck. zur. Maienschein und der stuck. med. 
Dornenblüth wohnten aus demselben Gange 
- , neben einander. Obwohl von verschiedenen 
Fakultäten, hatten sie sich doch als Hausgenossen 
zusammengefunden, da sie beide „Finken" waren 
und keinerlei Verpflichtungen gegen irgend eine 
Couleur hatten. Bald ward ihre Freundschaft 
eine recht warme, so daß z. B. wenn Maienschein 
Durst verspürte, sich diese Empfindung auf dem 
Wege des seelischen Rapports auf Dornenblüth 
übertrug und umgekehrt. Und da dieser Fall 
sich ziemlich oft ereignete, sah man die beiden 
allabendlich entweder zur Kneipe oder auf das 
Bierdorf wandern und zusammen heimkehren. 
Das heißt, das letztere sah man eigentlich meist 
nicht, denn es geschah gewöhnlich zur Nachtzeit; 
um so deutlicher aber konnte man es hören, 
wenn sie die etwas steile Treppe hinaufkletterten. 
Auf dem Gange pflegten sie noch herzlich Abschied 
zu nehmen, zuweilen auch, wie Dornenblüth meinte, 
„zu mehrerer Ergötzung" der Hausgenossen einen 
Kantus anzustimmen. Mit dem Fluche der darob 
erbosten „Philistrine" beladen — die gleichwohl 
ihren besten Studenten nichts zu verbieten wagte 
— gingen dann beide zur Ruhe, nicht ohne daß 
der eine oder andere noch geräuschvoll von seinem 
Dasein Kunde gab, Maienschein etwa die Wasser 
flasche zertrümmerte und Dornenblüth in entrüstetem 
Tone über die Hausfrau loszog, die sich erlaubt 
hatte — wie er in Folge einer erklärlichen Sinnes 
täuschung meinte — ein zweites Bett in seinem 
Zimmer aufzustellen. Oft pflegten sie auch noch 
eine längere animirte Unterhaltung durch die 
verschlossene Zimmerthüre, die ihre Stuben trennte, 
zu welchem Zwecke sie ihre Stimmen gewöhnlich 
lauter erhoben, als den übrigen Insassen des 
Hauses erfreulich erschien. 
Das wurde aber anders, als die beiden ziemlich 
zu gleicher Zeit sich gezwungen sahen, der That 
sache des Examens in's Gesicht zu blicken. Da 
verminderten sich die Berührungspunkte, die sie 
mit einander hatten, und jeder fing an, seinen 
gesonderten Weg zu gehen. Dornenblüth hatte 
sich gleich mit Feuereifer in seine Arbeit gestürzt, 
während Maienschein anfangs nicht dazu zu bringen 
war. Ja, er ärgerte sich über den Fleiß und 
das zurückgezogene Leben des Kommilitonen. 
Während letzterer jetzt fast jeden Abend zu Hause 
blieb oder doch zeitig heimkehrte, um bei einem 
einsamen Krüglein Bieres noch bis in die tiefe 
Mitternacht hinein zu büffeln, konnte sich Maien 
schein von dem Kneipenleben nicht trennen; er 
raisonnirte vielmehr obendrein noch, besonders 
wenn er spät und innerlich stark angefeuchtet nach 
Hause kam, in seiner „Bude" vernehmlich über 
den „langweiligen Philister" nebenan, womit er 
natürlich seinen solide gewordenen Freund Dornen 
blüth meinte. Dieser ließ sich indeß durch solche 
Anzüglichkeiten nicht aus der ihm eigenen klassischen 
Ruhe bringen, sondern pfiff höchstens die Melodie: 
„Du bist verrückt, mein Kind!" Allein bei diesen 
Häkeleien blieb es nicht. Die Milch der Freund 
schaft hatte sich im Verlaufe weniger Wochen im 
Herzen Maienscheins in das gährende Drachengift 
des Hasses verwandelt, und er begann allerlei 
kleine Tücken gegen Dornenblüth auszuüben. Auf 
dem Gebiete des sogenannten „Kasperstellens", 
das heißt jener Kunst, die darin besteht, in einem 
Zimmer das Oberste zu unterst zu kehren, galt 
Maienschein geradezu als eine Autorität, und er 
war bei seinen Bekannten um dieser Eigenschaft 
willen mehr geachtet als geliebt. Kein Wunder, 
wenn er dieses sein Talent jetzt dazu verwandte, 
um den Zimmernachbar zu ärgern. Verließ Dornen 
blüth einmal abends aus ein Stündchen seine Stube, 
um zu essen und einige „Töpfe" Bier zu trinken, 
so durfte er sicher sein, daß er bei der Rückkehr 
einen wunderbaren, jedesmal durch eine originellere 
Auffassung überraschenden „Kasper" vorfand. 
Obgleich er den Urheber dieser sich häufenden 
sinnigen Scherze recht wohl kannte, blieb er doch 
kaltblütig und gemessen. Er wußte genau, daß 
er diesem die reinste Herzensfreude bereiten würde, 
falls er sich irgend etwas merken ließe, und war
        

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