Full text: Hessenland (8.1894)

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was alles mich dieser schwarze Teufel gebracht 
hat. Er hat meinen Vater belogen und zum 
Lügner gemacht, er hat Joseph« gequält und ver 
hetzt, er will mich selber um mein letztes Bißchen 
Gut und Ehre betrügen, ich müßte kein Mensch 
sein, wenn ich nicht Lust hätte, 'das zu vergelten." 
Sie sah ihn traurig au. „Julian, ich bin nur 
ein dummes Mädchen und kann Dir weder rathen 
noch helfen, eins aber kann und will ich thun, 
bis wir auseinander gehen müssen: ich bitte Dich 
um Jesu willen, bleib' gut, thu' dem Markus 
nichts zu leide." Ihre Stimme klang erstickt von 
innerer Bewegung, trotzdem erschütterte sie das 
Herz des Mannes mehr als die gewaltigste Predigt. 
Er ergriff die hartgearbeitete Hand des Mädchens. 
„Weil Du's bist. Ich schwör' Dir bei den 
heiligen fünf Wunden, dem Markus soll von 
mir nichts widerfahren, als was ich vor Dir 
verantworten kann." 
Sie hielt seine Rechte so fest, als wolle sie nie 
mehr loslassen. „Ich danke Dir, Julian," sagte 
sie dabei, „die Fahrt über's Meer wird mir nun 
leichter werden." Dann stand sie auf und zündete 
das kleine Lämpchen der Base an. In seinem 
Schein saßen sie noch lauge zusammen und sprachen 
von Vergangenem und Künftigem. An die 
Gegenwart wurden sie erst wieder erinnert, als 
Im Tjaldr. 
Es zieht mich in den Wald hinein, 
Deni grünen Wald, wo ich allein 
Die Vogel kann belauschen. 
Hier fühlt die Seele freier sich; 
Mein Geist denkt nur allein an dich, — 
Sich wonnig zu berauschen. 
Und von der Höh' schau ich ins Thal, 
Ihr Wolken grüßet tausendmal 
Mein Lieb' in Thales Grunde! 
Dort wo die Mühle einsam liegt, 
Da wohnt sie, die mein Herz besiegt. 
Es giebt mir davon Kunde. 
Blau Blümchen an dem Wiesenbach 
Zieht eilends doch dem Wasser nach 
Bis zu dem Mühlengraben! 
Dort findet Ihr das holde Kind, 
Könnt seh'n wie wir uns treu gesinnt, 
Wie wir so lieb uns haben. 
<5art Wever. 
die alte Verwandte erwachte und erstaunt war, 
einen Gast in ihrem Zimmer zu sehen. Aber 
ihre Fragen störten die beiden nicht lange. 
Warum sollte sie sich auch viel bekümmern um 
die Angelegenheiten des jungen Müllers, der, 
soviel wußte sie vom Mauerhofer, schuld daran 
war, daß die Engelburg eine alte Jungfer wurde. 
Erst als die Schwarzwälder Uhr neben ihrem 
Bett zwölf schlug, und auch von den Thürmen 
der Stadt der Schlag der Mitternachtsstunde in 
hohen und tiefen Tönen herübersummte, mischte 
sie sich wieder ein. „Engelburg, Du fährst morgen 
früh um sechs Uhr fort, mich dünkt, es wäre ge 
scheiter, der Julian ginge jetzt heim." Sie ge 
horchten ohne Widerrede, nur das ließ sich das 
Mädchen nicht nehmen, dem Gaste noch bis zur 
Hausthür das Geleit zu geben. Es wäre des 
Aufschließens wegen nicht nöthig gewesen, das 
Haus war ein Wirthshaus und deshalb die halbe 
Nacht offen, aber sie mußte ihm noch einmal 
unter Gottes freiem Himmel die Hand zum Ab 
schied geben. „Der heilige Schutzengel sei alle 
zeit mit Dir," sagte sie dabei und mühte sich 
stärker zu scheinen als sie war, „vielleicht, wenn 
Du Dich aus den Schulden herausgearbeitet hast, 
kommen wir doch noch einmal zusammen." 
(Fortsetzung folgt.» 
I 
-I— 
Herbstnoachk. 
Gedicht in Wetterauer Mundart von 
Jiriedrich von Trais. 
's gihr Z e kahler 2 ) Weand imm's Haus, 
's sühnt 3 ) e so, 's Heult e so! 
Hen Z fregkt 5 ) eamm Bett „wer eaß dann daus 6 ) ?" 
„Kahn Mensch — hääßt's do — kahn Sihl eaß do." 
Ui fihrt die Loft! Ds Eckbahnd hält, 
Goitt Lob, ds Häusi eaß Vv Stahn. 
Eaß daun ds Euu "j schuhnd vv dr Welt 
Eann Gihring ch heint ch, kammer") gesahn? 
Goitt Lob, dr Wächter blest die zwa 
's eaß doach noach Leawe. Näit gefoacht lä )! 
Woas leir ia ) aach drohn, 's eaß ahnerla 14 ). 
Merr 15 ) esst se haaß näit wüi's gekoacht. 
's gihr aach emol eamm Haus so her. 
Off Storm kimmt Sonneschein eann Rahn le ). 
Ds Menscheherz, doas vftmols schwer, 
Wärt 17 ) wirrer leicht — kammer gesahn. 
's gihr e kahler Weand imm's Haus, 
's greint e so, 's geit e so. 
Doas eaß die Wearrerfohne daus, 
Ds Hobdoahr 19 ) eaß, doas eaß kahn Froh 29 ).
        

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