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Hessenland (38.1926)

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Bibliografische Daten

fullscreen: Hessenland (38.1926)

Zeitschrift

Persistente ID:
1289911336242
Titel:
Hessenland
Signatur:
38 4° H.coll. 13
Datum:
1.1887 -
Erscheinungsort:
Kassel
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Zeitschriften
Sprache:
Deutsch
Zusatz zum Hauptsachtitel:
Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur
Physikalischer Standort:
Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel

Band

Persistente ID:
1289911336242_0038
Titel:
Hessenland
Signatur:
38 4° H.coll. 13
Bandzählung:
38.1926
Erscheinungsort:
Kassel
Verleger/Verlag:
Scheel
Dokumenttyp:
Band
Sammlung:
Zeitschriften
Erscheinungsjahr:
1926
Sprache:
Deutsch
Zusatz zum Hauptsachtitel:
illustrierte Monatsblätter für Heimatforschung, Kunst und Literatur
Jahr der Digitalisierung:
2013
Herkunft der digit. Ausgabe:
Kassel
Hersteller der digit. Ausgabe:
Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel
Physikalischer Standort:
Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Hessenland
  • Hessenland (38.1926)
  • Titelblatt
  • Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs 1926
  • Heft 1, Januar 1926
  • Heft 2, Februar 1926
  • Heft 3, März 1926
  • Heft 4, April 1926
  • Heft 5, Mai 1926
  • Heft 6, Juni 1926
  • Heft 7, Juli 1926
  • Heft 8, August 1926
  • Heft 9, September 1926
  • Heft 10, Oktober 1926
  • Heft 11, November 1926
  • Heft 12, Dezember 1926

