Full text: Hessenland (8.1894)

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facher, aber würdiger Weise stattfand, betheiligten 
sich Leidtragende aller Stände und Konfessionen. 
In bcm Leichenzuge bemerkte man den Bisthums 
verweser Prälat Dr. Komp, Domkapitular Dr. Braun, 
Landrath Fliedner, Gymnasialdirektor Dr. Göbel, 
Amtsgerichtsrath Mackeldey, Schriftsteller Emil Box 
berger u. A. Das „Hessenland" ließ durch Freundes 
hand einen Kranz ans dem Sarge seines Begründers 
niederlegen. Auf der Ostseite des neuen städtischen 
Friedhofes hat F. Zwenger seine letzte Ruhestätte 
gesunden. 
Hessische Bücherschau. 
Paul Harms, Die deutschen Fortunatus-Dramen 
und ein Kasseler Dichter des 17. Jahrhunderts. 
Hamburg und Leipzig, Verlag von Leopold 
Boß. 2,40 Mk. 
Tie Landesbibliothek in Kassel bewahrt unter 
ihren Schätzen zwei handschriftliche Dramen, von 
denen das eine die aus den Volksbüchern bekannte 
Geschichte von Fortunatus und seinen Söhnen 
enthält, während das andere eine größere Episode 
ans Ariost's Rasendem Roland behandelt. Harms 
hat beide Dramen eingehend untersucht unb ist zu 
dem Ergebniß gekommen, daß sie von dem gräm 
lichen Verfasser herrühren, daß ferner die Kasseler 
Handschrift das Originalmanuskript ist. Der Dichter 
verschweigt zwar seinen Namen, doch ist es Harms' 
scharfsinniger Untersuchung gelungen, durch sorg 
fältige Berücksichtigung aller in Betracht kommenden 
Momente festzustellen, daß der Autor nahe Be- 
ziehungen zum Landgrafen Moritz und zu den im 
Dienste desselben stehenden englischen Komödianten 
gehabt hat. Weiterhin macht der Verfasser^wahr- 
scheinlich, daß die Entstehungszeit der genannten 
Dramen in das Jahrzehnt von 1610 — 1620 fällt. 
Den Dichter charakterisirt Harms als einen ver 
ständigen Mann, der seinem Stoffe nicht nur ein 
gutes Maß natürlicher Beanlagung entgegenbrachte, 
sondern sich auch nach englischen Mustern zu bilden 
verstand und dessen Arbeiten die übrigen drama 
tischen Produkte weit übertreffen, die während der 
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in der Um 
gebung des Kasseler und des Marburger Hofes 
entstanden sind. Wer sich mit der Geschichte der 
hessischen Litteratur beschäftigt, wird die gründlichen 
Untersuchungen von Harms nicht übersehen dürfen. P. 
Entgegnung. ) 
In Nummer 6 des „Hessenlandes" bringt Hermann 
v. Pfister ein Eingesandt, welches wohl dem in meinem 
Verlage in zweiter Auflage erschienenen Buche „Hehler 
Sagenkranz aus Hessen-Nassau rc.", gelten soll. 
- Ich bemerke dazu, daß nach § 7 des Preßgesetzes als 
Nachdruck nicht anzusehen ist: 
„Das wörtliche Anführen einzelner Stellen oder- 
kleinerer Theile eines bereits veröffentlichten Werkes 
oder die Aufnahme bereits veröffentlichter Schriften 
von geringerem Umfang in ein größeres Ganzes, 
sobald dieses nach seinem Hauptinhalt ein selbst 
ständiges wissenschaftliches Werk ist, sowie in Samm 
lungen, welche aus Werken mehrerer Schriftsteller 
zum Kirchen-, Schul- und Unterrichtsgebrauch oder 
zu einem eigenthümlichen literarischen Zwecke ver 
anstaltet werden. Vorausgesetzt ist jedoch, daß der 
Urheber oder die benutzte Quelle angegeben ist." 
Ich begreife nicht, daß Herrn v. Pfister, welcher 
doch schon verschiedene Schriften herausgegeben hat, das 
Preßgesetz so wenig bekannt ist. Jedenfalls war es wohl 
richtiger, ehe man ganz unbegründete Angriffe ausübt, 
sich über die Berechtigung zu erkundigen. 
Sämmtliche Gedichtsammlungen, wie z. B. Scherer, 
Deutscher Dichterwald, Zettel, Edelweiß, Polko, 
Dichtergrüße rc. enthalten Proben noch lebender Dichter. 
Mit ganz demselben Recht ist es mir gestattet, 
in einer Sammlung von Sagen einzelne Proben wieder 
zugeben. 
Herrn v. Pfister kann ich auf Wunsch auch einige 
Schriftstücke vorlegen, in welchen sich Autoren bedanken, 
daß einige Artikel in der Sammlung Aufnahme gefunden 
haben. 
Kassel, den 28. März 1894. 
G u st a v K l a u n i g, Hof-Buchhändler. 
*) Anmerkung der Redaktion. Nachdem sowohl Herr 
v. Pfister als Herr Klaunig zu Worte gekommen sind, 
mag für das „Hessenland" die Frage abgeschlossen sein. 
Briefkasten. 
II. Z., Kassel; J. J., Berlin. Wir bitten wiederholt, 
alle für das „Hessenland" bestimmten Manuskripte an 
die Buchdruckerei von Friedr. Scheel, Kassel, zu senden. 
0. G., Hildesheim. Der Aufsatz über F. W. Br. wird 
in Kürze erscheinen. Freundlichen Dank. 
W. Sp., Cottbus. Sobald das betreffende Manuskript 
in unsern Besitz gelangt sein wird, wird es Ihnen über 
mittelt werden. Auch Ihnen besten Dank. 
V. Tr., Rauschenberg. Die Sendung sehr willkommen, 
wie Sie sehen. Wir hoffen, daß die Humoreske sich noch 
vorfinden wird. 
H. F., Witzenhausen; F. v. H., Berlin; Frau K.-J., 
München; M. M., Kassel. Wir behalten uns ausführ 
lichere Beantwortung vor und bitten Sie, dem „Hessenland" 
Ihre wohlwollende Unterstützung angedeihen zu lassen. 
J. W., Leipzig. Für Nr. 8 leider nicht mehr zu ver 
wenden, deshalb erst heute gebracht. Für derartige Berichte 
haben übrigens stets Platz. 
M., Straßburg. In Beantwortung Ihrer freundlichen 
Anfrage bitten wir Sie, uns mittheilen zu wollen, welchen 
Umfang die betreffende Arbeit haben wird. 
G. F., Kassel. Es ist uns noch nicht möglich gewesen, 
zu ermitteln, wo der Aufsatz sich befindet. Wir ersuchen 
Sie um Geduld. 
G. K., Gelsenkirchen. Es wird uns freuen, wenn Sie 
unserer Zeitschrift Ihr Interesse zuwenden wollen. 
Dr. J. P., Kassel; C. W., Kassel; J. S., Frankfurt a. M. 
Freundlichen Dank und Bitte um Weiteres. 
Herausgeber: Ferd. Zwenger's Erben. Stellvertr. verantwortlicher Redakteur: Pr. D. Saul in Stuttgart. 
Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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