Volltext: Hessenland (8.1894)

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daß ich ihm treu diene. Meiner lieben Juris 
prudenz und überhaupt dem Civilstande habe ich 
längst Valet gesagt. Ich bin und bleibe Soldat, 
wozu ich von jeher Neigung hatte. Die Erfahrung, 
die ich wenigstens bitter genug machte, hat mich 
belehrt, daß bei der Tintenkleckserei nicht viel 
herauskommt. — —" 
Gern wäre Dithmar bei die österreichische 
Reiterei gegangen, da er aber nicht genug Mittel 
hatte, um die Uniform zu bezahlen, so mußte er 
auf die Erfüllung dieses Wunsches verzichten und 
trat im Februar 1810 in das 15. Infanterie- 
Regiment. Die Kosten für die Equipirung konnte 
er sich nur durch den Verkauf seiner Pferde be 
schaffen. Aus seiner Garnison Landskron schreibt 
er am 27. April desselben Jahres seinem Oheim 
Rommel, daß er ein Gesuch an das Kriegs 
ministerium nach Kassel gesandt und um Be 
gnadigung, Zurückerstattung seines Vermögens, 
sowie um Anstellung in seinem augenblicklichen 
Range im westphälischen Heere gebeten habe. 
Seine Sehnsucht nach dem Vaterland war um so 
stärker geworden, als er gerade einen, leider 
verloren gegangenen Brief von Martin aus 
Berlin erhalten hatte, aus dem ihm dessen Be 
gnadigung und Wiederanstellung bekannt geworden 
war. Seinem Wunsche wurde aber nicht willfahrt, 
er scheint nicht einmal eine Antwort erhalten zu 
haben. Am 30. Mai 1812 erwartete er zu 
Chrudim in Böhmen den Befehl, mit seinem Re 
gimenté nach Rußland zu marschiren, wo er dann 
seinen Bruder Fritz (67), der in westphälischen 
Diensten stand, „auf dem Feld der Ehre" zu finden 
hoffte. Ob er den russischen Feldzug mitgemacht 
hat oder nicht, ist nicht bekannt. Am 16. Sep 
tember 1813 starb er unverheiratet zu Prag an 
der Bräune, ohne daß man über seine Thätigkeit 
in den Freiheitskriegen etwas sagen könnte. So 
war ihm nur vergönnt, die Morgenröthe der 
Freiheit zu schauen. 
66. Martha Philippine Dithmar wurde 
am 7. April 1786 zu Homberg geboren und 
starb daselbst am 15. Februar 1808. Ihre 
Schicksale sind bereits zu 61 erzählt worden. 
67. Friedrich Karl Dithmar wurde 1781 
oder 1782 vermuthlich zu Homberg geboren, wenn 
seine Geburt in den dortigen Kirchenbüchern auch 
nicht vermerkt ist, und trat nach seiner 1806 zu 
Wolfhagen erfolgten Konfirmation in waldeckische 
Kriegsdienste als Kadet ein. Als die westphälischen 
Unterthanen durch Dekret vom 9. Januar 1808 
in die westphälischen Dienste zurückberufen wurden, 
trat er in das westphälische Heer ein und wurde 
1809 Leutnant im 3. Linien-Jnfanterie-Regiment. 
In diesem nahm er, nachdem er zuvor in Kassel 
und Magdeburg in Garnison gestanden hatte, an 
der Besetzung der Stadt Hannover Theil, als 
diese 1810 dem Königreich Westphalen einverleibt 
wurde. Er machte das Lustlager auf dem Forst 
bei Kassel in demselben Jahre mit, wurde in das 
zu Mühlhausen und Eschwege garnisonirende 
5. Linien-Jnfanterie-Regiment versetzt und 
marschirte mit diesem 1812 nach Rußland. Am 
14. April überschritt er über Schlesien die russische 
Grenze; an diesem Tage hatte das Regiment bei 
Kobelin, am 16. bei Kalisch Revue vor dem König 
Jerome und lag dann längere Zeit unter den 
ungünstigsten Verpflegungsverhältnissen auf Dörfern 
bei Kalisch. Am 17. August machte Dithmar 
die Schlacht bei Smolensk mit, doch kam sein 
Regiment nicht recht in's Treffen. Sein letzter 
Brief ist aus Miasma vom 12. September 1812 
geschrieben. Das Regiment hatte die hinter der 
großen Armee folgenden Transporte zu decken. 
Die Folgen der ungeheuern Anstrengungen des 
Feldzugs hatten sich allmählich auch bei Dithmar 
eingestellt; er litt am kalten Fieber und seine 
Brust war „ruinirt". Er konnte kaum noch 
schreiben, da er vor Schwachheit zitterte. Weitere 
Nachrichten über ihn sind nicht eingegangen, und 
so wird er wohl bald nach diesem Brief ent 
schlafen sein. 
68. Ludwig Friedrich Dithmar wurde 
am 17. Juli 1797 zu Wolfhagen geboren. 
Er widmete sich dem Bergfach und trat 1813 bei 
den freiwilligen Mineurs ein, mit welchen er den 
Feldzug gegen Frankreich und namentlich die 
Belagerung von Luxemburg mitmachte. Am 
13. Dezember 1814 wurde er zum Bergwerks- 
Alumnus angenommen, dann Materialschreiber an 
der Holzhäuser Hütte bei Homberg, am 10. August 
1825 Kontrolleur und wirklicher Mitbeamter bei 
dem Eisenhammer zu Lippoldsberg und später 
in gleicher Eigenschaft auf den Messinghammer 
bei Kassel versetzt, wo er am 13. Mai 1835 starb. 
Er verheiratete sich am 18. April 1827 zu 
Karlshafen mit Bernhardine Schomburg, 
der am 11. Oktober 1806 geborenen jüngsten 
Tochter des Physikus Dr. Anton Schomburg 
und dessen Ehegattin Juliane, geborene Rosen- 
hagen zu Karlshafen; diese starb am 4. Juli 
1837 zu Kassel. Seine Kinder siehe 70—72. 
69. Christiane MarieDithmar wurde am 
1. Oktober 1800 zu Wolfhagen geboren. Ihre 
Geburt gab ihrer Mutter den Tod. Sie starb 
unverheirathet im Frühjahr 1834 zu Obervorschütz 
bei ihrer Kousine Coester (61 Anm. 1 o.)
        

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