Full text: Hessenland (8.1894)

hast Du für mich gethan! Giebt es beim wvhl 
noch einen Menschen in der Welt, der so getreu 
ist wie Du!" Sie legte ihm beruhigend die Hand 
auf die Schulter. 
„Es war ja nur meine Schuldigkeit, daß ich 
wieder kam und Zeugniß für Dich ablegte, Du 
Armer, Guter. Und nun sei zufrieden; wem 
Gott so gnädig ist, wie er Dir und mir war, 
dem hilft er auch weiter aus der Noth." Aber 
es dauerte lange, bis Julian sich zufrieden gab. 
Endlich stand er auf, faßte Engelburgs beide 
Hände und sagte entschlossen: „Du hast Recht, 
Gott ist uns sehr gnädig gewesen. Und darum 
will ich nun auch nicht mehr an seiner Hülfe 
verzweifeln. Von heute an gehörst Du mir, und 
ich will den sehen, der uns noch einmal trennt." 
Es trennte sie niemand mehr. Der Mauer 
hofer wollte zwar anfangs nichts davon wissen, 
daß seine Schwester und der Herrenmüller nun 
doch noch ein Paar werden sollten, aber einige 
Ereignisse der nächsten Folgezeit stimmten ihn 
um. Wenige Tage nach Julians Freilassung 
wurde der wahre Mörder des Markus entdeckt 
und verhaftet. In der Person eines übel 
beleumundeten Tagelöhners der Nachbarschaft, aus 
den sich der Verdacht schon früher gelenkt haben 
würde, wenn nicht Julian so sehr belastet er 
schienen wäre. Nun hatte eine unvermuthete 
Haussuchung bei ihm nicht allein einen bedeutenden 
Geldbetrag, sondern auch die Brieftasche zu Tage 
gefördert, welche Markus auf seinen Wanderungen 
bei sich zu tragen pflegte, und der Verbrecher 
hatte, bestürzt und in die Enge getrieben, ein 
umfassendes Geständniß abgelegt. Und wenn dieses 
auch Julian nun nichts mehr nützte, das kam 
4^.- 
Mngstkn 1894. 
Pfingsten, du das Fest der Freude 
Leuchtest uns in lichtem Grün 
Hochwillkommen Allen heute, 
Die sich ausruh'n von den Müh'n, 
Die sich sehnen nach dem Glücke, 
Das auf ew'gem Grunde steht, 
Die nicht schauen träg zurücke, 
Deren Streben vorwärts geht. 
Die da wandeln aus dem Pfade, 
Der allein das Herz beglückt, 
Wissen sich in Gottes Gnade, 
Die sie schwerem Leid entrückt. 
ihm doch sehr zu Statten, daß der Mörder aus 
Furcht vor Entdeckung alle Schriftstücke ver 
nichtet hatte, die in der Brieftasche gewesen waren. 
Denn zu diesen Schriftstücken gehörten auch die 
Schuldscheine des alten Herrenmüllers, und die 
Erben des Markus, denen nicht unbekannt geblieben 
war, daß es Markus mit der Wahrheit in Handel 
und Wandel nicht immer genau genommen hatte, 
erwiesen sich geneigt zu einer billigen Verein 
barung, die ihnen Julian vorschlug. 
In derselben Woche, in welcher sein kirchliches 
Aufgebot mit Eugelburg erfolgte, verkaufte er 
ihnen die Herrenmühle, und es blieb ihm nach 
Tilgung aller seiner Schulden von der Kauf 
summe noch so viel übrig, daß er „drüben," wie 
man im Dorfe sagte, etwas anfangen konnte. — 
Nun sind Julian und Engelburg längst ver- 
heirathet, und von ihrem Leben im fernen Westen 
giebt die beste Kunde ein Brief Engelburgs an 
ihre alte Base. 
„Es geht uns gottlob gut hier," heißt es 
darin. „Der Julian hat viel zu thun und schöne 
Einnahme, und die Leute in der Umgegend halten 
Alle große Stücke auf ihn, weil er so rechtlich 
ist und so gern hilft. Er ist auch immer gutes 
Muthes, nur manchmal im Schlaf spricht er 
ängstliche Worte von seinem Vater, seiner ersten 
Frau und dem Markus. Wenn dann aber 
unser kleiner Traugott zu schreien beginnt, 
wacht er auf, giebt mir die Hand und sagt: 
„Ich hörte einmal wieder die Räder der schwarzen 
Mühle klappern. Nun stehen sie still, und ich 
sehe dafür, was ich jetzt für ein Glück habe. 
Dem Herrn sei Dank, daß er Dich mir gab und 
unsern lieben Trangott." 
Ja du bist das Fest des Geistes, 
Der herab vom Himmel fließt, 
Fest des guten Trösters heißt es, 
Drauß' uns neue Kraft ergießt. 
Pfingsten, du giebst reichen Segen, 
Machst, was kranket hier, gesund, 
Daß sich froh die Sinne regen, 
Daß lobfinget jeder Mund. 
Du versöhnest, die sich trennten, 
Die entzweite Haß und Neid, 
Lässest zwischen Brüdern enden, 
Zwiespalt und erhobenen Streit.
        

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