Full text: Hessenland (8.1894)

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Ariihling. 
Die Drossel singt; der Frühling kehret wieder. — 
Ach zog' er auch in meinem Herzen ein! 
Du schone Zeit, du Ebenbild der Jugend, 
Willst du durch deinen Zauber mich erfreun? 
Des Thaues Fall, der auf den Blumenblättchen 
Gleich Diamanten glänzt im schönsten Licht, 
Das sind die Thränen, die ich um dich weinte, 
Ach schöne Jugend, ich vergcss' dich nicht! 
Du, Frühling, mahnest mich an jene Zeiten, 
Begrüßest mich mit freundlich liebem Blick, 
Doch ich bin still, denn meiner Jugend Trünine, 
Sie bringt mir keine Ewigkeit zurück! 
Von der Erinn'rung muß allein ich zehren, 
Die Bilder zich'n vor meinem Geist dahin; 
Nach ihnen möcht ich Haschen, sie umkreisen, 
Doch seh' ich ein, daß ich zu machtlos bin. 
So mag der Lenz denn neuen Trost mir geben 
Und mich erfreu'n durch seine Himmelslust, 
Auch meinem Leben neue Hoffnung bieten, 
Und heil'ger Frieden zieh' in meine Brust! 
Hark Wever. 
Vr Nhsterhoas. *) 
Gedicht in Wetterauer Mundart von 
Kriedrich von Hrais. 
„Häi, Mordschwernuuth 2 ), woas eaß dann doas? 
„Ihr Keann, ihr Keann, dr Uhsterhoas! — 
„Schwinn 3 ), hoabbt ernt 4 ), hoabbt ernt!" Dorch 
die Hecke 
Eaß hen edorch eann imm die Ecke. 
Bei deam giht's flichtig, der eaß hoi 5 ), 
Der legkt sein Ajcr eann dr Froi 3 ). 
„Doas wehr 7 ) merr doach e Konststeck 3 ) doas — 
„So väile Ajer vo ahm 2 ) Hoas? 
— „Der hott sein Helf 10 )." — Ohm Breckilche “) 
Setzt's Hinkilche eanns Geckilche; 
Däi leje duschuhr deatt 12 ) eann's Ha 13 ) 
Eann scheele 14 ) eann die Wearrera. 
Dr Hoas eaß bluus dr Knächt devohn, 
Woas horr hen Spring eann Lääf 1B ) gedohn! 
Jhrscht eann die Foarb; die Nonwe "h koacht 
Die Ajer schwoarzblo, woas e Proacht! 
Ach goldgähl, ruuth eann blitzeblo 
— Bo alle Sorte sein se do. — 
Ds Esilche off Chreastdoah 47 ) brengt 
Bäil Gonts. Dr Uhsterhoas verschenkt 
Die Ajer dozzeltweis de Keann "), 
Däi müsse suche beaß 19 ) se feann 2 °), 
Leir e gesprenkiltes eamm Groas, 
Hääßt's „gukkt emohl denn gonrc Hoas!" 
Ds Johr, ds mut 21 ), brengt imm däi Zeit 
Bäil Schihnes, Fraad eann Herrlichkeit; 
Doach all doas Groin 22 ) eann all düi Blomme 
Wehrn 23 ) »ant, wehr nüit ds Hüsi komme. 
Woas wärt novch all' deam Krohin gefrcgkt/ 
Wann nüit dr Hoas die Ajer legkt? 
Ahn Johr treibt's anner, — wuhlgedohn 24 ), 
Btet siwwezig Johr giht's Ahler ohn! 
Denkt so e Ahles ohn däi Zeit, 
Düi langt verrbei eamm Troiwe 22 ) leit 23 ), 
Off ahmol scheint die Sonn. „Ei woas? 
„Ach, läiwer Gvitt, dr Uhsllrhoas!" 
*) Osterhase. 2 J Mordschwernoth. 3 ) geschwinde. 
4 ) haltet ihn. 5 * ) hurtig. *) Frühe. ’) wäre. 8 * ) Kunst 
stück. 8 ) einem. 10 ) Hülfe. ”) Brückchen. ia ) dort. 
"> Hen. "»schicken. "»Läufe, "»der Rabe. "»Christ 
tage. "» den Kindern. "» bis. ao ) sie finden. 21 » neue: 
aa ) Grün. 23 ) wären. '"» wohlgethan. 2 °» Trüben, 
liegt. 
Aunsch. 
Hoch auf den Alpenmatten, 
Da möcht' ich wieder steh'n 
Und auf die blauen Schatten 
Jn's Thal hinunter seh'n. 
Wo hohe Fichten winken 
Nah' bei dem Felsenschlund, 
Da möcht' ich wieder trinken 
Mir Geist und Herz gesund. 
Wo Alpenrosen klettern 
Empor und einsam blühn, 
Wollt ich dem Sturm, den Wettern 
Dann trotzen stolz und kühn. 
Hoch über Thal und Hügel, 
Im lichten Gotteshaus, 
Spannt' ich der Seele Flügel 
In stiller Andacht aus. 
#. Mendel.
        

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