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Zeitungsausschnitte über Elisabeth von Heyking

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Bibliografische Daten

fullscreen: Zeitungsausschnitte über Elisabeth von Heyking

Aufsatz

Persistente ID:
1488876640570
Titel:
Zeitungsausschnitte über Elisabeth von Heyking
Signatur:
340 Grimm Nr. Z 20
Besitzende Institution:
Hessisches Staatsarchiv Marburg
Dokumenttyp:
Aufsatz
Sammlung:
Zeitungsausschnitte
Erscheinungsjahr:
1919 - 1926
Literatur:
Moritz, Werner: Verzeichnis des Nachlaßbestandes Grimm im Hessischen Staatsarchiv Marburg. - Marburg : Hitzeroth, 1988. - S. 441
Link:
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=g111787
Copyright:
Hessisches Staatsarchiv Marburg / in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Kassel
Anmerkung:
Enth.: 1. Elisabeth v. Heyking, Die Orgelpfeifen, Erzählung (aus:?). 2. Elisabeth v. Heyking, Aus einem Tagebuch (aus: Unterhaltungsbeil. der Tägl. Rundschau, 1919). 3. Elisabeth v. Heyking zum Gedächtnis. Von Erika von Watzdorf-Bachoff (aus: ?., 1925). 4. [Aufsatz von Elise Münzer über E. v. Heyking (Anfang fehlt). Mit einem Photo des Baron von Heyking und seiner Gemahlin im Arbeitszimmer des Barons auf Schloß Crossen und einem Bildnis der Bettina v. Arnim] (aus: Zeitbilder, o. J.). 5. Elisabeth von Heyking. Pers. Erinnerungen zum 1. Todestag. Von Erich Mosse (aus: ?, 1926)
Sprache:
Deutsch
Jahr der Digitalisierung:
2017
Herkunft der digit. Ausgabe:
Kassel
Hersteller der digit. Ausgabe:
Dienstleister beauftragt vom Hessischem Staatsarchiv Marburg
Physikalischer Standort:
Hessisches Staatsarchiv Marburg

Volltext

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 20 
I 
Die. Orgel stand auf der einen Seite der Altarempore. Sie war 
in ein weiß-goldenes Gehäuse eingebaut. Das n 
Gesimses stellte kleine, pausbäckige Engelchen dar. bie Pg al £ 
Hand Schnörkeln, wie in einem Irrgarten gefangen> faßen. D e 
Kinder hatten diese Engelchen immer mit besondrS-r Neug er 
betrachtet . Was für ein Spiel mochten sie wohl dort oben spie 
Verstecken oder Blindekuh? Unterhalb die es Gesimses glänzten dt 
Orgelpfeifen blitzblank, wie das Tafelsilber, wenn Groß 
Diener es eben geputzt hatten. Es gab da ganz grone, dicke Pj l - 
Sicher waren sie cs, die sprachen, wenn es aus der Orgel so s - ' 
daß man an die Stimme des Iiingsten Gerichts dei.kett mußte, om 
der der alte Pastor mal auf der Kanzel geredet hatte. Neben § 
ganz großen, breiten Pfeifen standen in Reihen andre, me ^ 
kleiner und schmäler wurden, so daß die dünnsten an den , 
der Büchse erinnerten, mit der Großmamas Förster aus bw I , 
ging. Deren Stimmen waren sicher die fernen, leisen, die ma ch« 
noch ganz lang durch die Kirche klangen, wenn das eigentliche . 
schon vorüber war, das dc^ alte Kantor, mit Hände 
Fußen arbeitend und stark schnaufend, auf der Orgel gespielt Y-r - 
Leise, leise war dieser Ton. An das Jüngste Gericht dachte 
dabei gar nicht. Aber das Wort „Sternenfprache das btc »«JF 1 
irgendwo gehört, fiel ihnen dabei ein. Vielleicht hatte der o - 
der die Hirten zum Jesukindchen führte, auf fernen Sirah c 
feine, sanfte Töne in die Weihnachtsnacht herabgesandt. 
Ja, es war eine sehr schöne Orgel. Und sie war sehr m. - 
eigentlich alles auf dem Schlosse alt war. Nur d'.e Zen.ral.) «z vg 
war neu und di^Waschtiiche, bei denen man bloß an Höhnen Z» 
drehen brauchte, um kaltes oder warmes Wasser zu hauen, zu 
hatte Großmama einst einsetzen lassen, und es war das au ) 
etwas sehr Merkwürdiges, wie das Wasser so eisig aus der W 
herausgurgelle, und es sollte doch dasselbe Wasser sein, das o 
in Großmamas Wald zwischen Farnkraut und vermodern^ 
braunen Blättern als kleine Quelle uns der Erde sickerle n 
die Orgel mit den vielen verschiedenen Stimmen in den 4 S T C T 
war doch noch weit geheimnisvoller. 
Einmal kam ein fremder Herr aus der Stadt, der die Orgel e- 
fehen wollte, denn er schrieb ein großes Buch icker alle - 
Orgeln, und dabei dürfte die von Großmama doch natürlich 
schien. Großmama selbst führte den Herrn in die Kirche, . 
alte Pastor und der alte Kaiitor waren auch 'da. jm 
spülten gerade tm Schloßhof, aber als sie die Kirchentur N 
sahen, liefen sie auch hinejn. Großmama stand da w ch 
weißen Kleid, auf den Stock gestützt, dessen Krücke em muß 
Porzellunmäuschen bildete, lind sie erzählte gerade dem srsm « 
Herrn von der Orgel. 
„Nach dem Dreißigjährigen Krieg hat das Schloß lange ve 
wüstet dagestanden," sagte sie, „aber später, als von Nersame 
über Dresden die Baulust alle hiesigett großen mtd klemen w 
Wflrtfl, da hat der damalige Besitzer das Schloß mit der Kvp 
neu hergestellt, und die Orgel ließ er von dem berühmten 
Gottfried Silbe miaun erbauen." . 
„Ja, ja," sagte der fremde Herr mit pfiffigem ^SchmunzelM 
„das waren noch prunkhast heitere Zeiten. Und der dan. l 
Besitzer still ja auch ein prachtliebender, ausgelassener Herr 
wesen sein." 
-«der die Kirche UI» di« Orqel hat er doch zur Are Gone» 
bauen lasim." war! der alte Pastor ein, desien srermdlrch« llugrn 
stets die löblichen Seiten an Menschen und Dmgen zu legen 
wußten. 
.Ob er das wirklich zur Ehre Gottes getan?" sagte Grohnvama, 
und ihre Augen sahen forschend unter den weißen Braue ye 
vor. „Ich tzenke mir eher, er wollte eine schönere Kirche 
die Nachbarschlösser haben, und es geschah daher mchr zur etgr 
als zur Ehre Gottes." 
„Vielleicht muh man schon froh fein, wenn beide zusammen 
treffen," meinte der alte Pastor saust. 
Doch nun gewahrte der fremde Herr die drei die w 
gvohett Augen eifrig lauschend in dem hellen Viereck jto t 
das Sonnenlicht durch die. offene Tür auf den Stomboden . 
Kirche warf. „O, was für reizende Kinder!" ries er. »Al 
die Engelchen vom Orgelgehä'.tse lebendig geworden und Y 
aeskiegen wären, so stehen sie da." „ . k 
„Na, verwohnen Sie sie mir nicht, Herr Pwsessor, . 
Großmama. „Engelchen sind sie nicht gerade, und wenn II > 
mit der Orgel eine Ähnlichkeit haben sollen, so ist es - . 
den Pfeifen." Dabei schob sie die Enkel nach Alter und @i0ö
	        

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