Volltext

22t 
er eine Kiste, Latten, eine Säge, einen Hammer und 
Nägel herbei und maß, sägte und hämmerte uner 
müdlich. Endlich stand der Kasten fest auf dem 
Unterbau. Sogar an einer beweglichen Deichsel 
fehlte es nicht, wenn es auch nur eine alte Bohnen 
stange war. Christoph betrachtete mit Wohlgefallen 
sein Werk und machte, von einer Kinderschar um 
ringt, eine Probefahrt Gaß auf, Gaß ab. Er war 
zufrieden mit seiner Arbeit und nickte nach den 
Fenstern hinüber. Karline, die vergeblich auf einen 
Fehlschlag gewartet hatte, zog sich zurück. Lachend 
ging er ins Haus, um sich zu einer Fahrt in den 
Garten bereit zu machen. 
Plötzlich hörte er draußen vielstimmiges Jauchzen 
und wildes Rasseln. Ohne noch recht zu begreifen, 
was vorging, sprang er zur Tür. Eine Schar 
Knaben fuhren im Galopp den neuen Wagen über 
das holprige Pflaster, und darin saßen ... die 
beiden Enkel der Karline! Er schwenkte den Arm, 
er wollte rufen ... da, eine scharfe Biegung, der 
Wagen neigte sich auf die Seite ... und schlug 
um, die beiden Kinder unter sich begrabend. Voll 
Mitleid eilte Christoph hin. Er kippte das zer 
brochene Gefährt um, stellte die Kinder aus die 
Füße und wischte ihnen mit dem roten, weiß 
getupften Taschentuch die blutigen Nasen. Die Kin 
der standen noch ganz entsetzt, unfähig zu weinen. 
Da sah er erst dem Jungen, dann dem Mädchen in 
das angstvoll verdutzte Gesicht . .. und plötzlich brach 
er in ein lautes Lachen aus. Eine Ähnlichkeit hatte 
er bei dem Mädchen entdeckt, eine Ähnlichkeit! Er 
schlug sich vor die Stirn: daß er noch nie auf den 
Gedanken gekommen war! Und wieder begann er 
zu lachen. Seine plötzliche rätselhafte Heiterkeit 
machte ihn den Kindern unheimlich, und sie be 
gannen, aus Leibeskräften zu heulen. In diesem 
Augenblick erhielt er einen heftigen Stoß in die 
Seite: die Karline stand neben ihm. „So hört 
doch nur auf mit Euerm dummen Lachen," sagte 
sie, „die Kinder fürchten sich ja vor Euch!" „Ach, 
Nachbarin," sagte er und suchte wieder, ihnen die 
Nasen zu wischen, „es ist doch auch gar zu komisch, 
wenn ich bedenke, daß nun zwar nicht Eure Kinder, 
aber doch Eure Kindeskinder in meinem Wagen 
gefahren sind! Ihr hättet Euch damals nicht ver 
heißen sollen. Seht Ihr, Ihr habt doch nicht recht 
behalten! Ha, ha, ha ha!" Karline sah ihn mit 
einem Blick an, als ob sie ihn vergiften wolle, und 
zog die Kinder mit verblüffender Schnelligkeit von 
ihm weg. „Pfui schämt Euch, Nachbar," sagte sie 
und spuckte vor ihm aus, „entweder seid Ihr ein 
rachsüchtiger Mensch, der kein Herz im Leibe hat, 
oder Ihr seid ... ein Narr!" 
Ihr Zornesausbruch rührte ihn nicht, und auch 
die Entdeckung, daß die Räder seines Wagens ge 
brochen waren, beeinträchtigte seine Heiterkeit nicht 
im geringsten. Gern kaufte er jetzt einen neuen 
Karren: er hatte ja eine Freude gehabt, die un 
bezahlbar war! 
Von diesem Tag an war der alte Groll ver 
gessen: Christoph lachte und pfiff immer vor sich 
hin, als ob er wirklich noch einmal jung geworden 
wäre. Karline sah ihm oft neugierig von ihrem 
Fenster aus zu und dachte, der Nachbar sei nun 
völlig närrisch geworden. Und als er an einem 
hellen Werktag im guten Anzug aus der Türe trat, 
konnte sie sich nicht enthalten, ihn mit spitzer Stimme 
zu fragen, ob denn für ihn nun alle Tag Sonntag 
sei. „Nur heut!" sagte er und machte eine feierliche 
Miene, „ich gehe nämlich auf die ... Freierei!" Da 
schlug sie zornig das Fenster zu, aber sie konnte 
doch noch sein lautes Lachen bis in ihr Zimmer 
hören. Seit diesem Tag schien er völlig aus dem 
Häuschen zu sein. Die Karline hatte oft Bedenken, 
ob sie die Kinder zu ihm hinüberlassen solle, so 
närrisches Zeug redete er mit ihr, der Großmutter. 
Schämte sich der alte Narr doch nicht, sie im Vor 
übergehen seinen lieben Schatz zu nennen, und 
wollte er sich doch kugeln vor Lachen, wenn sie zor 
nig wurde. Aber die Kinder hingen an ihm fast 
mehr noch als an ihr, so gut verstand er es mit 
ihnen. Besonders das Linchen wich nicht mehr von 
seiner Seite. 
Dann hielt er an einem naßkalten, späten Ok 
tobertag für die Kinder Nachlese im Garten, indem 
er ein paar vergessene Äpfel aus den höchsten Ästen 
herunterholte. Zu Hause legte er sich nieder und 
stand nicht wieder auf. 
Als sein Testament geöffnet wurde, fand sich, daß 
er sein Haus der Enkelin der Karline vermacht hatte. 
Aber auch jetzt blieb er der närrische Christoph, der 
er sein Leben lang gewesen war: in seinem Testa 
ment sprach er den Wunsch aus, daß die alte Kar- 
line, nachdem ihre Kindeskinder in seinem Wagen 
gefahren seien, schließlich auch noch in seineSchneider- 
hölle herüberkäme. Es war der nachdenklichste Tag 
in ihrem Leben, und sie meinte, den Christoph habe 
doch niemand so recht gekannt, und die Menschen 
müßten erst tot sein, wenn man sie richtig beur 
teilen wolle. Sie ging auch tvirklich mehrmals 
hinüber und saß ein Stündchen in Gedanken vor 
dem Schneidertisch, aber dann sorgte sie dafür, daß 
das Haus vermietet wurde, und blieb, wo sie war. . . 
Es mußten noch einmal fünfzehn Jahre vergehen, 
und sie mußte mit ihrem Enkel noch schlechtere 
Erfahrungen machen als mit ihrem Mann und 
ihrem frühverstorbeuen Schwiegersohn. „Der Jung 
fährt mir über den Mund, daß es nicht mehr schön 
ist!" klagte sie oft. Und als dem Linchen ein 
Schneider nicht zu gering dünkte und es sich mit ihm 
in das ererbte Häuschen setzte, da schied die Groß 
mutter von dem stolzeren Elternhaus und zog mit 
dem jungen Paar über die Gasse.... 
„Nun hat der Christoph doch noch recht behal 
ten," sagte sie mit zitternder Stimme, als sie sich 
in der Stube des kleinen Hauses in ihrem Lehn 
stuhl niederließ, „nun bin ich doch noch in seine 
Hölle gekommen, jetzt, wo er selber schon so lang 
im Himmel ist! ... Einen Himmel gibt's ja auf 
Erden nicht, aber wenn ich mit zwanzig gewußt 
hätte, was ich heute tveiß, es wäre vielleicht man 
ches anders gekommen!"
	        

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