Full text: Hessenland (8.1894)

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Hofmeister und einen Lehrer. Sämmtliche Söhne 
wohnten mit ihm und dem ganzen Hofstaate in 
einem Schlosse zu Kassel. Die beiden ältesten, 
Wilhelm und Ludwig sandte Philipp zur Ver 
vollkommnung ihrer Erziehung an den Herzog 
Christoph von Württemberg, allwo sich Wilhelm, 
der spätere Landgraf, mit Sabine, der dritten 
Tochter des Herzogs verlobte; die Vermählung 
fand zu Marburg statt. Die fünf Töchter 
wurden an angesehene Reichsfürsten verheirathet; 
die älteste, Agnes, vermählte sich nach dem Tode 
ihres ersten Gemahl's, des Kurfürsten Moritz, mit 
dem Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen; Anna 
war mit dem Pfalzgrasen Wolfgang; Barbara 
mit Georg von Mümpelgard; Elisabeth mit 
dem Kurfürsten Ludwig VI. vermählt. Christina, 
die jüngste Tochter, war zuerst verlobt mit 
Erich XIV., König von Schweden. Nachdem 
diese Verlobung wegen der Unbeständigkeit und 
Falschheit des Königs vom Landgrafen auf 
gehoben war, verheirathete er seine Tochter dem 
Herzoge Adolf von Holstein. In Nebenehe ver 
mählte sich Landgraf Philipp im Jahre 1540 
mit Margaretha von der Saal. Durch eine der 
Landgräfin Christina am 11. Dezember 1539 
ausgestellte Versicherung, „sie stets für seine erste 
und oberste Gemahlin zu halten und mit ihr 
als solcher leben zu wollen, ihr Witthum nach 
der mit ihrem Vater getroffenen Uebereinknnft 
zu vollziehen, ihre männlichen Kinder die rechten 
Fürsten zu Hessen sein und bleiben zu lassen 
und die Kinder der anderen Frau nur mit 
einigen Erbgütern, daß sie Grafen oder Bannherrn 
sein möchten, zu versehen", erlangte er die schrift 
liche Einwilligung und das Versprechen, weder 
ihn deshalb vor Kaiser, König, Fürsten, Herren, 
Freunden, oder der Landschaft öffentlich oder 
heimlich zu verklagen, noch die Person, welche er 
wählen werde, zu beschweren oder zu belästigen. 
Aus dieser Ehe stammten sieben Söhne und eine 
Tochter, die den Grafenstand und einige von 
seinem Vater erworbene südhessische Grenzämter 
von Philipp erhielten. Die ältesten Söhne 
begaben sich in auswärtige Kriegsdienste, zwei 
jüngere wurden auf die Schule Johann Sturm's 
nach Straßbmg gesandt, um hier Sitten, Sprachen 
und Künste zu lernen. 
Am 6. April 1562, fünf Jahre vor seinem 
Tode, ließ Landgraf Philipp seinen letzten Willen 
niederschreiben. Körperlich leidend, Folgen seines 
langen Gefängnisses, nahm er noch am Grün 
donnerstag 1567 mit seinen Söhnen und seiner 
Schwiegertochter Sabina das Abendmahl im 
Schlosse zu Kassel, am Charfreitag vertheilte er 
seine Kleinodien, Kleider und Waffen unter 
seine Kinder und legte sich Ostersonntag nieder. 
Am folgenden Tage Abends zwischen 4 und 5 Uhr, 
in Gegenwart seiner Söhne und vornehmsten 
Räthe, verschied Landgraf Philipp sanft mit 
dem Ausrufe: „Vater in Deine Hände befehl ich 
meinen Geist." Gemäß seines Wunsches fand 
eine einfache Beerdigung in der St. Martinskirche 
zu Kassel statt, allwo ihm von seinem Sohne, 
dem Landgrafen Wilhelm dem Weisen, ein 
Denkmal aus Marmor errichtet wurde. 
„Am letzten Tag im Merz Monat, 
Des Abends nach vier Uhren spat, 
Alß er hat 63 Jahr, 
Und länger Lebens würdig war, 
Zu Kassel war sein Leib bestatt. 
Gar manch' Mensch dies betrauret hat. 
Und das zwar nicht ohn' gros Ursach, 
Im Land ein großer Riß geschach, 
Ein treuen Vatter hats verlohren. 
(Fortsetzung folgt.) 
Geschichte der Familie Vithmar. 
Ein Beitrag zur hessischen Familiengeschichte von Otto Gerland. 
(Schluß.) 
nmittelst erhielt Dithmar in der Kanton- 
nirung zu Radschitz im Saatzer Kreise 
am 28. Oktober folgendes Patent zuin 
Leutnant: 
„Von Gottes Gnaden Wilhelm I. 
Kurfürst Landgraf zu Hessen, Fürst 
zu Hersfeld, Hanau und Fritzlar, 
Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, 
Ziegenhain, Nidda und Schaum- 
burg rc. rc. rc. 
Nachdem Wir den im Husaren-Regiment 
gestandenen Cornet v. Dithmar x ) nunmehr 
’) In der auf der stitndtschen Landesbibliothek zu Kassel 
befindlichen Original-Stamm- und Rangliste des kur 
hessischen Truppenkorps (Ms. hass. 4 0 181) wird Dithmar 
irrigerweise der Vornamen Karl und die katholische Religion
	        

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