Full text: Hessenland (8.1894)

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iu der Nummer vom 30. Dezember 1875 darüber 
folgendermaßen aus: 
„Zum letzten Male erscheint am heutigen 
Tage der „Hessische Beobachter, Fuldaer Anzeiger" 
unter meiner Redaktion, mögen mir deßhalb 
zum Abschiede wenige Worte an die verehrten 
Leser vergönnt sein. Gründer des Blattes und 
Herausgeber desselben seit dem Jahre 1868 habe 
ich es oft erfahren müssen, daß das Leben eines 
Redakteurs nicht auf Rosen gebettet ist. Wider 
wärtigkeiten und Chikanen aller Art sind mir 
nicht erspart geblieben, aber ich habe nicht den 
Muth verloren. Nach meinen bescheidenen 
Kräften habe ich das Ziel verfolgt das ich mir 
gestellt. Ich bin mir bewußt, was redliches 
Streben und Opferwilligkeit betrifft, meine 
Schuldigkeit gethan zu habe», und der Trost ist 
mir geblieben, daß das von mir geleitete Blatt 
einen guten Klang sicherworben, daß es unter 
den ersten genannt wird, wenn von den selbst 
ständigen , freisinnigen politischen Zeitungen 
unseres. Hessenlandes die Rede ist. Konnte es 
da fehlen, daß dasselbe viel und gern gelesen 
wurde, daß dasselbe eine weite Verbreitung ge 
wann , daß es Freunde und Mitarbeiter fand, 
die ihm treu zur Seite standen? Ihnen vor 
allem sei mein tiefgefühlter Dank ausgesprochen. 
Aber auch Dank den andern, die mir, freilich 
auf ihre Weise, genützt! Dank allen jenen, die 
mir Gelegenheit gegeben, gründliche Kenntniß 
des Preßgesetzes zu erwerben, — Dank ferner 
den edlen Seelen, welche unter dem Deckmantel 
der Anonymität und geschützt durch die Dis 
kretion des Redakteurs diesen dem Odium über 
ließen, welches ihre Artikel erzeugt, — sie haben 
meine Menschenkenntniß bereichert, — Dank 
endlich denjenigen, die, nicht wählerisch in ihren 
Mitteln, dem Blatte ihre absonderlich fromme 
Fürsorge widmeten, — sie haben mich gelehrt, 
der christlichen Tugenden eingedenk zu sein. 
Auch diesen allen meinen Dank! — „Denn 
Brutus ist ein ehrenwertster Manu, das sind sie 
alle, alle ehrenwerth." — — 
Erst vier Jahre später, im Jahre 1880, nach 
dem der „Beobachter" mit Ablauf des Jahres 
1879 sein Erscheinen eingestellt hatte, trat 
Zwenger wiederum litterarisch iu die Oeffent- 
lichkeit. Er begründete damals die Zeitschrift 
„Buchonia", eine „Wochenschrift für Politik, 
Litteratur und vaterländische Geschichte", die eben 
falls bei Hammer gedruckt, zu dem außerordent 
lich geringen Preise von 1 Mark und 20 Pf. 
vierteljährlich ausgegeben wurde. In diesem 
Blatte, dessen Spalten seine Feder vorzugsweise 
ausfüllte und dessen Hauptlast aus seinen Schul 
tern ruhte, veröffentlichte er zahlreiche, iu ihrer 
volkstümlichen Form treffliche Aufsätze zur 
Geschichte namentlich der alten Fuldaer Diözese. 
Aber noch weniger als der „Beobachter" war 
die „Buchonia" geeignet, ihrem Begründer mehr 
als Beifall und Anerkennung zu bringen. 
Zwenger setzte bei dem neuen Unternehmen fast 
sein ganzes noch übriges Vermögen zu und sah 
sich bereits am 28. Juni 1882 genöthigt, das 
Erscheinen der Zeitschrift einzustellen. 
Nicht au Abonnenten, so sagt er in der Schluß 
nummer, habe es ihr gefehlt, wohl aber au den 
nöthigen Inseraten, um das Blatt über Wasser 
zu halten, — konnten doch die niedrigen Abon 
nementsgelder sicher kaum die Herstellungskosten 
decken! Seine Hoffnung, das Wiedererscheinen 
der „Buchonia" im Herbste „unter günstigeren 
Auspizien" zu ermöglichen, ging nicht in Er 
füllung, und so wandte Zwenger, an mancher 
Enttäuschung reicher, der Heimathsstadt den 
Rücken; mit dem 16. November 1882 übernahm 
er die Leitung der 1880 von Berlit begründeten 
freisinnigen „Kasseler Zeitung", die er bis zum 
22. Februar 1887 beibehielt. 
Aber noch ehe Zwenger die im Dienste der 
politischen Tagespresse bis dahin rühmlich geführte 
Feder endgiltig aus der Hand legte, faßte er 
einen Plan, dessen spätere Ausführung ihm einen 
dauernden Ehrenplatz in unserer hessischen 
Historiographie sichert. Es war im Spätherbst 
des Jahres 1886, als im Kaffee Derzeit zu 
Kassel eines Abends aus Einladung Zwengers 
und des damals gerade anwesenden vr. Daniel 
Saul, unseres trefflichen, den Lesern des 
„Hessenlandes" durch seine schönen Gedichte be 
kannten Landsmannes, eine Anzahl Männer 
zusammentraten, die sich auf dem Gebiete der 
hessischen Geschichte bereits bethätigt hatten, um 
über die Gründung einer Zeitschrift zu berathen, 
welche in kürzeren Zwischenräumen erscheinend, 
der Pflege der hessischen Geschichte und Litteratur 
ausschließlich gewidmet sein sollte. Ueber die 
Sache war man bald einig, auch die Schwierig 
keit eines passenden Namens für das neu zu 
gründende Blatt endlich überwunden, und so trat 
unser „Hessenland" in's Leben. Es war ein 
glücklicher Griff Zwengers, die Gründung dieser 
populär-wissenschaftlichen Zeitschrift, deren erste 
Nummer am 22. Dezember 1886 ausgegeben 
wurde. Belehrt durch den Mißerfolg seiner 
„Buchonia", in der er die unmögliche Vereinigung 
von Politik und Wissenschaft versucht und erstrebt 
hatte, verbannte er jene nunmehr ganz und gar 
aus seinem „Hessenland" und vermied ängstlich 
alles, was nur entfernt an diese Zerstörerin der
	        

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