Full text: Hessenland (8.1894)

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von Bastheim in feinem Rokokogeschmack damals 
neu erbaut hatte. Neben dem Kurfürsten war 
tn dem jetzigen Schwarz'schen Hause die besuchte 
Bierwirthschaft von Vollmar. Die Pfarrkirche 
war kürzlich (1770—1783) neu erbaut worden. 
Der Friedrichsmarkt hieß Kreuzplatz, der Brunnen 
der Kreuzkumpf. Der vor demselben stehende 
Obelisk war 1770 hierher versetzt worden, er 
stand früher vor dem Bäcker Hammer'schen Hause 
am Kraftbrunnen, der um dieselbe Zeit verschüttet 
worden ist. Das jetzige Rathhans war Privat 
gebäude, es gehörte einem Buchbinder Kaiser. 
An Stelle des gegenwärtigen Postgebäudes standen 
die Fleischbänke, welche einen großen Hof um- 
schlossen, lauter kleine Buden, woselbst von den 
Metzgern alles Fleisch verkauft werden mußte, in 
deren Häusern durste es nicht geschehen. Die 
alte Gestalt hat am besten noch das Mollen- 
hauer'sche, früher Rüttger'sche Haus mit seinem 
mittelalterlichen Erker bewahrt, das damalige 
Postgebäude. Die anstoßende Löwenapotheke be 
stand schon und gehörte der verwitweten Bürger- 
meisterin Zwenger. Der südlichen Langseite der 
Pfarrkirche gegenüber befand sich das Rathhaus, 
welches von Herrn Adam Schultheis zum Ring 
bis zur Wohnung des Oberbürgermeisters ein 
Gebäude mit einer größeren Freitreppe war. 
Der goldene Ring ist eines der Wahrzeichen 
Fuldas und diente für die Stricke, an denen die 
großen Weinfässer in den unter dem Hause be 
findlichen Rathskeller hinabgelassen wurden. 
Der Stadtrath hatte 1793 als Präsident den 
Propst von Guttenberg, als Vizedom Ludwig 
Freiherrn von Karg zu Bebenburg, als Stadt 
schultheis Joseph Kepler, sechs ältere xtnb sechs 
jüngere Mitglieder, darunter Adolf Schalk als 
ersten nnb Johann Maria Comitti als zweiten 
Bürgermeister. Dazu gehörte noch der Unterrath 
mit den Gemeindevorstehern, worunter Hauck, 
Vogel, Oswald, Kircher, Knips und Uth noch 
bekannte Namen sind. 
Ueber dem Rathskeller befand sich eine Wein 
stube und darüber die städtischen Schulen. Die 
Knaben wurden von Lehrern, die Mädchen von 
den Englischen Fräulein unterrichtet. Doch schon 
1782 ist dieses Gebäude an den Metzgermeister 
Konrad Schultheis verkauft worden, die Knaben 
schule war bereits 1774 in den Borgiasbau 
verlegt worden, und die Mädchen feinten in 
das Kloster der Englischen Fräulein, das alte, 
jetzt Herrn Dr. Raabe gehörige Haus am Bntter- 
markt. 
Neben diesem nach Norden zu waren zwei 
Gasthäuser, der Löwe, jetzt Herrn Plappert 
gehörig, und die Wirthschaft von Molitor. Von 
da aufwärts bis zum Benediktiner- Nonnenkloster 
hatte alles zum Jesuitenkloster gehört. Die 
Jesuiten waren bekanntlich unter Fürstbischof 
Heinrich von Bibra am 2. Januar 1774 durch 
den Papst Clemens XIV. Ganganelli aufgehoben 
worden. Die Kaserne, der jetzige Stadtschulbau, 
blieb als Seminar für Weltgeistliche bestehen, 
die Kirche in dem jetzt Linz'schen Garten wurde 
abgetragen. 
Der Borgiasbau, gegenwärtig Herrn Kramer's 
Möbelmagazin, blieb bestehen, wurde der Stadt 
geschenkt und wie schon bemerkt als Knabenschule 
benutzt. Die übrigen Häuser bis zum oberm 
Nonnenkloster wurden an Private verkauft und 
später sämmtlich neu gebaut. Ich bemerke, daß 
in den: Hause des Herrn Mehler die Bäckerei 
und unter boxn jetzt zum Knabenkonvikt bestimmten 
Hause der Weinkeller der Jesuiten war. An der 
Westfront, der Pfarrkirche gegenüber, war das 
Kollegiatstist zum heiligen Blasius für weltliche 
Chorherren oder Kanoniker, welche die Seelsorge 
der Stadtpfarrei besorgten. Das jetzige Gymnasium 
war damals die hohe Schule Fuldas, die Adolfs- 
Universität. Das Benediktiner-Nonnenkloster und 
dessen hübsche Kirche bestanden schon in ihrer jetzigen 
Gestalt. 
Die Schmiedgasse setzt sich einestheils als 
Hauptstraße in die Döppengasse (jetzige Markt 
straße) fort, wo wir die Hof- und Schwanenapotheke 
des Hoskammerraths Lieblein gewahren, andertheils 
geht nach rechts die Mittelstraße, damals Juden 
gasse, ab, die zum Gemüsemarkt führt, damals 
Danzhütte genannt. Die Hauptstraße biegt aber 
am Buttermarkt rechtwinklig um, die jetzige 
Karlstraße hieß Kohlhäuser Straße, weil sie am 
Kohlhäuser Thor (bei dem Hause des Herrn 
Metzgermeisters I. I. Krauler) endigte. Von ihr 
begrenzte der innere itxxb äußere Graben (jetzt 
Kanalstraße und Königstraße) die Stadt nach 
Westen. Der jetzt überpflasterte Kanal war 
damals noch ein offener Bach; erst in diesem 
Jahrhundert wurde er mit Brettern, später mit 
Platten belegt und endlich kanalisirt; infolgedessen 
wechselte diese längste Straße Fuldas ihren Namen, 
innerer Graben, zunächst in die Bohlen, die 
Platten itxtb endlich zur Kanalftraße. 
Die innere Stadt war 1793 noch ziemlich voll- 
ständig nlit Mauern und Thoren umgeben; die 
Stadtmauer lief vom Paulusthore um den Schloß- 
garten und das Schleiß herum zum Heerthor und 
von da zürn Petersthor. Von den Oekvnomie- 
und Stallgebäuden des Schlosses bis zum Peters 
thor (vor der Harmonie) zog sich längs der 
Mauer ein tiefer, breiter Graben, der Stadtgraben, 
hin, welcher als Genlüseländerei benutzt wurde,
        

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