Full text: Hessenland (8.1894)

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schuftigen, so stehen sie überhaupt genommen in 
ihrem rauhen Lande besser als die Würzburgischen 
Bauern in ihren paradiesischen Gegenden." 
Wie Weikard, der öfter genannte Leibarzt des 
Fürsten Heinrich, die Gegend von Fulda Preist, 
habe ich in meinen: Buche über Fulda angeführt. 
Er war in Römershag, dem damals noch 
Fuldaischen Dorfe bei Brückenau in der Rhön 
geboren und verkannte auch die Schönheiten des 
Gebirges nicht. Er schreibt von seinem Geburtsort 
(Denkwürdigkeiten aus der Lebensgeschichte des 
Kaiserlich Russischen Etatsraths Weikard, S. 27): 
„Römershag liegt in einer rauhen Gegend in 
einem schmale!: Thale zwischen großen Bergen 
und schönen Waldungen, worunter sich eine 
Buchenwaldung vorzüglich auszeichnet. Gegen 
Osten grenzt es an Würzburgische Dörfer und die 
von Naturforschern und Landschaftsmalern ver 
kannten und vernachlässigten interessanten und 
schöne::, vielleicht den Schweizerbergen noch vor 
zuziehenden Rhönberge." 
Nun noch eine Stimme über das Fuldaer Land 
volk: Heinrich Koenig, wohl der bedeutendste 
belletristische Schriftsteller, der in Fulda geboren 
ist, sagt in seinem merkwürdigen Buche: „Auch 
eine Jugend" von demselben: „Der Menschenschlag, 
der diesen Boden anbaut, ist derb, kräftig und 
breitstämmig; das gefurchte Antlitz spiegelt de:: 
tief gepflügten Boden ab. Die weibliche Tracht 
ist den unschönen Gestalten sehr unvorteilhaft. 
Der vielfältige Rock, der die bunten Zwickel 
strümpfe sehen läßt, wird hoch unter de:: Armen 
gebunden und überhängt den Hüstenbau, das 
kattunene Leibchen spannt über der Brust, und 
der Kopf wird mit einem in drei Zipfel gelegten, 
bunt und hell gewürfelten Tuche Überbunden. 
Die nüchterne Fröhlichkeit des Fuldensers läßt 
sich gern in trockene Spaßhaftigkeit aus, in eine 
Laune, der es nicht an bildlicher Fantasie fehlt 
und die durch gutmüthige Unbeholfenheit des 
Ausdrucks in das Drollige fällt." Hierdurch 
komme ich noch auf den Fuldischen Dialekt, der 
so arg verkannt und geschmäht worden ist und 
von der feineren Gesellschaft für gemein gehalten 
wird. Allerdings war die Sprache der städtischer: 
Fuldaer Proletarier damals wie jetzt gemein, 
weil sie das Schriftdeutsche und den eigentlichen 
Dialekt untermischen. Ein ursprünglicher Dialekt 
aber ist nie gemein. Die eigenthümlich breiten, 
den: Englischen ähnlichen Mischlaute setzen aller 
dings jeden Fremden in Erstaunen. Unsere 
heutige Schriftsprache ist ja auch aus dem nieder- 
sächsischen Dialekt entstanden; wenn Luther ein 
Fuldaer Mönch gewesen wäre, hätten wir durch 
seine Bibelübersetzung vielleicht unseren Dialekt 
als Schriftsprache bekommen, und wenn wir hier 
einen Reuter gehabt hätten, so würden dessen 
Dichtungen und Erzählungen in Fuldaer statt 
in plattdeutscher Mundart vielleicht ebenso wirksam 
geworden sein. Wir haben nun leider wenig 
Dichtungen in Fuldaer Mundart, aber eine ist 
doch so vortrefflich, daß ich mir nicht versagen 
kann, dieselbe aus den: Staube zu ziehen, da sie 
jetzt nur noch wenigen bekannt ist. Das Gedicht 
rührt von dem Präfekturrath Welle her und ist 
die Erzählung einer Bauersfrau, welche gerade 
in unserem Jahre 1793 einen feierlichen Aufzug 
der Universität gesehen hat, die philosophische 
Doktor-Promotion einer Anzahl vol: Studenten. 
Dieselben waren nach der damaligen Sitte mit 
einem Barette und einem großen seidenen, mit 
Pelz verbrämten Kragen, dem Doktormantel 
bekleidet und zogen mit den Professoren unter 
militärischen: Gefolge mit Pankenwirbel und 
Musik von der Propste: Michaelsberg, der 
Wohnung des Universitätskanzlers, in deren heute 
noch in der alten Gestalt mit reichen: Bilderschmuck 
erhaltenem Saale die Promotionen stattfanden, nach 
der Universität, dem jetzigen Gymnasium. 
Die Dichtung, welche die heimgekehrte Bauers 
frau in Fuldaer Mundart vorträgt, bringen wir 
in der nächsten Nummer. 
Zur Terterklärung des Volksliedes: „Drei Lilien, 
drei Lilien". 
"L. Von Dr. Äugn st Ro eschen. 
fsn seiner verdienstvollen Liedersammlung bringt 
j Johann LewalterinHestchNr. 2«; ff. *) 
das weitverbreitete Bvlkslied: 
y Deutsche Volkslieder. In Niederhessen gesammelt 
von Johann Lewalter. Hamburg, bei G. Fritzsche, 
1890 —1892. — Vgl. F. Seelig, Hessenland, 1890, 
S. 274 ff., und H. Brunner, ib. 1892, S. 131 ff. — 
„Drei Lilien, drei Lilien, die pflanzt' ich auf mein Grab 
Da kam ein stolzer Neitersmann und brach sie ab. 
Ach Neitersmann, ach Neitersmann, laß nur die Lili 
stehn, 
Die soll ja mein Feinsliebchen noch einmal sehn. 
Und st erb' ich noch heute, dann bin ich morgen tot, 
Dann begraben mich die Leute um's Morgenrot." -
        

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