Full text: Hessenland (8.1894)

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Orten vertheilte Nahrungskvmmerz dadurch gewinnt 
oder verliert, auch welches von beiden in Rücksicht 
auf Familien stattfinde, will ich nicht entscheiden. 
Manchen Klubs Oekonomie ist gut. Die Be 
satzung in Kassel, besonders der Offizier, verdirbt 
Kassels Sittlichkeit nicht, sehr viele wissen sich 
nützlich und angenehm zu beschästigeu. Der 
gemeine Soldat ist dienstwillig für jeden Ein 
wohner. Oeffentliche Religionsspötterei ist bei 
dem guten Exempel, das der Hof im äußeren 
Gottesdienste giebt, in Kassel nicht zu Hause. 
Einige vortreffliche Kanzelredner haben seit Jahr 
und Tag das außer den Gang gebracht, was 
man Gleichgiltigkeit in der Religion nennt. 
Liebhaberei am Lesen besteht in allen Ständen 
und bei beiden Geschlechtern, wie dies mehrere 
Lesegesellschaften beweisen. Vielleicht ist man in 
Kassel weniger empfindsam und süß und tändelnd, 
als in seiner Nachbarschaft. Man liest viel 
Französisch, doch immer mehr Deutsch. Die 
jungen Frauenzimmer lesen nur zwischendurch 
deutsche Romane. Sie lieben Moden und öffent 
liche Spaziergänge, wie überall in ähnlichen 
Städten. Die beträchtliche Anzahl musikalischer 
Liebhaber in Kassel hat bis jetzt ein öffentliches 
und schönes Konzert für sich und auch für den 
besuchenden Fremden unterhalten. In Hessen, 
selbst in ganzen Dörfern herrscht viel Talent für 
Musik. Liebhaberei für Zeichnen ist allgemein 
und bildet die Jugend sehr; daher mag es auch 
kommen, daß man es sich angelegen sein läßt, 
eine schöne Hand zu schreiben. Daß der Kasselaner 
gern in seinen Lustgefilden von mannigfaltiger 
Schönheit sich zu Pferde, im Wagen und zu 
Fuße bewegt, ist begreiflich. 
Geschichte der Familie Dithmar. 
Ein Beitrag zur hessischen Familiengeschichte von Otto Gerland. 
^Mll elche Bedeutung die Familiengeschichte, auch 
tf J die der bürgerlichen Familien erlangt hat, be 
st darf hier nicht der Auseinandersetzung. Giebt 
es doch mehrere Werke, welche sich nur mit darauf 
bezüglichen Veröffentlichungen beschäftigen. Ueber 
die Geschichte hessischerFamilien ist bislang 
wenig veröffentlicht; ich selbst habe in diesen 
Blättern (Hessenland 1893, Nr. 13—15) die 
Geschichte der Familie Ko pp zum Abdruck gebracht 
und gebe im Folgenden die der weit verzweigten 
Familie Dithmar, soweit diese bereits als zur 
Geschichte gehörig angesehen werden kann, d. h. 
bis ans drei Generationen nach der um die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts eingetretenen Theilung 
der Familie in zwei Linien. 
Möchten doch auch bald für andere Familien 
die Verfasser von Familiengeschichten sich finden! 
A. Quellen. 
Die Akten des Königlichen Staatsarchivs zu 
Marburg betr. der Beamtenstelle zu Wolshagen 1781. 
Die Kirchenbücher von Rotenburg a. F., Homberg 
in Niederhessen, Wolfhagen und Frankfurt an der 
Oder. 
Die in den Händen des Verfassers dieses Aufsatzes 
befindlichen Familienpapiere. 
Dankenswerthe Mittheilungen des Herrn Ober 
lehrers a. D. Pfarrer G. Th. Dithmar zu Marburg. 
Strieder: Grundlage zu einer hessischen 
Gelehrten-Geschichte, Bd. VII. S. 356 ff. 
Kleinschmidt: Geschichte des Königreichs West 
falen, Gotha 1893. 
Ledderhose: Kleine Schriften, Bd. I. S. 113. 
Hessen-Kassel'sche Staats- und Adreß-Kalender, 
Stamm- und Rangliste des kurhessischen Truppen 
korps von 1809. Man. Hass. der ständischen 
Landesbibliothek zu Kassel, 4" 181. 
B. Allgemeines über die Familie. 
Die Familie gehört dem hessischen Bürgerstand 
an, ein Wappen hat sie nie geführt. Urkundlich 
nachweisbar ist sie erst zur Zeit des dreißigjährigen 
Krieges in Rotenburg a. F., von da hat sie sich 
Anfangs des 18. Jahrhunderts über Hessen und 
über Hessen hinaus ausgebreitet. Sie selbst schreibt 
den Namen immer Dithmar, in den von dritter 
Hand herrührenden Urkunden wird der Name 
häufig auch Dittmar, Dietmar u. s. w. geschrieben, 
und es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß Familien 
mit dem in dieser Weist geschriebenen Namen 
niit der hier besprochenen Familie zusammen 
hängen, da die Nachkommenschaft einzelner Familien 
glieder unbekannt ist.
        

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