Full text: Hessenland (8.1894)

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zum Sekond-Leutnant bei diesem Regimenté 
gnädigst ernannt haben, Als thun Wir 
solches hiermit und in Kraft dieses Patents, 
dergestallt und also, daß Uns und Unserm 
Kurfürstl. Hause derselbe ferner treu, hold 
und gehorsam seyn, seine Charge gebührend 
wahrnehmen, was ihm zu thun obliegt, und 
anbefohlen wird, so Tags als Nachts fleißig 
und treulich bewerkstelligen, sich daran nichts 
abhalten lassen, bei allen vorfallenden Kriegs 
begebenheiten mittelst ungescheuter Gefahr, 
tapfer und unermüdlich ausführen, dahingegen 
aber übrigens alle mit dieser Charge verknüpfte 
Vorzüge und Gerechtsame geniesen soll, Des 
zu Urkund haben Wir dieses Patent eigen 
händig unterschrieben und mit Unserm Kur 
fürstlichen Geheimen Jnsiegel bedrucken laßen. 
So geschehen Prag den 20. Oktober 1809. 
Milbelm L " (Wappensiegel 
hUHU-JCUU ' ohne Umschrift 
in Siegellack.) 
Aber der Kurfürst konnte sein Korps nicht 
länger beisammen halten. Dithmar erzählt 
uns weiter: 
„Doch der Kelch unserer Leiden war noch nicht 
voll. Wir lagen inmittelst in Böhmen in Kanton- 
nirung, das hessische Hauptquartier lag in Caaden 
nach der sächsischen Grenze zu. Am 24. Dezember 
kam der Befehl vom Kaiser Franz an den 
Kurfürsten, sein Korps auseinander gehen zu 
lassen, wobei es jedem, der dazu Lust hätte, frei 
stehe, österreichische Dienste zu nehmen. Diesem 
nach haben wir denn am 27. Dezember d. I. 
Pferde und Waffen abgegeben, und das Korps 
ist auseinander gegangen. Der Oberst 2 ) hielt in 
Caaden auf dem Markte eine Abschiedsrede Namens 
des Kurfürsten, und ich kann sagen, Offiziere und 
Soldaten weinten. Es war ein trauriges Nachspiel 
zu den Szenen des 1. November 1806. Ver 
muthlich hat Kaiser Napoleon darauf be 
standen, denn es wäre in der That bedenklich 
gewesen, ein knrhessisches Armeekorps an der 
bömisch-süchsischen Grenze in der Nähe Westphalens 
auf den Beinen zu lassen. Was uns Offiziere 
anbetrifft, so erhalten wir einstweilen Traktamente 
beigelegt, obwohl er reformirt war. Die Zuerkennung 
des Prädikats „von" mag mit den österreichischen Militär 
gewohnheiten zusammenhängen, da, wie Dithmar seinem 
Bruder Fritz (67) am 4. April 1812 von Chrndim schreibt, 
es bei dem österreichischen Militär gebräuchlich sei, 
jedem Offizier das Prädikat „von" zu ertheilen. Da sein 
Kurfürst ihn in dem oben wiedergegebenen Patent „geadelt" 
habe, so halte v. Dithmar, abgesehen von der österreichischen 
Gewohnheit, als ehemaliger Offizier für seine Schuldigkeit, 
„den Adel beizubehalten." 
*) Nach der Stamm- und Rangliste Oberst v. Müller, 
später kurhessischer General. 
und Rationen, bis wir bei der österreichischen 
Armee angestellt sind, welches Kaiser Franz 
dem Kurfürsten zugesichert hat. Jetzt liege ich 
nun als reduzirter Husarenleutnant hier im Dorfe 
Atschau bei Caaden mit dem Oberleutnant Ludwig, 
den Sie gewiß von Homberg her noch kennen, 
der mit mir bei der Baumbach'schen Eskadron 
gestanden hat, und dem Herrn Moritz v. Schenk, 
der als Oberleutnant beim Jägerkorps stand. 
Baumbach liegt in Caaden. Ich habe nun 
zwar ein gutes Traktament, Bedienten und Pferde, 
indessen was hilft das alles gegen das schmerzliche 
Gefühl der nothwendigen Trennung vom Vaterland, 
Verwandten, Freunden und Bekannten und allem, 
was dem Menschen theuer und werth ist. Sie 
können mir es glauben, mein lieber Onkel, und 
Sie zumal, der Sie auch der Freiheit entbehrten, 
werden es auch aus eigener Erfahrung wissen, 
daß nichts drückender und schmerzhafter ist, als 
die ausgedrungene Entfernung vom Vaterland. 
Gesetzt, wir werden nun auch in der österreichischen 
Armee angestellt, so werden wir doch von einander 
getrennt, einer kommt bei ein Regiment nach 
Ungarn, einer nach Mähren, Oesterreich, Böhmen 
oder an die italienische Grenze. Wie traurig 
nun für jeden, der nun isolirt unter fremden 
und unter einem unbekannten Ofstzierkvrps dienen, 
erst die Landessprache lernen muß und vielleicht 
auf alle mögliche Weise chikanirt wird. Alles 
dies macht uns alle sehr niedergeschlagen. Nur 
die Hoffnung, daß es künftiges Frühjahr gewiß 
wieder Krieg, sei es auch nur mit den Türken, 
gibt, beseelt llns noch und hält uns aufrecht. Im 
Kriege ist ein ganz anderes Leben, und wer weiß, 
ob sich nicht noch viel günstigere Allssichten er 
öffnen. Ludwig und Baumbach haben um 
Pardon bei der westphälischen Regierung und um 
die Erlaubniß nachgesucht, nach Hause zurückkehren 
zu dürfen. Sie sehen vertrauensvoll einer Antwort 
entgegen. Ich werde es noch eine Zeit lang 
absehen und vor der Hand österreichische Dienste 
nehmen; gibts keinen Krieg und ich erhalte mein 
Vermögen zurück ft und es wird mir versichert, 
daß ich in der nämlichen Charge bei der west 
phälischen Kavallerie angestellt werde, so bitte ich 
gleichfalls um Pardon; denn ein vernünftiger 
Mann dient heutzutage keinem deutschen Fürsten, 
sie sind alle H ft Und darf ich 
einstens wieder nach Hause kommen, dann kann 
der König von Westphalen bei Gott darauf rechnen, 
ft Dithmar war mit Vermögenseinziehung bestraft. 
Vgl. Klein schm idt, S. 252, wo er irrthümlich Dittmar 
genannt wird. 
ft An dieser Stelle sind in der Handschrift selbst sieben 
Punkte hinter dem H.
        

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