Full text: Hessenland (8.1894)

vielleicht eine Saite im Innern erklingen, wenn 
er die .Laute seines, hessischen Heimathsstädtchens 
— sei es auch nur aus dem Munde eines biederen 
Handwerkers — vernimmt. Unsere Landsleute 
sollten daher überall da, wo sie in erheblicher 
Zahl beieinanderwohnen, sich zusammenthun und 
„Hessenvereine" gründen. Als das natürliche mid 
berufene Organ dieser Vereine wäre das „Hessen 
land" zu betrachten, das wie kein anderes Blatt 
geeignet ist, den in der Fremde lebenden Hessen 
mit dem Boden zu verknüpfen, wo seine Wiege stand. 
Wir hoffen, daß diese Anregung nicht auf ganz 
unfruchtbaren Boden fällt und es würde uns 
freuen, wenn andere Landsleute insbesondere im 
Auslande lebende — ihre Meinung dazu sagen wollten. 
Ein treuer Kurhesse. 
Aus Heimat!) und Fremde. 
Der Hanauer Bezirksverein für hessische 
Geschichte und Landeskunde hielt am Montag, 
den 1. Mai Abends seine Jahresversammlung 
ab, die einem Berichte des „Kass. Tagbl." zufolge 
ziemlich zahlreich besucht war. Aus dem durch den 
Sekretär des Vereins, Herrn vr. meck. Eisenach, 
erstatteten Jahresbericht ist hervorzuheben, daß die 
Bemühungen des Vereins, größere zweckentsprechende 
Räume für sein beachtenswerthes Museum in dem 
vormaligen hiesigen Regierungsgebüude zu erhalten. 
Dank dem bereitwilligen Entgegenkommen der 
Königlichen Staatsbehörden zu einem befriedigenden 
Abschluß geführt haben. Ferner ist es dem Vor 
stande gelungen, daß die bei der Ausbaggerung 
der Römerbrücke über den Main zu Tage geför 
derten römischen Alterthümer in dankenswerther 
Weise dem Museum des Vereins überwiesen worden 
sind, wodurch dasselbe eine werthvolle Bereicherung 
erfahren hat. Die Thätigkeit des Vereins wurde 
im verflossenen Jahre schon vielfach durch Vor 
bereitungen für das im Juli oder August d. I. 
stattfindende Jubiläumsfest seines 50jährigen Be 
stehens, mit welchem gleichzeitig die Jahres 
versammlung des hessischen Geschichtsvereins ver 
bunden wird, in Anspruch genommen. In Folge 
dessen wurden nur in vier Monatsversammlnngen 
Vorträge gehalten: Herr Landgerichtsprästdent 
Koppen reserirte über die „Schlacht bei Hanau 1813", 
Herr Stadtbaumeister Leers erörterte vom technischen 
Gesichtspunkte ans die „Römerbrücke über den 
Main" und Herr Akademielehrer Zimmermann 
berichtete in zwei Versammlungen über die „Juden 
in Hanau", vorzugsweise in kulturhistorischer Be 
leuchtung. Als Festschrift für die Jubiläumsfeier- 
soll eine illustrirte Geschichte der Grafen Hanaus 
erscheinen, zu deren Herstellung vom Staat und 
von der Stadt Hanau je 500 Mark verwilligt 
worden sind. Als erfreuliche Thatsache erwähnt 
der Jahresbericht noch den ansehnlichen Zuwachs 
von 40 Mitgliedern, dem eine Abnahme von 
14 Mitgliedern gegenübersteht. Der alte Vorstand 
wurde durch Zuruf belassen und auf Wunsch 
desselben als siebentes Mitglied Herr Pfarrer Neßler 
gleichfalls durch Zuruf neugewählt. Hierauf hielt 
Herr Professor Dr. Wolfs aus Frankfurt a. M., 
Mitglied der Limesforschungskommission, einen 
1 '/2 stündigen Vortrag über die Ergebnisse der 
unter seiner Leitung ausgeführten letzten römischen 
Forschungen bei Hanau und über die Fundstücke 
bei der Römerbrücke. Die Forschungen erstreckten 
sich aus mehrere Kastelle in der Umgegend, wie 
Groß-Krotzenbnrg, Marköbel u. a., wo verschiedene 
bisher noch zweifelhafte Punkte klargestellt und 
gemäß höheren Orts gewordenen Auftrags auch 
die Anlegung römischer Straßen besonders in 
Betracht gezogen wurde. Sie führten ferner zur 
Aufdeckung eines bisher noch unbekannten Kastells 
bei Lagendiebach, wie auch die noch zweifelhafte 
Richtung des Psahlgrabens von dort nach Marköbel 
sicher festgestellt wurde. Die Fundstücke bei der 
Römerbrücke bestehen aus vielen eisernen Werkzeugen, 
Münzen ans der Zeit von Kaiser Vespasian bis 
Septimius Severus, Schmuckgegenständen u. dgl., die 
sämmtlich sehr gut erhalten sind. Die Versammlung 
zollte dem Redner lebhaften Beifall. 
Am 29. April beging zu Hanau der kürzlich 
durch Verleihung des Professortitels ausgezeichnete 
Herr Simon Etienne Jassoy die Feier seiner 25jährigen 
Wirksamkeit als Lehrer an der Hanauer Königlichen 
Zeichenakademie. Die Anstalt verbano hiermit 
Nachmittags 3 Uhr eine Schulfeier, zu der eine 
große Anzahl jetziger und ehemaliger Schüler und 
Schülerinnen, sowie viele Freunde des Jubilars 
den geräumigen Saal der Akademie gefüllt hatten. 
Aus Kassel war der Herr Regierungspräsident 
Gras d' Haussonville anwesend. (K. Tgbl.) 
'Einem langen und schweren Leiden erlag am 
6. Mai im Alter von 59 Jahren Herr Apotheken-, 
besitzer Theodor Seitz in Kassel, eine bekannte 
und beliebte Persönlichkeit. Der Verstorbene über 
nahm, nachdem er 16 Jahre hindurch eine Apotheke 
in Treffurt in Thüringen innegehabt hatte, im 
Jahre 1882 die früher im Besitz des Herrn 
Apotheker Kalkhoff befindliche, damals unter dem 
Namen „Hygiaea" bekannte, jetzige Adler-Apotheke 
an der Fuldabrücke. Seitz hat sich um die Armen 
pflege Kassels vielfach verdient gemacht, auch gehörte 
er seit langen Jahren dem Vorstand der in der 
Weserstraße gelegenen Kleinkinder - Bewahranstalt 
an. Er war ferner langjähriger Bezirksvorsteher des 
Kreises Fulda-Werra des deutschen Apotheker-Vereins.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.