Full text: Hessenland (8.1894)

Ferdinand 
er Begründer und Herausgeber unserer Zeit 
schrift „ Hessenland", F e r d i n a n d Z w e n g e r, 
ist dahin gegangen. Eine kurze Krankheit hat 
ihn unerwartet fortgerissen, und sein Scheiden 
läßt eine fühlbare Lücke. Wer wie er in Hessen 
siebzig Jahre lang gelebt, wer dazu in so viel 
seitiger Weise litterarisch thätig gewesen ist, der 
ist im ganzen Lande bekannt. Aber Zwenger 
war nicht bloß bekannt, er wurde von allen, die 
ihn kannten, hochgeschätzt und — ohne Rücksicht 
auf die, heute leider die sozialen Verhältnisse so 
sehr beherrschende politische Parteistellung — auf 
richtig geliebt. Er hatte zahlreiche Frellnde, und 
wenn er Feinde besaß, so hatte er sie nicht ver 
dient. Denn Liebenswürdigkeit und freundliche 
Gesinnung waren die Grundzüge seines Wesens. 
Der Lebensgang des Dahingeschiedenen war 
in mehrfacher Hinsicht eigenartig und bemerkens- 
werth; er war es einmal, als er sich nicht in 
der allgemeinen Heerstraße des gewöhnlichen Lebens 
bewegte; eigenartig auch insofern, als er den 
durchaus edel angelegten Mann allmählich im 
Wandel der Zeit durch manche Stürme zu dem 
ruhige» Hafen abgeklärter Wissenschaftlichkeit 
führte: anfangs geübt, die Feder nur im Dienste 
der Tages-Politik zu führen, gelangt Zwenger 
allmählich dahin, den Blick mehr und mehr rück 
wärts auf die Vergangenheit zu richten, bis er 
am Ende seiner Tage ausschließlich sich der Pstege 
der heimischen Geschichte zuwendet. 
Sein Lebensgang ist kurz folgender: Ferdinand 
Zwenger wurde am 18. Oktober 1824 als Sohn 
des Medizinalrathes Dr Zwenger in Fulda ge 
boren. Die Jugend lächelte ihm wie wenigen. 
Nach Absolvirung des Gymnasiums seiner Vater 
stadt bezog er, der Sohn angesehener und sehr 
wohlhabender Eltern, zunächst die Universität 
Marburg, um sich der Rechtswissenschaft zu 
widmen. Hier trat er dem zu Anfang der vier 
ziger Jahre neugegründeten Korps Hassta bei. 
Später wandte er sich, wie viele unserer hessischen 
Landsleute jener Zeit, nach dem Ideal aller 
deutschen Hochschulen, dem schönen Heidelberg, 
wo er dem noch blühenden und hoch angesehenen 
Korps der Saxo-Borussen angehörte. Die ! 
Zwenger 
Erinnerung dieser Zeiten begleitete ihn treu 
durch's ganze Leben. Er war ein tüchtiger Korps 
student, deshalb sah er, und mit Recht, in dem 
korpsstudentischen Wesen das Ideal alles deutschen 
Studentenwesens. Doch hat er es stets verschmäht, 
von den Verbindungen, die ihm als altem Saxo- 
Borussen anzuknüpfen ein Leichtes gewesen wäre, 
etwa später Gebrauch zu machen. Er ging seinen 
eigenen, selbstgeschaffenen Lebensweg. 
Im Jahre 1849 kehrte er, ohne daß er sich 
bis dahin zur Ablegung eines juristischen Examens 
hätte entschließen können, nach Hause zurück. Die 
Mutter, welche den Gatten früh verloren hatte, 
wollte nun den Sohn nicht von ihrer Seite lassen. 
Sie hielt ihn bis zu ihrem Tode bei sich zurück, 
und so kam er, zumal er in den besten Ver 
mögensverhältnissen lebte, auch später nicht mehr 
dazu, ernstlich an die Wiederaufnahme seiner 
Fachstudien zu denken. Dagegen beschäftigte er 
sich in dieser Zeit viel mit Geschichte und mit 
neuerer deutscher und französischer Litteratur, und 
erwarb sich umfassende Kenntnisse. Insbesondere 
legte er damals den Grund zu seiner trefflichen 
Bekanntschaft mit der Spezialgeschichte seines 
Fuldaer Heimathlandes. Auch seine freundschaft 
lichen Beziehungen zu unseren hervorragenden 
Dichtern Franz Dingelstedt und Julius 
Rodenberg, die beide bekanntlich unserem 
Hessenlande entstammen, rühren aus jener Zeit her. 
Leider verlor der allzu leicht Vertrauende in 
den fünfziger und sechziger Jahren einen Theil 
seines Vermögens, — ohne eigene Schuld. Dieser 
Umstand, sowie der Wunsch, eine seinen geistigen 
Fähigkeiten angemessene Thätigkeit zu entwickeln, 
führte ihn zu der Gründung einer Tageszeitung, 
der ersten politischen, welche in Fulda bis dahin 
erschienen war. In Verbindung mit dem Buch 
drucker Hammer gründete er im Jahre 1868 
den „Fuldaer Anzeiger", von 1875 ab „Hessischer 
Beobachter" genannt, den er vorzüglich redigirte; 
aber schon mit Ende des letztgenannten Jahres 
legte er die Leitung des Blattes nieder, das er, 
wiederum nicht ohne Verlust, verkaufte. Er hatte 
trübe Erfahrungen gemacht, und bitter läßt er sich 
bei seinem Scheiden von der Redaktion des Blattes
        

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